Immer noch Lieferengpässe – Weniger Kunden in Apotheken wegen Corona

Weiter Mangel bei Medikamenten im Landkreis Kassel

Der Medikamentenmangel macht sich für Apotheken und Patienten weiterhin bemerkbar.
+
Der Medikamentenmangel macht sich für Apotheken und Patienten weiterhin bemerkbar.

Der Medikamentenmangel hat sich auch während der Coronakrise nicht merklich entspannt. Das berichtet Katja Förster, Sprecherin des Hessischen Apothekerverbandes (HAV). Die Lieferengpässe zum Beispiel bei Blutdrucksenkern bestünden weiterhin. Dass sich die Lage in manchen Apotheken dennoch etwas entspannt hat, könnte daran liegen, dass viele Patienten ihre Ärzte nicht aufgesucht haben – gerade Chroniker hätten Angst vor einer Coronainfektion gehabt. Damit seien auch weniger Medikamentenverordnungen einhergegangen und somit weniger Kunden, die Arznei kaufen wollen.

Kreis Kassel - Karim Ragab von der Loewen-Apotheke in Vellmar berichtet, dass die Engpässe bei Medikamenten ein bisschen besser geworden sind und beobachtet eine leichte Entspannung. „Medikamente mit Alleinstellungsmerkmal waren schwierig zu beziehen, sie sind jetzt besser lieferbar“, sagt er. Ein Vorteil sei, dass die Verordnungen geändert wurden: Wenn ein Patient jetzt in die Apotheke kommt und ein Medikament braucht, das nicht vorrätig ist, dürfe ein anderes, ähnliches herausgegeben werden, auch wenn es teurer ist und einen anderen Wirkstoff hat. Diese Verordnung ist laut Ragab im April beschlossen worden, um während Corona die Kontakte zwischen Patienten, Apothekenmitarbeitern und dem Arzt zu reduzieren.

Die Patientenanzahl habe sich in seiner Apotheke nicht stark verändert – in Innenstädten sei die Situation deutlich schwieriger gewesen. Das bestätigt Förster vom HAV: Manche Apotheken in Hessen hätten Kurzarbeit angemeldet, weil beispielsweise in den Fußgängerzonen und an Bahnhöfen keine Menschen mehr unterwegs waren und somit auch kaum die dortigen Apotheken nutzten. Sechs Apotheken hätten hessenweit zeitweise wegen Corona-Infektionen schließen müssen.

„Bei uns ist es besser geworden“, sagt Alexandra Lorenz von der Rathaus-Apotheke und der Neuen Apotheke in Baunatal auf die Frage nach dem Medikamentenmangel, auch wenn es immer noch ein paar Lieferprobleme bei Impfstoffen gebe. Es könnte aber womöglich noch zu Spätfolgen der Coronakrise kommen. Inzwischen gebe es wieder Masken und Desinfektionsmittel, allerdings würden nun langsam die Handschuhe knapp. Förster vom HAV berichtet, dass viele Apotheken mit dem Beginn der Coronakrise schnell versucht hätten, Desinfektionsmittel herzustellen. Das sei zusätzliche Arbeit gewesen und habe eine Herausforderung dargestellt. Dass die Verordnung geändert wurde und die Apotheken nun selbstständig ein anderes Medikament als das verschriebene herausgeben dürfen, erachtet Lorenz als sinnvoll und erleichtere auch die Patienten.

Michael Bruske von der Kundigunden-Apotheke in Kaufungen hat keine Entspannung bei den Lieferengpässen von Arznei bemerkt. Seiner Prognose zufolge hält der Medikamentenmangel noch mindestens ein Jahr an. Er werde unter anderem dadurch verursacht, dass für viele Krankenkassen der Preis entscheidend sei, so Förster von der HAV – das führe zum Druck, Medikamente so billig wie möglich herstellen zu müssen. Für manche Wirkstoffe gebe es nur noch drei Werke weltweit.

Bruske vermutet, dass sich die Lage erst einmal nicht entspannt, sondern wohl eher schlimmer werden könnte. Die neue Verordnung komme auch seiner Apotheke zugute, dennoch vermutet er, dass nach und nach weitere Apotheken schließen müssen – gerade die auf dem Land hätten es oft schwer, zu überleben.

In den ersten Woche sei die Kunigunden-Apotheke noch gut besucht gewesen, aber dann seien weniger Kunden gekommen – im April habe es einen Einsturz gegeben. Das führe dazu, dass man teilweise auf Medikamenten sitzen bleibe. Viele Apotheken haben laut Förster im März Mehreinnahmen erzielt, Ende April und Anfang Mai sei es allerdings sehr ruhig geworden.

Von Lara Thiele

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.