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Wie eine Familie aus Niestetal ihre eigene Energiewende gemeistert hat

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Von: Boris Naumann

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Die Investitionen in die ganz persönliche Energiewende hat sich für die Eheleute Koch aus Sandershausen voll und ganz gelohnt – nicht nur in monetärer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf die Verantwortung für Klima und Umwelt.
Die Investitionen in die ganz persönliche Energiewende hat sich für die Eheleute Koch aus Sandershausen voll und ganz gelohnt – nicht nur in monetärer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf die Verantwortung für Klima und Umwelt. © Naumann, Boris

„Alle reden von Energiewende, wir haben unsere schon vollzogen.“ Familie Koch aus Niestetal hat ihren kompletten Haushalt umgestellt.

Niestetal – Die Eheleute Marion und Karl-Heinz Koch aus Niestetal sagen das nicht ohne Stolz. In den vergangenen Jahren haben die beiden 78- und 75-Jährigen ihr Haus mitten in Sandershausen systematisch energetisch saniert und in Sachen nachhaltiger Energiegewinnung fit für die Zukunft gemacht. Sie sagen: „Es geht! Es kostet zwar Geld und Geduld. Aber es wichtig und es lohnt sich.“

Strom, Wärme und Mobilität – alles in ihrem Haushalt haben sie umgestellt: Statt einem Auto mit Benzinmotor steht nun eine E-Limousine in der Garage, die Ölheizung im Keller ist zwei Wärmepumpen gewichen, und auch der Strom kommt nicht mehr einfach so vom Strommarkt, sondern zu einem großen Teil vom eigenen Dach.

Schon vor sechs Jahren ließen die Kochs ihre erste PV-Anlage auf die Ostseite ihres Hausdachs installieren. Zuvor hatten sie das Haus preiswert ersteigert und konnten dafür umso mehr Geld in die Komplettsanierung stecken. „Die energetische Sanierung war uns dabei besonders wichtig“, sagen die Kochs. Das sei die Grundlage für alle weiteren Schritte gewesen.

PV-Anlage liefert Strom für alle neun Mietparteien

Heute lassen die Kochs ihre erste PV-Anlage mit 10 Kilowatt Peak Leistung im Mieterstrommodell laufen: Nicht nur die Kochs selbst beziehen ihren Strom aus der Anlage, sondern auch acht weitere Mietparteien, die ebenfalls in dem großen Haus an der Straße Auf der Insel leben.

„Das Dach haben wir an einen jungen Kasseler Stromanbieter vermietet, der dort die PV-Anlage installiert hat und nun auch den Strom bezieht. Diesen Strom ergänzt der Anbieter um Öko-Strom-Anteile aus dem freien Markt und verkauft ihn dann zu einem verbilligten Preis an uns und unsere Mieter zurück“, schildert Marion Koch das Prinzip. Das funktioniere sehr gut, „statt der gewöhnlichen 40 Cent pro Kilowattstunde zahlen wir jetzt nur noch 20 Cent“, sagt Koch. Zu dem Preis rechne es sich dann auch, das neu angeschaffte E-Auto über eine Wallbox aufzuladen.

„Im vergangenen Jahr ist dann noch eine zweite PV-Anlage mit 15 Kilowatt Peak auf die Westseite unseres Hausdachs gekommen“, sagt Marion Koch. Der dort produzierte Sonnenstrom werde allein für den Betrieb der Heizung verwendet. „Überschüssigen Strom speisen wir ein. Dafür erhalten wir 20,9 Cent pro Kilowattstunde“, sagt Koch.

Ölheizung hat ausgedient

Statt einer Ölheizung im Keller stehen nun zwei Wärmepumpen an einer unauffälligen Stelle hinterm Haus.
Statt einer Ölheizung im Keller stehen nun zwei Wärmepumpen an einer unauffälligen Stelle hinterm Haus. © Boris Naumann

„Als Heizung haben wir statt der alten Ölheizung nun zwei Wärmepumpen im Einsatz.“ Eine Wärmepumpe arbeite im Prinzip wie ein Kühlschrank – nur eben anders herum. Während ein Kühlschrank seinem Innenraum die Wärme entzieht und diese nach draußen ableitet, um die Lebensmittel zu kühlen, entzieht die Wärmepumpe umgekehrt der Umgebung außerhalb des Hauses die Wärme und beheizt damit das Haus. „Das funktioniert bei uns bis zu einer Außentemperatur von minus 21 Grad Celsius“, sagt Koch.

Rund 160 000 Euro hat die neue Heizung komplett mit PV-Anlage und den Wärmepumpen gekostet. 65 000 Euro kamen als Zuschuss vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). „Den Rest haben wir alleine gestemmt“, sagen die Kochs.

Finanzielle Einsparungen stehen nicht im Vordergrund

Ob sich die Investition in zehn oder erst in zwanzig Jahren amortisiert hat, steht für die Kochs gar nicht mal so im Vordergrund. „Irgendwann hat sich das natürlich gerechnet. Viel wichtiger ist für uns aber aktuell, dass wir hier in unserem Haus sehr viele gute, wichtige und richtige Entscheidungen getroffen haben“, sagt Koch.

Dabei ginge es nicht nur darum, der aktuellen Energiekrise mit steigenden Öl- und Gaspreisen ein Schnäppchen geschlagen zu haben. „Es geht uns auch um den Schutz des Klimas und der Umwelt. Da tragen wir eine Verantwortung. Und deshalb sind wir dazu bereit, dafür auch einen gewissen Beitrag zu leisten.“

Die Kochs geben zu, dass ihre ganz persönliche Energiewende auch Nerven gekostet hat. „Da war bei uns viel Organisationsarbeit und Eigenleistung mit im Spiel – auch wegen Corona und einiger Lieferengpässe. Aber wir hatten tolle Firmen aus Kassel an Bord, die ihre Arbeit hervorragend gemacht haben“, sagt Koch.

Unter dem Strich könne er jedem Hausbesitzer nur dazu raten, „ebenfalls bald die ganz persönliche Energiewende in Angriff zu nehmen.“ (Boris Naumann)

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