Zuzug aus Kassel

Trotz Neubauten fehlen Wohnungen - Angebot im Landkreis Kassel kann Bedarf nicht decken

Der Bedarf an Wohnungen im Landkreis Kassel ist groß, trotz neu entstehender Immobilien. Dieser Neubau in Baunatal an der Heinrich-Nordhoff-Straße/Ecke Altenritter Straße ist vor Kurzem fertiggestellt worden.
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Der Bedarf an Wohnungen im Landkreis Kassel ist groß, trotz neu entstehender Immobilien. Dieser Neubau in Baunatal an der Heinrich-Nordhoff-Straße/Ecke Altenritter Straße ist vor Kurzem fertiggestellt worden.

Das Wohnungsangebot im Landkreis Kassel steigt langsamer als der Bedarf. Das geht aus Daten des Hessischen Statistischen Landesamtes (HSL) und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Kreis Kassel – Ende 2019 gab es laut HSL 116 662 Wohnungen aller Art und Größe im Kreis – das sind 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie das Institut für deutsche Wirtschaft herausgefunden hat, ist der Bedarf allerdings trotz des Anstiegs an Wohnungen nicht gedeckt: Im Kreis Kassel werden jährlich 605 Wohnungen benötigt, heißt es im IW-Report. Von Ende 2018 bis Ende 2019 hat sich der Bestand aber nur um 430 Wohnungen erhöht: von 116 232 auf 116 662. In der Statistik werden sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen erfasst.

Es sei ein Zuzug von Menschen aus der Stadt Kassel in den Landkreis festzustellen, berichtet Harald Kühlborn, Vorsitzender des Mieterbundes Nordhessen. Menschen mit geringerem Einkommen zögen eher in die Peripherie, unter anderem, weil sich der Mietpreis in den vergangenen Jahren nach oben entwickelt habe. „Je näher man an Kassel dran ist, desto teurer sind die Wohnungen“, sagt Kühlborn. Der Mieterbund fordere mehr bezahlbaren Wohnraum im Landkreis – helfen könne der Bau neuer Mehrfamilienhäuser, denn „je mehr Wohnungen auf dem Markt sind, desto eher sind die Preise im Normalmaß“, erklärt Kühlborn.

Eine erhöhte Nachfrage nach Wohnungen ist in Baunatal wahrnehmbar, berichtet Stadtsprecherin Susanne Bräutigam. Auch wenn es keine konkrete Anlaufstelle in der Verwaltung dafür gebe, erhielten die unterschiedlichen Bereiche immer wieder Anfragen. „Verweisen können wir hierbei an die Wohnungsbaugesellschaften wie die GWH, Wohnstadt, Soka Bau sowie private Investoren“, sagt Bräutigam.

2017/2018 habe Baunatal ein eigenes Wohnungsbauförderungsprogramm ins Leben gerufen: Die Stadt gewähre ein tilgungs- und zinsfreies Darlehen von bis zu 20 000 Euro pro Wohneinheit für die nächsten 20 Jahre. Der Mietpreis sei bei Neuvermietungen begrenzt auf sieben Euro pro Quadratmeter. „Im Rahmen dieses Förderprogramms sind 202 Wohnungen mit städtischer Unterstützung entstanden, davon 36 rollstuhlgerecht“, so die Sprecherin. Insgesamt seien 4,1 Millionen Euro Fördermittel gewährt worden.

„Es besteht eine hohe Nachfrage nach Wohneigentum“, berichtet auch Vellmars Sprecherin Astrid Kneuer. Dies werde an der Zahl der Interessenten für das Wohnbaugebiet „Vellmar-Nord“ deutlich – die Interessentenliste habe rund 1950 Einträge. Anfragen von Mietinteressenten würden an den privaten Wohnungsmarkt verwiesen. Darüber hinaus erfolge eine Vermietung von etwa 100 stadteigenen Miet- und Sozialwohnungen durch die Stadtwerke Vellmar.

Vellmar habe mit der Ausweisung von neuen Wohnbauflächen im Bereich der Alten Ziegelei, im Baugebiet Vellmar-Nord sowie mit dem Wohnpark Obervellmar – dort werden laut Kneuer ausschließlich Mietwohnungen errichtet – weitere Voraussetzungen für neue Wohnungen geschaffen.

Mietpreise steigen kontinuierlich an

Der Bedarf an Wohnraum hängt eng mit den Mietpreisen zusammen, die in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen sind. Ein wichtiges Instrument, um zu erkennen, ob eine Mieterhöhung möglich ist oder nicht, bietet ein Mietspiegel mit der sogenannten „ortsüblichen Vergleichsmiete“ der Städte und Gemeinden, berichtet Karina Fennel vom Amt für Bodenmanagement. „Diesen Mietspiegel gibt es jedoch derzeit in ganz Nordhessen einschließlich der Großstadt Kassel nicht“, sagt Fennel.

Um diese Lücke zu füllen, sei von den hessischen Gutachterausschüssen der „Mietwertkalkulator“ – kurz „Mika“ – entwickelt worden, der alle zwei Jahre aktualisiert werde. Datengrundlage bildeten tatsächliche Wohnungsmieten, Mieten von Gemeinden, der Landkreisverwaltung, Maklern, der Wohnungsbaugenossenschaft, Zeitung und Internet. Die Mietangaben beschränken sich laut Fennel auf Mieten in Zwei- oder Mehrfamilienwohnhäusern. Dabei hätten unter anderem folgende Größen Einfluss: Lage in der Region, Lage innerhalb der Bodenrichtwertzone, Größe der Wohnung, Ausstattung und Baujahr.

Nimmt man beispielhaft bestimmte Parameter – 80 Quadratmeter Wohnfläche, Mehrfamilienhaus, Baujahr 1990, mittlerer Ausstattungsstandard –, ergeben sich für drei Beispielstandorte laut Fennel aus dem Mika folgende Mietpreisentwicklungen: In Baunatal-Altenbauna lag der Mietwert pro Quadratmeter 2012 bei fünf Euro, 2019 bei 5,70 Euro. Im Helsa-Eschenstruth lag der Preis 2012 bei 4,10 Euro, 2019 bei 5,15 Euro. In Trendelburg betrug 2012 die Miete 3,85 Euro pro Quadratmeter, 2019 waren es 4,75 Euro. (Lara Thiele)

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