Melsungerin wurde nicht getestet 

Änderung bei Corona-Tests: Krankenkassen übernehmen Kosten für Pflegebedürftige 

Deutlich mehr Tests möglich: Neue Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums macht es möglich, dass asymptomatische Menschen getestet werden können und die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Foto: Jean-Francois Badias/DPa Bildfun k

Bisher blieben Pflegebedürftige auf den Kosten für Corona-Tests sitzen. So auch eine 82-Jährige aus Melsungen.

Ein Angehöriger schildert uns die Situation: Die ältere Frau war aufgrund einer akuten Erkrankung dringend auf Pflegeleistungen angewiesen. Ein Melsunger Pflegedienst war bereit, sie zu pflegen, verlangte aber einen Corona-Abstrich. Das sei auch total verständlich, so der Schwiegersohn. Der Hausarzt lehnt es aber ab, diesen Test vorzunehmen, weil keine Symptome vorlägen. Keine Symptome, keine Pflegeleistung, es sei denn, die Rentnerin bezahlt von ihrem Einkommen die Kosten von 150 Euro selbst.

So war bis Dienstag die Rechtslage bestätigt Karl Matthias Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Entscheidend sei bisher gewesen, ob ein Verdachtsfall vorliege. Für diese medizinische Einschätzung sei der Hausarzt verantwortlich gewesen. Wenn dies vom Arzt verneint wurde, sei ein Test, dessen Kosten zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung gingen, bisher nicht möglich gewesen.

Eine neue Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums ändert in vielen Punkten aber die Kostenübernahme für Patienten. Sie soll rückwirkend ab Mitte Mai gelten und trat am gestrigen Dienstag in Kraft.

Die Änderungen sind weitreichend. So sind ab sofort Abstriche möglich bei asymptomatischer Personen, die sich in einem Gebiet aufhalten oder aufgehalten haben, in dem sich laut Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts in einem ununterbrochenen Zeitraum von sieben Tagen bezogen auf 100 000 Einwohner dieses Gebietes mehr als 50 Personen neu mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert haben.

Ebenso übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Tests von Personen, die medizinisch oder pflegerisch betreut werden. In der neuen Testverordnung heißt es unter anderem, die Leiter von pflegerischen und medizinischen Einrichtungen haben sicherzustellen, dass die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um Infektionen zu verhüten. Zu den Einrichtungen zählen unter anderem Krankenhäuser, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen, Dialyseeinrichtungen, und ambulante Pflegedienste, die ambulante Intensivpflege übernehmen und Rettungsdienste. Die 82-jährige Melsungerin muss die Kosten also nicht übernehmen.

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