Junger Mann verliert Gewicht

Wenn es im Kopf „Klick“ macht: Mann nimmt 60 Kilo ab - das ist sein Erfolgsgeheimnis

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60 Kilo in 5 Jahren: Timo Hertwig aus Kehrenbach im September 2014 und im Dezember 2019.

Abnehmen ist für Timo Hertwig aus dem nordhessischen Melsungen lange ein Tabu-Thema. Ein traumatisches Erlebnis lässt ihn umdenken. Das Ergebnis: Heute ist er 60 Kilo leichter.

  • Timo Hertwig aus Melsungen in Nordhessen hat in 5 Jahren 60 Kilo abgenommen.
  • Der junge Mann konnte mit dem Thema Abnehmen nie viel anfangen.
  • Erst ein Krankenhausaufenthalt hat daran etwas geändert.

Timo Hertwig aus dem Melsunger Stadtteil  Kehrenbach gibt es zweimal: Einen Timo vor 2014 und einen danach. Der eine brachte 150 Kilo auf die Waage, der andere läuft den Halbmarathon unter zwei Stunden. Und doch ist es ein und derselbe Mensch. Aber: Timo Hertwig hat innerhalb von fünf Jahren 60 Kilogramm abgenommen.

Tabu-Thema Abnehmen: Was muss passieren, damit sich etwas ändert?

Ein Darmriss hat sein ganzes Leben verändert und dafür gesorgt, „dass es in meinem Kopf Klick gemacht hat“. Es war im Dezember 2014, als Timo Hertwig mit Bauchschmerzen infolge einer Darmerkrankung in die Melsunger Klinik eingeliefert wurde.

Bluthochdruck und Vorhofflimmern wegen einer verschleppten Grippe kamen hinzu. „Die Krankenschwester fragte mich nach meinem Gewicht“, erinnert sich Hertwig, „aber als Dicker stellt man sich irgendwann nicht mehr auf die Waage.“ Er tippte auf 130 Kilo. Die Waage zeigte 147,7 Kilo.

XXXL-T-Shirts waren gerade groß genug

Dass er dick ist, wusste Hertwig natürlich, das sah er im Spiegel. Beleidigungen waren ihm nicht fremd, oft ärgerte er sich, schnell abgestempelt und als Dicker in eine Schublade gesteckt zu werden. XXXL-T-Shirts waren gerade groß genug für den 1,86 Meter großen Mann, der in Kehrenbach seit seinem sechsten Lebensjahr Fußball spielte. „Aber ich habe es mir schön geredet.“

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Obwohl dem Maschineneinrichter bei B. Braun auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz in der zweiten Etage des Werk K „die Brühe runterlief“. Obwohl er keinen Meter zu viel zu Fuß ging, sondern immer das Auto nahm, selbst zum Zigarettenautomaten im Dorf. Obwohl er meistens zu spät zum Fußballtraining kam, damit er die Aufwärmrunden um den Sportplatz schwänzen konnte. Obwohl die Eltern sagten, dass er was an seinem Gewicht machen müsse. „Aus Trotz habe ich nichts gemacht“, sagt er.

Lebensqualität zurückbekommen: Was hat beim Abnehmen geholfen?

Heute lebt der 39-Jährige im Elternhaus, auf dem Esstisch im Wohnzimmer stehen eine Flasche Cola („Die habe ich früher literweise getrunken“), und Süßigkeiten. Timo Hertwig und seine Frau Janine hatten Besuch, die Reste bleiben heute tagelang auf dem Tisch liegen. Früher war das anders.

Seit Sommer 2019 ist Hertwig verheiratet. Seine Frau kannte ihn schon früher vom Sehen, von der Arbeit. Ein Paar wurden sie erst im Februar 2017. „Ich bin jetzt ganz anders“, sagt er, „man verändert sich nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.“

Abnehmen durch bessere Ernährung und mehr Bewegung

Während er nach dem Darmriss ein halbes Jahr krankgeschrieben war, begann er, mit dem Hund seiner Mutter spazieren zu gehen. Erst kurze Strecken, dann immer etwas weiter, später ums Dorf herum. „Bewegung alleine reicht aber nicht.“

Er beschloss, sich kohlenhydratreduziert zu ernähren, kaufte Kochbücher, stöberte im Internet nach Rezepten. Er machte Pommes aus Kohlrabi, aß gehackten Blumenkohl statt Reis. „Das schmeckt super“, stellte er fest.

Abnehmen durch die richtige Ernährung:

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Schlimmster Feind beim Abnehmen? Der Jojo-Effekt

Ja, vor einem Jojo-Effekt hatte er Angst. Denn die Kilos wollte er nicht zurückhaben. Aber einen eigenen Hund wollte er haben. Er heißt Gottfried und ist ein Australian Shepherd, der viel Bewegung braucht. Zweimal am Tag geht Hertwig mit dem jungen Hund Gassi; in einigen Monaten wird er ihn dann auch auf seine Lauftouren mitnehmen.

Mindestens zweimal pro Woche trainiert Hertwig, er läuft fünf, sechs Kilometer, manchmal zehn. Die hügelige Landschaft rund um Kehrenbach hilft ihm, „das bringt Power in die Beine.“ Sätze wie „Es geht nicht mehr ohne Laufen“ und „Laufen ist meine positive Droge“ waren vor fünf Jahren undenkbar für ihn.

So ist es heute

Timo Hertwig liebt die neue Lebensqualität: als Ehemann, als dynamischer junger Mann, der in den Laden gehen und Klamotten kaufen kann, die ihm gefallen. „Das ist Wahnsinn, ich kann es kaum glauben.“ Auch wenn er 60 Kilo verloren hat, stören ihn die Spuren, die diese 60 Kilo an seinem Körper hinterlassen haben. Mit lässiger Kleidung kann er die Spuren am Bauch zwar kaschieren, aber er möchte auch dort gerne schlanker sein. Eine Operation hat seine Krankenkasse jedoch abgelehnt.

Das Wichtigste für ihn ist, dass er ein anderer Mensch geworden ist. Wenn er Fremden seine alten Fotos zeigt und die ihn fragen, wer das ist, dann sagt er: „Das ist mein Zwilling.“

Von Claudia Feser

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25-Jähriger verliert 55 Kilo - dank eines simplen Tricks: Als George Sinclair fast 140 Kilogramm wiegt, will er abnehmen. Seine Weise ist so einfach wie effektiv - ohne je ein Fitnessstudio besucht zu haben.

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