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Wenn die Dürre wiederkommt: Landkreis probt für Extremwetter

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Von: Jutta Rippegather, Michaela Pflug

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Bei Dürre steigt auch die Brandgefahr: Im Juli 2022 stand die Böschung an der A 44 bei Breuna in Flammen.
Bei Dürre steigt auch die Brandgefahr: Im Juli 2022 stand die Böschung an der A 44 bei Breuna in Flammen. © Feuerwehr Breuna

Flut, Hitze, Sturm – Extremwetterlagen können dramatische Folgen haben. Deshalb soll in Hessen nun intensiver für den Ernstfall trainiert werden. Den Anfang macht der Landkreis mit dem Regierungspräsidium Kassel.

Kreis Kassel – Abläufe, Kommunikation und das Zusammenspiel der Akteure sollen verbessert werden. Los geht es Anfang kommenden Jahres im Landkreis Kassel mit einer Simulation zum Thema Hitze und Dürre.

„Es geht darum, das sensible Netzwerk kritischer Infrastrukturen zusammen mit den hessischen Behörden fit zu machen für kommende Wetterextreme“, sagt Thomas Schmid, Präsident des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), bei der Vorstellung des neuen Projektes diese Woche. Zu kritischer Infrastruktur zählten zum Beispiel die Energie- und Lebensmittelversorgung sowie das Gesundheitswesen. Die Erfahrungen sollten auch dazu dienen, neue Leitfäden und Checklisten zu erstellen, kündigte Schmid an.

Im Fokus steht der „Kaskadeneffekt“, sagt Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), also mehrere Ereignisse hintereinander, die sich auch ungünstig verstärken können. Sie verdeutlichte dies am Beispiel Dürre: Weil der Schiffsverkehr zum Erliegen kommt, bricht der Nachschub für die Tankstellen ab. Die Lastwagen können dann mangels Treibstoff keine Lebensmittel mehr in die Geschäfte liefern. Ein weiteres Beispiel von Schmid: Wegen einer Überschwemmung nach Starkregen fällt der Strom in einem Krankenhaus aus. Das Haus müsste geräumt werden – jedoch sind viele Helfer schon an anderen Stellen gebunden. „Es geht auch darum, dass man sich kennenlernt“, sagt der HLNUG-Präsident. Wenn Zuständigkeiten, Kompetenzen und Abläufe im Vorhinein geklärt seien, verkürze sich im Krisenfall die Reaktionszeit.

Mit im Boot sind unter anderem das Innenministerium, die Landesfeuerwehrschule, die Bundeswehr, Telekommunikationsunternehmen sowie der Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz. Insgesamt sollen bei dem HLNUG-Projekt „Klimprax Krisenvorbereitung“ bis 2025 mehrere Extremwetterszenarien in den Gebieten aller drei hessischen Regierungspräsidien zusammen mit je einem Landkreis geübt werden.

Los geht es beim Regierungspräsidium Kassel und dem Landkreis Kassel. Dort laufen aktuell die Vorbereitungen und Abstimmungen. Laut Landkreis-Sprecherin Alia Shuhaiber habe man den Februar oder März für die Übung im Blick. Es soll ein Hitze-und-Dürre-Krisenszenario durchgespielt werden. Die Bevölkerung wird davon allerdings kaum etwas mitkommen, wenn die Betreibenden kritischer Infrastrukturen gemeinsam mit den Landesbehörden den Ernstfall proben. Bilder von als Opfer geschminkten Schauspielern wie bei den klassischen Katastrophenschutzübungen wird es bei der datenbasierten Simulation nicht geben.

Thomas Finis, Leiter des Dezernats Brand- und Katastrophenschutz beim RP Kassel: „Der Fokus der Übung soll auf der Kommunikation und Koordination mit den Betreibern von kritischen Infrastrukturen liegen. Aus den Ergebnissen wollen wir entsprechende Lehren ziehen, die im Nachgang in Handlungsempfehlungen münden sollen. Diese können uns dann im tatsächlichen Katastrophenfall von Nutzen sein.“  mit dpa

Klimprax: Projekt des HLNUG

Klimprax steht für Klimawandel in der Praxis. Bei früheren Klimprax-Projekten des HLNUG ging es unter anderem darum, Kommunen besser auf Starkregen vorzubereiten. Inzwischen hätten 275 Städte und Gemeinden eine sogenannte Fließpfadkarte beantragt, teilte das Ministerium mit. Damit sollen die Behörden besser abschätzen können, welchen Weg sich die Wassermassen im Ernstfall suchen und welche Gebiete besonders gefährdet sind. 

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