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Dennoch warnt Creditreform vor finanzieller Überforderung

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Von: Amira Sayed El Ahl

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Creditreform
Die Zahl der überschuldeten Menschen ist in Deutschland in diesem Jahr auf ein Rekordtief gefallen. Doch die Zahlen sind trügerisch, warnt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. © Federico Gambarini/dpa

Der Schuldneratlas erscheint jährlich und untersucht, wie sich die Überschuldung von Verbrauchern innerhalb Deutschlands verteilt und entwickelt. In diesem Jahr ist die Zahl der überschuldeten Menschen auf einem Rekordtief.

Kassel – Es ist paradox: Die Kosten für Energie und Lebensmittel steigen und viele Menschen wissen nicht, wie sie ihre Rechnungen zahlen sollen. Trotzdem liegt die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland auf einem Rekordtief. Auch in Stadt und Kreis Kassel sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Das geht aus dem Schuldneratlas Deutschland 2022 hervor, den die Wirtschaftsauskunftei Creditreform diese Woche veröffentlicht hat. Insgesamt zählt Creditreform knapp 5,9 Millionen überschuldete Personen in Deutschland, rund 274 000 oder 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies sei der niedrigste Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2004, berichteten die Experten.

Im Landkreis Kassel gab es 2021 noch 16 224 Schuldner, (Quote: 8,13), in diesem Jahr nur noch 15 409 (7,72). In der Stadt waren es 2021 noch 22 511 Schuldner (Quote: 13,24), in diesem Jahr sind es 21 546 (Quote: 12,78). Im Landkreis ist die Quote der Schuldner am höchsten in Naumburg, Grebenstein und Bad Karlshafen. Am niedrigsten ist die Quote in Nieste. Dort gab es 2021 noch 115 Schuldner, in diesem Jahr sind es nur noch 96. Die höchste Anzahl an Schuldnern hat die größte Stadt im Landkreis. Die Statistik weist in Baunatal 1650 Schuldner aus, 2021 waren es noch 15 mehr. Die größte Differenz weist die Statistik in Wesertal aus. Dort gibt es in diesem Jahr 84 weniger Schuldner als noch im Vorjahr (342 zu 258).

Doch das aktuelle Tief ist in den Augen der Experten nur die Ruhe vor dem Sturm. „Die guten Zahlen sind leider trügerisch“, sagt der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung Patrik-Ludwig Hantzsch. „Wir fürchten in den kommenden Monaten eine Trendwende.“ Denn nach Einschätzung der Experten ist die derzeit niedrige Überschuldungsquote eine Folge der Corona-Pandemie.

Während der Pandemie konnten die Menschen weniger konsumieren, es gab staatliche Hilfsprogramme, aber auch die derzeitigen Krisen hätten die Menschen vorsichtiger werden lassen. Das habe zu einem Anstieg der Sparquote und auch zu einer ungewöhnlich starken Schuldentilgung geführt.

Laut einer Studie des Ifo-Instituts haben die meisten ihre Ersparnisse bereits wieder ausgegeben. Und Creditreform prognostiziert: Die Belastungen durch die hohe Inflation und die ansteigenden Energiekosten sind noch längst nicht beim Verbraucher angekommen.  dpa

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