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Verwaltungen leiden unter Personalnot – Freie Wirtschaft oft attraktiver

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Von: Amira Sayed El Ahl

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Gerade kleine Verwaltungen leiden: In den Rathäusern des Landkreises wird fast in allen Bereichen nach Fachkräften gesucht.
Gerade kleine Verwaltungen leiden: In den Rathäusern des Landkreises wird fast in allen Bereichen nach Fachkräften gesucht. © ARMIN WEIGEL/DPA

In vielen Verwaltungen sind derzeit Stellen unbesetzt. Vor allem kleinere Kommunen trifft die Personalnot besonders hart, weil sie sich schwerer kompensieren lässt.

Kreis Kassel – In fast allen Branchen herrscht derzeit Personalnot – auch in den Verwaltungen im Landkreis. Egal ob Erzieher, Gebäudetechniker, Ingenieure, qualifizierte Handwerksberufe oder Hausmeister – gesucht wird in so gut wie jedem Bereich. „In der Tat ist der Mangel inzwischen überall“, sagt Karsten Schreiber, Vorsitzender der Bürgermeister-Kreisversammlung.

Gerade kleine Verwaltungen leiden unter der Personalnot, denn sie lässt sich dort schwerer kompensieren. Ein Beispiel dafür ist die Gemeinde Ahnatal. Dort sind derzeit mehrere Stellen vakant, darunter die des Büroleiters sowie zwei von drei Stellen im Bauamt. „Wir haben uns kurzfristig geholfen und Aushilfen eingestellt“, sagt Bürgermeister Stephan Hänes. So unterstützt Niklas Ott seit drei Monaten Bauamtsleiter Yakup Akcuru. Ott studiert Wirtschaftsingenieurwesen in der Fachrichtung Bau an der Uni Kassel. „Er kommt also aus dem Fach“, sagt Hänes.

Derzeit übernehme er hauptsächlich administrative Tätigkeiten. „Ich versuche, Yakup Akcuru die lästigen Aufgaben, die man nebenbei machen muss, abzunehmen“, sagt der 24-Jährige. Denn egal ob es um den Ausbau von Radwegen, Neubauten, Sanierungen oder die Verkehrsentwicklung im Ort geht – etliche Bauprojekte stecken gerade in der Planungsphase. „Wir haben uns viel vorgenommen, was wir umsetzen wollen, und dafür brauchen wir Personal“, sagt Bauamtsleiter Yakup Akcuru.

Doch das ist schwer bis kaum zu finden. Ein Grund dafür, warum Studenten wie Ott meist den Weg in die freie Wirtschaft wählen würden, sei die bessere Bezahlung. In einer Verwaltung bekommt ein Ingenieur als Einstiegsgehalt zwischen 3800 und 4500 Euro brutto, erklärt Hänes. „Da muss sich was verändern, wir müssen attraktiver werden, auch durch gute Freizeitregelungen, aber auch bei den Gehaltsstufen.“ In der freien Wirtschaft liegt das Einstiegsgehalt im Durchschnitt schon bei über 4000 Euro, nach zwei Jahren Berufserfahrung können Ingenieure schon auf ein durchschnittliches Gehalt von 5500 Euro brutto kommen.

Doch nicht nur das Gehalt sei eine Hürde. Viele Studenten wüssten gar nicht, wie kreativ man in einer kleinen Verwaltung sein könne und wie sehr man Gestalter sei, sagt Bauamtsleiter Akcuru, der selbst lange in der freien Wirtschaft tätig war. „In kleinen Gemeinden wie Ahnatal hat man Projekte von 500 Euro bis in den Millionenbereich auf dem Tisch und kann überall mitreden, das ist sehr abwechslungsreich.“ Auch Niklas Ott hätte vor drei Monaten noch nicht gedacht, dass ihm die Arbeit in einer Verwaltung so viel Spaß machen würde: „Man kann quasi den Platz vor seiner Haustür mitgestalten.“

Aber vor allem müssten Verwaltungen ausbilden, um dem Problem Herr zu werden, sagt Karsten Schreiber. „Es gibt etliche Kommunen, die gar nicht oder zu wenig ausbilden“, sagt der Fuldataler Bürgermeister. Deshalb werde auch teilweise aggressiv abgeworben unter den Kommunen. Zudem müsse an den weichen Faktoren gearbeitet werden, dazu gehörten Wertschätzung, die Arbeitsbedingungen sowie Fort- und Weiterbildungen. Auch Quereinsteiger müssten akzeptiert werden. „Wir müssen kreativer werden – und ansonsten müssen wir akzeptieren, dass Veränderungen zum Leben gehören.“

Wenige offene Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet

Zahlen, wie viele Stellen im Kreis insgesamt derzeit unbesetzt sind, gibt es laut Karsten Schreiber nicht. „Viele öffentliche Verwaltungen melden sich erst gar nicht bei der Agentur für Arbeit“, sagt der Vorsitzende der Bürgermeister-Kreisversammlung. Das bestätigt auch Cornelia Harberg, Pressesprecherin bei der Agentur für Arbeit. „Nicht jeder meldet sich bei uns, nur die, die sich dadurch erhoffen, ihre Stellen zu besetzen“, sagt Harberg. „Verwaltungsmitarbeiter rekrutiert man oft aus den eigenen Reihen heraus.“ Deshalb bilde das Zahlenmaterial der Agentur für Arbeit möglicherweise nicht ein hundertprozentiges Bild ab. Dort waren im August 25 offene Stellen in den Verwaltungen im Landkreis Kassel gemeldet, in der Stadt Kassel waren es lediglich neun offene Stellen. Das ist weniger, als in den Jahren zuvor (Stadt, August 2021: 14; Landkreis, August 2021: 42). Insgesamt sind derzeit in der Bauplanung 17 offene Stellen in der Stadt gemeldet, 7 im Landkreis. (Amira Sayed El Ahl)

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