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Weihnachtsbäume aus der Region sind zum Teil teurer als früher

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Von: Eike Rustemeyer

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Hier netzt der Chef noch selbst ein: Inhaber Frank Becker verpackt eine Nordmanntanne auf seinem Hof in Kassel-Wilhelmshöhe.
Hier netzt der Chef noch selbst ein: Inhaber Frank Becker verpackt eine Nordmanntanne auf seinem Hof in Kassel-Wilhelmshöhe. © Eike Rustemeyer

Krisenbedingte Preiserhöhungen machen sich aktuell in vielen Lebensbereichen bemerkbar. Auch Anbieter von Weihnachtsbäumen in der Region sind betroffen.

Kassel – Zum Beispiel in den Forstämtern Wolfhagen und Reinhardshagen muss man in diesem Jahr etwas mehr für seinen Baum bezahlen. „Wenn Sie links und rechts gucken, wird alles teurer. Nach acht Jahren Konstanz haben wir die Preise angepasst“, sagt Rainer Weishaar vom Forstamt Wolfhagen. Das Forstamt verpachtet Land an den Kasseler Forstbetrieb Becker. Der Betrieb pflanzt dort Bäume, betreut sie und stellt sie dem Amt auf Kommissionsbasis zur Verfügung.

Auch Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen berichtet von einer Preiserhöhung. Eine zwei Meter hohe Nordmanntanne aus Wolfhagen kostet nun 45 Euro, zwei Meter Fichte aus dem Reinhardswald liegen bei 20 Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es in Wolfhagen 40 und in Reinhardshagen 16 Euro. Frank Becker, Inhaber des Forstbetriebes Becker, verkauft eine Zwei-Meter-Nordmanntanne auf seinem Hof für 42 Euro, für Blaufichten gleicher Größe nimmt er 36 Euro. Trotz gestiegener Logistikpreise kann er seine Bäume zum gleichen Preis wie in den vergangenen Jahren anbieten.

Im Kasseler Toom Baumarkt ist eine zwei Meter hohe Nordmanntanne für 34,99 Euro zu haben, sagt ein Mitarbeiter auf Anfrage unserer Zeitung. Ralf Kirschweng vom Hagebaumarkt Baunatal erklärt, dass die von einer Firma aus dem Sauerland stammenden Nordmanntannen zwischen 1,75 und 2 Meter ebenfalls 34,99 Euro kosten. Beide Märkte behalten den Preis aus dem vergangenen Jahr bei.

Während Buchen und andere Laubbäume unter dem Hitzesommer gelitten haben, hat der an der Gesundheit der heimischen Weihnachtsbäume keine nennenswerten Spuren hinterlassen. Klemens Kahle stellte im Reinhardswald eine „grüne und gesunde Benadelung“ fest. Auch die Tannen und Fichten des Forstamtes Melsungen, konkret im Revier Söhrewald-Eiterhagen, „haben den Sommer überraschenderweise gut überstanden“, sagt der zuständige Revierleiter Andreas Heimann.

Ähnliches berichtet Frank Becker. Auch seine Bäume, die auf Flächen in Bad Emstal, Zierenberg und Wolfhagen wachsen, hätten keine erkennbaren Schäden durch die Sommerhitze davongetragen.

In Stadt und Landkreis Kassel gibt es großes Angebot an Weihnachtsbäumen

Ob mit Wurst und Glühwein bei den Waldinteressenten Großenritte in Baunatal, auf dem kleinen Weihnachtsmarkt von Gut Winterbüren in Fuldatal oder auf dem Hof des Forstbetriebes Frank Becker in Kassel-Wilhelmshöhe: Möglichkeiten, einen Weihnachtsbaum zu kaufen, gibt es in und um Kassel reichlich. Mancherorts kann sogar selbst Hand, beziehungsweise Säge, an das traditionelle Gewächs gelegt werden.

Seit 1981 sei er selbstständig im Weihnachtsbaumgeschäft, erzählt Frank Becker. Er bewirtschaftet Weihnachtsbaumkulturen in Oelshausen, Istha und Bad-Emstal. Verkauft werden die Bäume in seinem Hauptlager in Kassel. Er bietet aber auch die Möglichkeit an, sich auf seinen Flächen in Zierenberg und Sand selbst einen Weihnachtsbaum zu schlagen.

Die Pflege seiner Nordmanntannen und Blaufichten sei ein „Ganzjahresjob“, erklärt der 61-Jährige. „Viele arbeiten mit Chemie, um das Wachstum der Bäume zu bremsen, damit sie die typische Form bekommen“, sagt Becker. Er hingegen knipse im Frühjahr, wenn die Bäume noch in der Erde stehen, mit einer Spezialschere in die Spitze jedes einzelnen Baumes. Die Druckstellen würden dann für eine langsamere Zirkulation des Baumsaftes sorgen und das Wachstum bremsen, was im Endergebnis gleichmäßige und volle Weihnachtsbäume bedeuten würde. Völlig ohne Chemie und durch mühevolle Handarbeit. „Wer Weihnachtsbäume pflanzt, muss mit Herzblut dabei sein“, fügt er hinzu. Becker hat zwei Mitarbeiter und saisonale Hilfskräfte, packt aber auch selbst mit an. Nach eigenen Angaben verkauft er über 1000 Bäume im Jahr.

Das Forstrevier Eiterhagen verkauft weniger als die Hälfte. 300 bis 400 Bäume bringt der Förster und Revierleiter Andreas Heimann jedes Jahr beim traditionellen Verkauf an der Weihnachtsbaumkultur in Albshausen unter die Leute, die von überall her kommen. „Die Coronaregeln haben uns in den letzten zwei Jahren etwas ausgebremst, aber jetzt planen wir alles wie immer“, berichtet Heimann. Wer sich einen passenden Baum ausgesucht hat, muss diesen jedoch selber sägen, bevor er das Gewächs mit nach Hause nehmen kann.

Lokale Bäume, die nicht chemisch behandelt wurden, gibt es laut einer Pressemitteilung des Forstamtes Reinhardshagen auch an dessen Verkaufstag in Hofgeismar am Sonntag, 18. Dezember. Zum Verkauf stehen Fichten aus dem regionalen Reinhardswald, sagt Bereichsleiter Klemens Kahle.

Wer unentschlossen ist, ob er den traditionellen Baum selbst sägen oder doch lieber nur aussuchen will, was ins heimische Wohnzimmer kommt, ist bei den Waldinteressenten Großenritte in Baunatal oder bei Gut Winterbüren in Fuldatal gut aufgehoben. Nach Angaben von Hessen-Forst bieten die beiden Privatanbieter Entscheidungsfreiheit bei der Frage an: selbst schlagen oder schlagen lassen.

Wem das alles zu viel Aufwand ist, kann den Kauf des Weihnachtsbaums auch einfach mit dem Besuch in einem der Baumärkte im Kreis oder in der Stadt verbinden. Nur wird dann im Wohnzimmer vermutlich kein regionaler Baum, sondern einer aus dem Sauerland stehen.

Infos zu Ort und Zeitpunkt der Weihnachtsbaumverkäufe durch die Forstämter, Waldinteressenten und auf Gut Winterbüren gibt es unter: zu.hna.de/baum0212

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