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Wer Wohngeld will, braucht Geduld: 12 000 Menschen im Kreis Kassel haben zukünftig Anspruch auf den Zuschuss

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Von: Sebastian Schaffner, Theresa Novak

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Dreimal so viele Menschen wie bisher haben im Landkreis Kassel ab dem 1. Januar Anspruch auf Wohngeld. Denn ab dem neuen Jahr greift die laut Bundesregierung „größte Wohngeldreform in der Geschichte Deutschlands“.

Lange Bearbeitungszeit bringt Haushalte in Existenznöte: Eine alleinerziehende Mutter aus Kassel musste jetzt fünf Monate auf den Bescheid für ihr Wohngeld warten.
Um lange Wartezeiten zu vermeiden, ist es wichtig, dass der Wohngeldantrag vollständig ausgefüllt ist und alle nötigen Unterlagen dabei sind. © dpa

Kreis Kassel – Wer also einen neuen Antrag stellt, muss warten. Zwar sollen beim Landkreis Kassel als Behörde, die sich um das Wohngeld kümmert, allein zehn neue Mitarbeiter für die Bearbeitung von Anträgen eingestellt werden. Jedoch müssen diese noch eingearbeitet werden. Bisher gab es sechs Mitarbeiter dafür.

„Politisch ist die Ausweitung der Zahl der Wohngeldberechtigten, die Erhöhung der Förderung sowie die Einbeziehung der Heizkosten der richtige Weg“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. Aber: „Wir hätten uns gewünscht, dass die ausführenden Wohngeldbehörden früher einbezogen worden wären, damit wir uns organisatorisch und personell besser hätten vorbereiten können.“

Im Jahr 2022 haben 2740 Menschen im Landkreis Kassel Wohngeld bezogen, anspruchsberechtigt waren bisher rund 4000. „Nicht jeder, der einen Wohngeldanspruch hat, stellt auch einen Antrag“, sagt Kühlborn. Zukünftig können rund 12 000 Menschen Wohngeld beantragen.

Wie lange Wohngeldberechtigte auf die Bearbeitung ihres Anspruchs derzeit und zukünftig warten müssen, lässt sich nicht sagen, erklärt Kühlborn. „Ein Durchschnittszeitraum sagt hier wenig aus, da die Bearbeitung eines Antrages insbesondere bei neuen Anträgen auch davon abhängt, ob alle notwendigen Unterlagen vorliegen.“

An zu wenig Mitarbeitern soll es aber nicht hapern, denn Kühlborn ist zuversichtlich, dass bis Ende Januar ein Großteil der zusätzlichen Stellen besetzt sein werden. „Wir haben im Vorgriff auf die zu erwartende Neuregelung Stellen intern und extern ausgeschrieben.“

Diejenigen, die aktuell im laufenden Wohngeldbezug sind, müssen keinen neuen Antrag stellen. Die Beträge werden vom Landkreis an die neue Rechtslage angepasst, sagt Kühlborn. (Theresa Novak und Sebastian Schaffner)

Hintergrund:

Wohngeld wird als Zuschuss an Haushalte gezahlt, deren Einkommen knapp oberhalb der Grundsicherungsgrenze liegt. Ab dem 1. Januar können durch die Wohngeldreform rund zwei Millionen Haushalte das neue Wohngeld Plus bekommen. Bisher erhalten bundesweit rund 600 000 Menschen Wohngeld. Der Betrag wird sich 2023 um durchschnittlich 190 Euro auf 370 Euro pro Monat erhöhen. Das bedeutet mehr als eine Verdoppelung des bisherigen Wohngeldes.

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