Ehrenamtliche hoffen auf Frühjahr

Viele Vereine im Landkreis Kassel verschieben Jahreshauptversammlung

Die Chorgemeinschaft Volkmarshausen hat ihre Jahreshauptversammlung per Videokonferenz abgehalten.
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Die Chorgemeinschaft Volkmarshausen hat ihre Jahreshauptversammlung per Videokonferenz abgehalten.

Die heimischen Vereine müssen sich zur Zeit mehreren Herausforderungen stellen: Normalerweise würden die Mitglieder mit dem Jahresbeginn zusammenkommen

Kreis Kassel – Dabei wird vielleicht ein neuer Vorstand gewählt, über die Finanzen geschaut und alle auf den neusten Stand gebracht. Dazu ist die Mitgliederversammlung gedacht, für die sich die Vereine in ihren Heimen oder in den Gaststätten treffen – doch hunderte Menschen in einem geschlossenen Raum?In Pandemiezeiten unvorstellbar.

Vereinsversammlungen

„Da sind kreative Lösungen gefragt“, sagt Roland Tölle, Vorsitzender des Sportkreises Kassel. Die Versammlungen sind in den meisten Vereinssatzungen festgeschrieben. Es gebe natürlich die Alternative, eine Versammlung per Videokonferenz online abzuhalten. Darauf weist auch der Servicedienst Deutsches Ehrenamt hin. Doch das nutzen nicht alle Vereine.

Tölle, der auch Vorsitzender im OSC Vellmar ist, mag die digitale Variante nicht, „weil wir nicht alle online erreichen können“, erklärt er. Auch der Datenschutz sei nicht ausreichend geklärt, denn die Server der Videodienste stünden in Amerika. Er hofft deshalb auf den Frühling. „Meine Idee wäre, die Mitgliederversammlung im Freien zu machen.“

Auch andere Vereine warten ab und setzen die Versammlungen vorerst aus, so wie der Geschichtsverein Helsa. Schon 2020 sei der Termin im März in die Coronazeit gefallen. „Das war kritisch“, sagt Vorsitzender Gerd Vogelsang. Der Saal im Goldenen Adler in Wickenrode sei voll gewesen, zum Glück sei alles gut gegangen.

Auch der KSV Baunatal hat sich für seine 34 Abteilungen gegen digitale Versammlungen entschieden, sagt Timo Gerhold. Für Präsenz-Versammlungen sei noch Zeit bis Ende März. Vorstandsvorsitzender Gerhold geht aber davon aus, dass sie verschoben werden – „zum Schutz der Mitglieder“.

Doch geht das überhaupt? Dürfen Vereine die Versammlung einfach verschieben? Oder gar ausfallen lassen? Normalerweise regelt das die Vereinssatzung, erklärt Tölle. Aber eine Pandemie sei auch dort nicht einkalkuliert. Eine Gesetzesnovelle der Bundesregierung soll den Vereinen Luft verschaffen. Demnach kann beispielsweise der Vorstand bis zur Neuwahl im Amt bleiben, ohne entlastet zu werden.

Auch auf die Finanzen wirkt sich die Pandemie aus. In Vereinen gilt das Gemeinnützigkeitsrecht: „Vereine dürfen nicht auf Mitgliederbeiträge verzichten, weil sie sich selbst finanzieren“, erklärt Tölle. Sie dürften auch kein Geld anhäufen, müssten also die Einnahmen zügig wieder ausgeben. „Es darf keine Einbahnstraße sein“. Doch größere Ausgaben haben derzeit wenige Vereine. Das stellt sie vor ein weiteres Problem. „Wir können unseren Mitgliedern keine Edeka-Gutscheine ausgeben“, sagt Tölle. „Es ist eine schwierige Situation.“

Weil der OSC Vellmar derzeit keine Trainings mehr anbieten könne, habe sich der Verein entschieden, die Mitgliederbeiträge zu reduzieren. Dazu musste die Beitragsordnung geändert werden. Denn einfach so könne ein Verein nicht den Beitrag ändern, wie Tölle erläutert.

Mitgliederzahl

Dass in der Corona-Pandemie das Vereinsleben größtenteils heruntergefahren ist, macht sich auch bei der Mitgliederzahl bemerkbar. „Wir hatten nicht weniger Austritte“, stellt Tölle klar. Aber es gab auch keine Eintritte, „weil wir ja kein Angebot machen können“. Der KSV Baunatal hat laut Gerhold rund 700 Mitglieder verloren.

Tölle sieht dieses Problem sogar eher in städtischen Gebieten. „Dort wird der Verein mehr als Dienstleister gesehen“, schätzt er und vermutet, dass Mitglieder im ländlichen Raum aus Solidarität im Verein bleiben. Jedenfalls, da sind sich die Vereinsvorsitzenden einig, werde es schwierig, wenn die Situation sich nicht bald entspannt. Und so hoffen alle auf bessere Zeiten und Mitglieder, die bleiben.

Gesetzeslage

Schon im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung ein Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie auf den Weg gebracht. Darin ist neuerdings auch geregelt, dass die Versammlung und sogar Abstimmungen online beziehungsweise schriftlich stattfinden dürfen.Der Landessportbund teilt mit, dass ein Vorstand sogar eine Online-Versammlung verbindlich anordnen kann. Aber er stellt auch klar: Wenn keine unaufschiebbaren Themen oder rechtlich wichtige Beschlussfassungen anstehen, „wird dem Verein sicherlich durch eine Verschiebung der Versammlung keine Schädigung drohen.“ (Valerie Schaub)

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