"Wollen Leute mit Schwung"

Werkstattgemeinschaft Fuldabrück sucht händeringend Nachfolger

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Schätzen den Autausch und die Hilfe untereinander: Jürgen van Berkum (von links), Antje-Nicola Kreuzberg, Jan Nitsche, Günter Musfeld und Konrad von Berlepsch. 

Viele Handwerker wollen nicht selbstständig sein. Das stellt Betriebe auf Nachfolgersuche vor große Herausforderungen. So auch in der Holzmanufaktur Kassel.

Fuldabrück – Tischlermeister Konrad von Berlepsch ist 66 Jahre alt und peilt so langsam den Ruhestand an. Sein Kollege Günter Musfeld wird im Sommer als Dozent an eine Holzfachschule gehen und sich damit beruflich verändern. Da die beiden zwar selbstständig, aber gleichzeitig Teil der Werkstattgemeinschaft „Holzmanufaktur Kassel“ in Fuldabrück-Bergshausen sind, bringen ihre Pläne die anderen drei Mitglieder der Gemeinschaft in die Bredouille.

„Wir suchen dringend zwei Leute, damit der Werkstattverbund so gut weiter funktionieren kann, wie bisher“, sagt von Berlepsch. Das stellt sich jedoch als sehr schwierig heraus. „Wir haben die Suche vor einem halben Jahr bei der Handwerkskammer kundgetan und auch in Schreinerkreisen gestreut. Es hat sich aber kein einziger Interessent gemeldet.“

Von Berlepsch hatte die Gemeinschaft 1983 gegründet. Seit 2005 ist diese nun in der Konstellation wie heute zusammen – das heißt, vier Tischlermeister und eine Restauratorin arbeiten gemeinsam unter einem Dach.

„Wir funktionieren völlig unabhängig voneinander, jeder führt seine eigene Firma, hat seine eigenen Aufträge und arbeitet für sich“, erklärt von Berlepsch. „Aber die Höhe der Miete für unsere Räume und die laufenden Kosten bleiben natürlich gleich. Wenn diese auf zwei Schultern weniger verteilt würde, wäre das für die anderen ein Problem.“

Teil der Werkstattgemeinschaft zu werden, sei für Selbstständige sehr attraktiv, sind sich die Handwerker einig. „Wir teilen uns alle Maschinen, somit müsste jemand Neues auch nur einen gewissen Anteil daran kaufen. Dieser könnte auch in Raten gezahlt werden. Wichtiger als Kapital ist, dass der- oder diejenige Schwung mitbringt.“

Neben dem finanziellen Aspekt sei die Stimmung im Betrieb eine ganz besondere. „Wir verstehen uns alle sehr gut, helfen uns gegenseitig und arbeiten unter Umständen sogar große Aufträge zusammen ab. Hier herrscht ein angenehmes Klima.“

Konkurrenz sei kein Thema. „Jeder hat einen eigenen Schwerpunkt bei seiner Arbeit und außerdem genug zu tun. Manchmal sind wir sogar froh, wenn ein Kollege den Auftrag des anderen übernehmen kann, wenn einer voll ausgelastet ist.“

Warum sich bei all den guten Voraussetzungen bisher kein Interessent gemeldet hat, können die Handwerker nur vermuten. „Die Schwierigkeit, einen Nachfolger zu finden, ist ein allgemeines Problem der Tischlereien“, sagt von Berlepsch.

Und: „Schreiner werden gesucht und finden auf dem Arbeitsmarkt zurzeit normalerweise gute Jobs, sodass sie das Risiko Selbstständigkeit vielleicht nicht unbedingt tragen wollen.“ Außerdem würden Angestellte unter Umständen weniger Stunden arbeiten und könnten sich auf ein sicheres Einkommen verlassen.

„Auf der anderen Seite macht man als Selbstständiger Überstunden für sich selbst, wirtschaftet in seine eigenen Tasche und ist frei in der Gestaltung seines Alltags“, sagt der Tischlermeister. „Das sind die Vorteile.“

Wer Interesse hat, kann sich unter der Nummer 05 61/4 14 19 oder unter konradvonberlepsch@t-online.de melden.

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