Brandschützer fordern Priorisierung bei Corona-Impfung

Wehren wollen schneller drankommen

Zur Rettung von Menschenleben: Wie hier kürzlich bei einem Brand in Baunatal-Altenritte arbeiten die Feuerwehren oft mit großem Einsatz Hand in Hand.
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Zur Rettung von Menschenleben: Wie hier kürzlich bei einem Brand in Baunatal-Altenritte arbeiten die Feuerwehren oft mit großem Einsatz Hand in Hand.

Retter ohne Schutz – so bringt der Landesfeuerwehrverband Hessen die aktuellen Probleme der Freiwilligen Feuerwehren in der Corona-Pandemie auf den Punkt. Denn die Ehrenamtlichen seien trotz, dass sie sich einem hohen gesundheitlichen Risiko bei ihren Einsätzen aussetzen, nicht gegen das Coronavirus geimpft. Lehrer und Kindergartenpersonal beispielsweise würden da bevorzugt.

Kreis Kassel - „Durch die Ablehnung der Forderung auf eine Sondergruppe in der Impfpriorisierung zeigt die Landesregierung mangelnde Sensibilität, aber auch fehlende Wertschätzung des Engagements der Feuerwehreinsatzkräfte, die für die Bevölkerung jederzeit präsent sein müssen“, heißt es seitens des Landesfeuerwehrverbandes.

Kreisbrandinspektor Sebastian Mazassek macht auf Anfrage der HNA ebenfalls deutlich, dass die 3500 Einsatzkräfte im Landkreis Kassel vor dem Coronavirus geschützt werden müssen. „Die Kameraden fahren quasi jeden Tag ins Ungewisse und kommen ständig mit Menschen in Kontakt. Sie müssen beim Impfen bevorzugt werden, beziehungsweise zeitnah an der Reihe sein.“

Bisher gehören die Feuerwehrkräfte zur Gruppe drei in der Reihenfolge der Impfpriorität, zusammen mit zum Beispiel 60 bis 70-Jährigen, medizinisch vorbelasteten Menschen und Personal im Lebensmittelhandel.

Die Berufsfeuerwehr ist im Gegensatz zu den Ehrenamtlichen laut Mazassek geimpft. Das liege daran, dass die Hauptamtlichen auch im Rettungsdienst tätig seien, diese Kräfte zur Priorität eins gehören und geimpft sind. Neben dem Schutz im Einsatz ist den Freiwilligen Feuerwehren noch ein weiterer Punkt wichtig: „Wir müssen wieder in einen geregelten Übungs- und Ausbildungsdienst kommen“, sagt Timo Schröder, Gemeindebrandinspektor in Helsa. „Wenn wir geimpft wären, könnten wir unsere Lehrgänge und alles, was zum Übung notwendig ist, wieder absolvieren.“ Es sei sehr wichtig, dass die Handgriffe immer wieder geprobt würden, damit beim Einsatz alles rund laufe.

Angst, sich während der Einsätze anzustecken, hat Schröder nicht. „Wir müssen eben dahin, wo es gefährlich ist, das liegt in der Natur der Sache.“ Man könne sich auch gut schützen, in dem man FFP2-Masken und Schutzkleidung trage.

Die fehlenden Lehrgänge sieht auch Mario Mellenthin, Gemeindebrandinspektor in Fuldatal, als zurzeit größtes Problem bei den Freiwilligen Feuerwehren. „Wir haben einen richtigen Lehrgangsstau, den wir erstmal nicht aufholen können.“ Es gebe zwar Möglichkeiten, Inhalte online zu vermitteln, aber das sei nicht dasselbe. Man merke jetzt schon bei Einsätzen, „dass der ein oder andere erstmal jede Schublade öffnen muss, bevor er das Richtige findet“. Es fehle die regelmäßige Übung.

Besonders problematisch sieht Mellenthin auch die Ausbildung des Nachwuchses. „Wir steuern in Fuldatal auf zehn Prozent von jungen Kräften zu, die noch nichtmal den Grundlehrgang absolviert haben.“ (Theresa Novak)

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