5000 Kinder wohnen im Heim

Besuch im Kinderheim Fuldablick: "Alltag so familienähnlich wie möglich"

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Spielen gerne: Christian, Ann-Kathrin und Anabell Müller aus dem Kinderheim Haus Fuldablick in Konnefeld.

Konnefeld. Wer an Kinderheime denkt, hat meist spontan ein eher negatives Bild im Kopf. Doch wie sieht der Alltag dort wirklich aus? Wir haben das Heim Fuldablick besucht und drei Kinder getroffen.

Düstere Gänge, dunkle Zimmer und ein böser Herbergsvater: Wer dieses Bild von einem Kinderheim im Kopf hat, kann sich davon verabschieden, da ist sich Dieter Kumpe sicher. Das Kinderheim Fuldablick in Konnefeld jedenfalls ist mit seinen großen hellen Räumen alles andere als düster.

Christian Müller wohnt mit seinen Geschwistern Anabell (9 Jahre) und Ann-Kathrin (11) bereits seit drei Jahren dort. Insgesamt wohnen elf Kinder im Alter zwischen neun und 17 Jahren im Haus Fuldablick. Christian ist ein neugieriger Junge, schaut sich alles ganz genau an und stellt viele Fragen. „Kann man nur Journalist werden, wenn man keine Rechtschreibfehler macht?“, will der Zehnjährige wissen.

„Die meisten Kinder sind hier, weil die Eltern einen Antrag auf Erziehungshilfe beim Jugendamt gestellt haben“, sagt Ursula Mex, Bereichsleiterin im Haus Fuldablick. Die Gründe für solch einen Antrag seien vielfältig. Überforderung, Gewalt und Sucht seien nur einige Beispiele. In seltenen Fällen sind die Kinder im Heim, weil das Jugendamt sie aus ihren ursprünglichen Familien geholt hat.

Freizeit selbst gestalten 

„Unser Ziel ist es, die Kinder in eine Pflegefamilie zu integrieren“, sagt Dieter Kumpe, Einrichtungsleiter der Kinder- und Jugendhilfe Haus Carl Sonnenschein, zu dem das Haus Fuldablick gehört.

Führende Köpfe: Ursula Mex, Bereichsleiterin des Hauses Fuldablick, und Einrichtungsleiter Dieter Kumpe

Um das zu schaffen, leben die Kinder so familienähnlich wie möglich. Es gibt zahlreiche Spielgeräte, draußen ist genug Platz zum Spielen. Abends gucken sie Fernsehen. Ein Mobiltelefon hat jedes der Kinder. Christian, Anabell und Ann-Kathrin spielen gerne in ihren Zimmern. Pferdeposter und Plüschtiere säumen die Regale. „Ich kicke nach der Schule am liebsten, ich mache das sogar in einem Verein“, sagt Christian.

Mitbestimmung sei ein großes Thema. „Wir schulen die Kinder dazu, selbstständig zu werden“, sagt Kumpe. Die sieben Mitarbeiter, alle ausgebildete Sozialpädagogen und Lehrer unterstützen dieses Konzept. Kinder sind für den Einkauf zuständig und putzen ihre Zimmer selbst. Der Alltag sei ganz normal, sagt Kumpe. Das einzige seien die Therapiestunden und Hilfeplangespräche der Kinder mit den Eltern und den Mitarbeitern.

Von Leona Nieswandt

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