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Wildblumengarten in Ahnatal soll Insekten schützen

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Von: Tanja Temme

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Voll mit Insekten: Gerlinde Lerch und Werner Bellon machten von den schönen Allium-Blüten
Voll mit Insekten: Gerlinde Lerch und Werner Bellon machten Fotos von den schönen Allium-Blüten. © . Die waren voll mit kleinen Brummern, die diese als Nahrungsquelle nutzten. Fotos: Tanja Temme

In Ahnatal wurde ein Wildblumengarten am Gleis eröffnet. Der Verein will damit Insekten schützen und sucht noch Mitstreiter für das Artenvielfaltsprojekt. 

Ahnatal – Bis vor nicht allzu langer Zeit war es ein verwahrloster Streifen entlang der Gleise, ein Bereich, der bevorzugt als Hundeklo genutzt wurde. Inzwischen ist am Bahnhof in Weimar ein Wildblumengarten entstanden – ein Projekt, dass viele Besonderheiten aufweist. Am Samstag wurde das neu gestaltete Areal erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Obwohl die Mitglieder des Vereins „Lebendige Gärten Ahnatal“ erst vergangenes Frühjahr mit den Arbeiten auf der Fläche begannen, einige Pflanzen sogar erst im Frühjahr in die Erde kamen, blüht und grünt es schon überall auf dem lang gezogenen Gelände. Dass es hierbei um weitaus mehr als nur eine gewöhnliche Grünanlage handelt, soll es doch ein Schau-, Lehr und Mitmach-Garten sein, machte Nathalie Dettmar vom Vereinsvorstand deutlich: „Wir möchten zeigen, dass man ohne große Pflegemaßnahmen einen Garten gestalten kann, der zudem die Artenvielfalt fördert.“

Wer dem Garten einen Besuch abstattet – soll er doch für jedermann zugänglich sein – wird von der Vielseitigkeit überrascht sein: Nasch- und Kräuterbeete, eine Wassersenke, Eidechsenburg, einen Bereich mit Bäumen und ein Sandarium kann man hier vorfinden. Und da sich der Verein wünscht, dass Menschen hier auch miteinander ins Gespräch kommen, wurden sogar ein kleines Artium zum Sitzen angelegt und eine Boulefäche für den gemeinsamen Zeitvertreib integriert.

Im Fokus stehen natürlich Flora und Fauna, die verschiedenen Naturmodule, die mit ihrem vielen Altholz, Natursteine und Schotter bei Unwissenden sogar Besorgnis hervorrufen könnten: „Es gibt sehr viele Pflanzen, die es nährstoffarm und sonnig mögen“, erläuterte Helga Tewes, die ebenfalls dem Vorstand angehört. Als Beispiele nannte sie Ochsenzunge, Kugelblume oder Blaurute, eben Stauden, die Wildbienen und Schmetterlingen als Nahrungsquelle dienen. Eher karg wirkt auch das Sandarium, dass extra von Bewuchs freigehalten wird. Da 75 Prozent der Wildbienen im Boden nisten ist es ein wichtiger Lebensraum für die Insekten für eine ungestörte Entwicklung. Nicht nur die kleinen Summer, sondern auch größere Tiere wie Eidechsen profitieren von einer Steinpyramide, die sie im Eingangsbereich ihres Naturgartens integriert haben. Um die Bereiche abzugrenzen, wurden ausschließlich Natursteine und Totholz verwendet, damit möglichst viele Gartenbewohner einen Rückzugsort zur Verfügung haben.

Bei der Eröffnung war auch Weimars Bürgermeister Stephan Hänes dabei. Erfreut zeigte sich das Gemeindeoberhaupt darüber, dass der Garten nicht nur ein wichtiger Beitrag für den Naturschutz sei, sondern auch eine optische Bereicherung für Ahnatal. „Wahrscheinlich ist unser Wildblumengarten sogar ein Alleinstellungsmerkmal – im gesamten Landkreis Kassel ist mir ein solches Projekt nicht bekannt“, mutmaßte er. Dass künftig viele den Weg zu ihnen finden, sich Anregungen für den eigenen Garten holen oder einfach nur zum Entspannen kommen, hoffen Dettmar und ihre Mitstreiter. Wenn nur der ein oder andere sich für heimische Pflanzen entscheidet, Beerensträucher als Nahrungsquelle für Vögel setzt oder einen Holzhaufen als Winterquartier anbietet, wären wir schon einen Schritt weiter, ist man sich vonseiten des Vereins sicher.

Mithilfe eines Experten wurde der Garten geplant. Die Gartenfläche (rund 1000 Quadratmeter) gehört der Gemeinde und wurde an den Verein verpachtet. Rund 25 000 Euro Fördergelde floss in das Projekt. Die Mittel stammen aus einem Förderprogramm und Stiftungen. Das Gros der Arbeiten wurde ehrenamtlich gestemmt, sogar Pflasterarbeiten von Vereinsmitgliedern übernommen. Der Verein besteht aktuell aus 50 Mitgliedern und würde sich über Zuwachs freuen. Als nächstes möchten die Naturfreunde einen Gartencontainer anschaffen, um dort Geräte zu deponieren. lebendige-gaerten-ahnatal.de

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