Booster-Impfung: Ärger über Ärzte

Viele Senioren im Landkreis Kassel erhalten kein Angebot – Impfzentren müssen einspringen

Im Impfzentrum des Landkreises Kassel in Calden erhalten inzwischen überdurchschnittlich viele Senioren ihre Auffrischungsimpfung. Das lässt darauf schließen, dass aktuell nicht alle Hausärzte Impfwilligen ein Angebot machen können oder wollen.
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Im Impfzentrum des Landkreises Kassel in Calden erhalten inzwischen überdurchschnittlich viele Senioren ihre Auffrischungsimpfung. Das lässt darauf schließen, dass aktuell nicht alle Hausärzte Impfwilligen ein Angebot machen können oder wollen.

Viele Senioren können sich inzwischen zum dritten mal gegen das Corona-Virus impfen lassen. Jedoch werden viele Patienten von ihren Hausärzten an die Impfzentren verwiesen. Dies sorgt für Ärger.

Kreis Kassel – Nicht wenige ältere Menschen wundern sich darüber, dass sie aktuell ihre dritte Covid-Impfung nicht immer von ihrem Hausarzt erhalten. Stattdessen werden sie an ein Impfzentrum weiterverwiesen. „Ich habe das selbst bei meinem Hausarzt beobachtet“, sagt beispielsweise der Niestetaler Werner Nicolaus.

Keinesfalls wolle er damit seinen Hausarzt kritisieren, „der wird schon seine Gründe dafür haben“. Doch frage er sich, ob es da nicht eine bessere Lösung gebe – gerade für Senioren über 70 Jahre.

Über 200 Menschen erhielten vergangenen Mittwoch Dritt-Impfung in Calden

Tatsächlich bestätigt auch der Landkreis Kassel diese Entwicklung. So hätten alleine am vergangenen Mittwoch im Impfzentrum Calden 222 Menschen eine Dritt-Impfung erhalten. „Das ist fast die Hälfte aller, die sich am Mittwoch überhaupt in Calden haben impfen lassen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Der außergewöhnlich hohe Anteil an Drittimpfungen ließe darauf schließen, dass aktuell nicht alle Hausärzte Impfwilligen ein Angebot machen können oder wollen.

Einen Grund dafür liefert der Hausärzteverband in Hessen. „Es sind vor allem die kleineren Praxen, die oft logistische Schwierigkeiten haben, zu jeder Zeit passend Impfstoff zur Verfügung zu stellen, ohne dass womöglich zu viel Impfstoff übrig bleibt und später weggeworfen werden muss“, sagt Christian Sommerbrodt, Vorstandsmitglied beim Hausärzteverband Hessen. So minimierten kleinere Praxen ihr Impfangebot oder stellten es sogar ganz ein, weil oft nicht genug Leute kommen – selbst bei akkurater Terminorganisation, Beschaffungs- und Lagerlogistik. In solchen Fällen verweisen Hausärzte dann auf die Impfzentren. „Die Ärzte wollten sich einfach die Mühen nicht umsonst machen.

Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen gehe es den Ärzten auch ums Geld. Für eine Covid-Impfung kann ein Hausarzt 20 Euro abrechnen, „das ist nicht viel, vor allem wenn der Beratungsaufwand sehr hoch ist“, sagt dazu KV-Sprecher Karl Roth. Zum Vergleich: Eine Impfung in einem Impfzentrum kostet das Land 130 Euro – wegen des großen logistischen und organisatorischen Aufwands.

Unmut bei Ärzten

Das führe zu Unmut bei vielen Ärzten: So hätten die Impfzentren allein schon aus ökonomischen Gründen viel früher geschlossen werden müssen. „Die Hausärzte standen ja bereit und hätten übernehmen können“, sagt Roth. Dennoch sei weiter viel Geld verbrannt worden, Geld, mit dem stattdessen die impfenden Ärzte angemessen hätten vergütet werden können. „Da wundert es nicht, dass einige Ärzte jetzt keine Lust mehr haben“.

Tatsächlich sind Ärzte nicht verpflichtet, ein Impfangebot zu machen. Letztlich begründet diese Tatsache auch die Notwendigkeit von Impfzentren. Denn dort, wo Versorgungslücken auftauchen – aus welchen Gründen auch immer – müssen diese geschlossen werden. Deshalb sind die Gesundheitsämter stets dazu angehalten, wenigstens ein Notnagel-Angebot vorzuhalten. Und das sind aktuell die Impfzentren und die mobilen Angebote.

Es geht also nicht darum, älteren Menschen, die eine Auffrischungsimpfung erhalten wollen, das Leben schwer zu machen. Im Gegenteil: Seit September können Hausärzte Auffrischungsimpfungen offiziell anbieten und auch abrechnen. „Und die meisten tun das auch weiterhin“, sagt KV-Sprecher Roth. (Boris Naumann)

Drittimpfung für Senioren, Pflegebedürftige und Pflegepersonal

ine Drittimpfung (Auffrischungsimpfung, Booster-Impfung) erhalten aktuell Menschen über 70 Jahre, Pflegebedürftige, immungeschwächte Menschen sowie Pflegepersonal. Das gilt unabhängig davon, welcher Impfstoff bei der Erst- und Zweitimpfung eingesetzt wurde. Der Impfabstand zur ersten Impfserie sollte in der Regel sechs Monate betragen. Grundlage dafür sind entsprechende Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz, die sich wiederum auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) stützen. Auch die Arzneimittel-Agentur der EU (EMA) hat jetzt für Auffrischungsimpfungen mit mRNA-Vakzinen (Biontech, Moderna) grünes Licht gegeben.

Impfzentren

Bei diesen Anlaufstellen in Stadt und Landkreis Kassel kann man sich melden:

Impfzentrum Landkreis Kassel: ehemaliger Flughafen Kassel-Calden, immer mittwochs von 15 bis 19 Uhr.

City-Point Kassel: montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr, Schnelltestzentrum im Erdgeschoss. Am Sonntag, 31. Oktober, hat der Impf-Point zur Casseler Herbst-Freyheit zusätzlich von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

Impfbus: Samstag, 30. Oktober, von 9 bis 15 Uhr auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes Sebera, Wolfhager Straße 199, Rothenditmold. Sonntag, 31. Oktober, von 12 bis 18 Uhr anlässlich der Casseler Herbst-Freyheit am Friedrichsplatz.Bei diesen Anlaufstellen in Stadt und Landkreis Kassel kann man sich melden:

Impfzentrum Landkreis Kassel: ehemaliger Flughafen Kassel-Calden, immer mittwochs von 15 bis 19 Uhr.

City-Point Kassel: montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr, Schnelltestzentrum im Erdgeschoss. Am Sonntag, 31. Oktober, hat der Impf-Point zur Casseler Herbst-Freyheit zusätzlich von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

Impfbus: Samstag, 30. Oktober, von 9 bis 15 Uhr auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes Sebera, Wolfhager Straße 199, Rothenditmold. Sonntag, 31. Oktober, von 12 bis 18 Uhr anlässlich der Casseler Herbst-Freyheit am Friedrichsplatz.

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