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Vom Hirschberg zum Arlberg: Helsaer eröffnet seine eigene Ski-Schule

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Von: Valerie Schaub

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Sprung übers Dach: Sebastian Schröder verbringt seit einem guten Jahrzehnt die Winter am Arlberg. Jetzt hat der 43-Jährige in Österreich eine Skischule eröffnet. Das Skifahren hat er auf dem Hirschberg in Wickenrode gelernt.
Sprung übers Dach: Sebastian Schröder verbringt seit einem guten Jahrzehnt die Winter am Arlberg. Jetzt hat der 43-Jährige in Österreich eine Skischule eröffnet. Das Skifahren hat er auf dem Hirschberg in Wickenrode gelernt. © Sebastian Schröder

Sebastian Schröder aus Helsa hat das österreichische Bundesheer ausgebildet und verwirklicht jetzt seinen Traum: Seine eigene Ski-Schule in St. Anton.

Helsa/St. Anton am Arlberg – Wie viele Stunden Sebastian Schröder schon auf Skiern verbracht hat, lässt sich längst nicht mehr zählen. Ebenso wenig wie vielen er den Sport beigebracht hat. Neben dem österreichischen Bundesheer gab er auch Mehmet Scholls Töchtern und Michael Ballacks Söhnen Unterricht, erzählt er. Vor Kurzem hat Schröder den nächsten Schritt gewagt: Er hat in St. Anton am Arlberg eine Einmann-Skischule eröffnet.

Schröder sitzt vor seinem Laptop in Österreich, mit blonden Locken, Mütze und T-Shirt, und erzählt. Die Daten und Ereignisse rasen nur so aneinander vorbei – eine verrückte Geschichte jagt die nächste. Zwischendrin erklärt er das Altschneeproblem und den Lawinenbericht und wie er bei einer Siegerehrung plötzlich im Wohnzimmer einer österreichischen Prinzessin stand.

Das erste Mal auf Skiern stand er mit zwei Jahren. „Ich wollte schon als Kind immer Skispringen“, sagt Schröder, aber in Helsa fehlten die Möglichkeiten. Mit Kumpels hat er an einem Hang Schanzen gebaut und ist sie runtergebrettert – „mit den Armen nach hinten“, um wie die Profis auszusehen.

„Ich habe mich immer gefragt: Wie komme ich weiter?“

Sebastian Schröder in seiner Helsaer Werkstatt.
Sebastian Schröder in seiner Helsaer Werkstatt. © Sebastian Schröder

Gelernt hat er den Sport von seinem Vater am Hirschberg. Mit sechs kam das erste Rennen mit dem Helsaer Ski-Club, Nordhessencups am Meißner, am Hohen Gras, jedes Wochenende ein Rennen, mit 19 dann ein Kreuzbandriss. Der Wettkampf war vorbei – die Zeit der Ausbildung begann. Als Ski-, Snowboard- und Langlauflehrer.

Und mit ihr eine Menge Abwechslung, immerhin ist das Skifahren Saisongeschäft. „Ich hab mir die Jobs immer so ausgesucht, dass ich auch meinen Hobbys nachkommen kann“, sagt Schröder. Auch wenn er dabei viele Abzweigungen mitgenommen hat: „Ich habe mich immer gefragt: Wie komme ich weiter?“ Ein Ziel zu haben, ist ihm wichtig.

Im Sommer tüftelt der 43-Jährige in seiner eigenen Schrauberwerkstatt „Babubu“ – Bastis Busbude in Helsa. Im Winter sieht man ihn auf Skiern den Abhang runterdüsen. Im Hintergrund die verschneite Postkartenidylle der Tiroler Alpen.

Im Sommer in der Werkstatt, im Winter auf der Piste

Die sind seit über einem Jahrzehnt seine Saison-Wahlheimat. Manchmal falle der Abschied im Frühling zwar schwer, aber Schröder mag diese Abwechslung. „Das hält mich frisch und macht mich kreativ.“ Abwechslungsreich soll es auch mit seiner Skischule werden. Anbieten will Schröder auch besondere Skitouren „mit Abseilen und Steigeisen“.

Mit seiner ursprünglichen Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation hatte Schröder schnell nur noch wenig am Hut. Vielmehr tourte er von Skigebiet zu Skigebiet, organisierte Sport-Camps und moderierte Wettbewerbe. Auch Stationen bei der documenta waren dabei. Die erste Skilehrer-Anstellung bekam er am Wilden Kaiser „wo Klitschko im Sommer trainiert hat“.

Im Helsaer Ski-Club hat alles angefangen

Nach der deutschen Ausbildung zum Skilehrer hat Schröder die österreichische nachgeholt – an der Akademie in St. Christoph, die „Schmiede der Skilehrer“, wie Schröder sie nennt. „Ich hab mein letztes Auto verkauft für die Lehrgangsgebühren.“ Er habe eigentlich immer nur für die Ausbildung gearbeitet. Neun Prüfungen und 25 000 Euro später hat Schröder so etwas wie die höchste Ausbildung in der Welt der Skilehrer erreicht, erklärt er.

Und auch wenn er jetzt mal nicht die Heeresskilehrer ausbildet, sondern einfach nur Skisportler, aufregend ist das allemal, sagt Schröder und spricht wieder vom Helsaer Ski-Club. Ohne ihn hätte er seinen Traum nicht verwirklichen können, sagt er. Skifahren sei immer mehr ein Luxusgut, und allein mit Urlauben wäre aus der Ausbildung nichts geworden. Deshalb seien Vereine so wichtig.

Im Sommer ist Schröder auch auf dem Skateboard oder Rad unterwegs. Skifahren sei für ihn nicht alles im Leben, sagt er. „Sondern das Einzige.“ (Valerie Schaub)

Sebastian Schröder ist unter schroderindustries auf Instagram zu finden.

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