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Von Kassel aus ins Kriegsgebiet

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Von: Sven Kühling

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Sie alle helfen: Ehrenamtliche vom Partnerschaftsverein Gudensberg, Beschäftigte der Stadt Gudensberg und der Helsaer Heinz Jordan mit seinem Team haben die vielen Hilfsgüter für die Ukraine auf dem Lkw verstaut.
Sie alle helfen: Ehrenamtliche vom Partnerschaftsverein Gudensberg, Beschäftigte der Stadt Gudensberg und der Helsaer Heinz Jordan mit seinem Team haben die vielen Hilfsgüter für die Ukraine auf dem Lkw verstaut. © Sven Kühling

Gleich mehrere OP-Tische und Ultraschallgeräte und sogar ein Röntgengerät packen flinke Hände zusammen. Mit breiten, roten Bändern werden sie vorsichtig festgezurrt. Per Gabelstapler wird die medizinische Ausrüstung schließlich auf mehrere Kleintransporter verteilt und auch auf die Ladefläche eines 40-Tonnen-Lkw gehievt. Ziel der Fahrzeuge ist die Ukraine. Da herrscht seit zwei Wochen Krieg. Und es gibt viele Verletzte.

Kassel/Gudensberg – Über den Partnerschaftsverein Gudensberg, der die 9000-Einwohner-Gemeinde Schtschyrez bei Lemberg als Partnerin hat, sei der Kontakt zustande gekommen, berichtet der Helsaer Heinz Jordan, der sonst in der Region historische Automobilrennen organisiert. Per Handy gäben die Ukrainer den nordhessischen Freunden am Abend die dringend benötigten Dinge durch, so Jordan. „Dann organisieren wir das hier. Und es kommt genau das dahin.“ Sprich: Die Helfer liefern eins zu eins das, was im Krisengebiet am dringendsten benötigt wird.

Auf dem Parkplatz der Firma Koldewey an der Kasseler Forstfeldstraße herrscht Gewusel. Von überall her treffen die von Jordan und Vertretern der Stadt Gudensberg bei zahlreichen Firmen und Privatleuten organisierten Hilfsgüter ein. Insgesamt seien inzwischen Produkte im Wert von 200 000 Euro zusammengekommen, sagen die Organisatoren.

Medizinisches Gerät: Heinz Jordan (kniend) und Heinz Granse (rechts) wollen diesen OP-Tisch auf einen Transporter laden. Viele Firmen aus der Region haben gespendet.
Medizinisches Gerät: Heinz Jordan (kniend) und Heinz Granse (rechts) wollen diesen OP-Tisch auf einen Transporter laden. Viele Firmen aus der Region haben gespendet. © Sven Kühling

Beispielsweise sind dabei B. Braun Melsungen, Dücker Medizintechnik, die Dr. Schumacher GmbH, die Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau, die Kasseler Firma Emmeluth, Tabmed aus Ehlen und sogar Freiwillige Feuerwehren aus der Region. „Ich hab noch ein Fahrrad in Niederkaufungen stehen“, ruft ein Helfer in das Gedränge auf dem Parkplatz. Lange wird nicht überlegt. Und schon startet der Mann mit einem Transporter, um das Zweirad zu holen. Den schweren Lastwagen habe Rudolph Logistik kostenfrei zur Verfügung gestellt, so Jordan. Dieser rollte am Donnerstagnachmittag noch los Richtung Leipzig. Dort, so Jordan und Gudensbergs Bauhofchef Uwe Kiefer, werden die Paletten auf einem Gelände von Rudolph auf ukrainische Lkw umgeladen. „Wir begleiten diese dann mit unseren Transportern bis hinter die ukrainische Grenze“, sagt Jordan. „Wir sorgen dafür, dass die Sachen auch genau dort ankommen, wo sie gebraucht werden.“

Verdy Ryffel vom Partnerschaftsverein erhofft sich viele Nachahmer. „Wir müssen zeigen, wie es geht“, sagt er noch. Dann packt er einfach wieder mit an. (Sven Kühling)

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