Abendmahlskelch der Kirchengemeinde Beuern war 100 Jahre verschwunden

Beuern. Die evangelischen Christen in Beuern feiern das Abendmahl in der Kirche künftig wieder mit einem Kelch aus dem Mittelalter. Er war seit 1911 verschollen und tauchte im Vorjahr wieder auf. Die Kirchengemeinde hat den Kelch gekauft und restaurieren lassen.

Ein Schatz ist nach Beuern zurückgekehrt: Künftig können Gottesdienstbesucher das Abendmahl in der evangelischen Kirche mit einem 400 Jahre alten Kelch aus Silber feiern. Beim Abendmahl wird der Gemeinschaftskelch angeboten, man kann aber auch den Einzelkelch wählen. Mit einem Gottesdienst mit Pfarrer Bernd Hochschorner wird die Gemeinde die Rarität am Sonntag, 1. November, ab 18 Uhr in der Kirche in Gebrauch nehmen.

Die Vorgeschichte

„George Fokorot Anno 1636 vererte diessen Becher in di Kirche zu Bieren.“ So lautet die Inschrift auf dem Kelch. 1636 hatte Fokorot den Kelch an die Kirchengemeinde in Beuern - damals Bieren - gestiftet. Das jetzige Gotteshaus war 1690 geweiht worden. Der Kelch ist also älter als das jetzige Kirchengebäude.

Der Krieg

Die alte Kirche war 1640 durch kaiserliche Truppen zerstört worden. In Beuern vermutet man, dass die Abendmahlskelche im 30-jährigen Krieg geraubt wurden und George Fokorot der Kirche diesen silbernen, früher vergoldeten und mit reichen Ornamenten verzierten Kelch als Ersatz geschenkt hat.

Der Hersteller

Dieser Kelch ist zwischen 1603 und 1609 in Nürnberg als Pokal hergestellt worden. Er stammt aus der Werkstatt der Goldschmied-Familie Ritter. Die hat nach Angaben von Dr. Götz J. Pfeiffer, Kunstreferent der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, in fünf Generationen Schätze geschaffen, die heute im Kreml, in der Münchener Residenz, im Bayerischen Nationalmuseum und in Dresden ausgestellt sind.

Das Verschwinden

Bis 1911 befand sich der nur 16,5 Zentimeter hohe, aus 160 Gramm Silber gefertigte Kelch mit einem vasenartigen Mittelteil im Eigentum der Kirchengemeinde Beuern. Dann verschwand er spurlos. Warum, weiß heute niemand.

Der Glücksfall

„Dass der Name Bieren auf dem Kelch stand, war ein Segen“, beschreibt Landwirtschaftsmeister Heinz Wicke den Glücksfall. Wicke engagiert sich seit mehr als 40 Jahren im Kirchenvorstand und freut sich wie viele andere über den Zufall vom September vorigen Jahres. In Kassel recherchierte der damalige Eigentümer unter dem Stichwort Bieren, stieß auf Beuerns Kirche und auf die Geschichte mit dem verschwundenen Kelch. Zunächst dachte er, er habe ein Duplikat. Er war bereit, den Kelch zu verkaufen. Wicke: „Wir sind nach über 50-jähriger Diskussion über das Verschwinden überglücklich, dass er zu uns zurückgekehrt ist.“ Und Pfarrer Bernd Hochschorner sagt: „Dieser Kelch ist wegen seiner Einmaligkeit von besonderer Bedeutung“. Der Kelch sei ein bedeutendes Sakralgefäß des Glaubens und der christlichen Gemeinschaft über Jahrhunderte hinweg: „Die christliche Gemeinschaft kann an die Tradition der Ur- und Urgroßväter anknüpfen.“

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