Corona-Lockerungen

Ärger über Schulöffnung: Grundschulen sehen sich als Versuchskaninchen

Coronavirus - (Symbolbild)
+
Coronavirus - Ärger über Öffnung der Grundschulen vor den Sommerferien

Schwalm-Eder – Heute dürfen in Hessen alle Grundschüler wieder zurück an die Schulen. Damit legt die hessische Landesregierung zwei Wochen vor Ferienbeginn einen erneuten Kurswechsel hin. Bei den Leitungen der Grundschulen im Schwalm-Eder-Kreis sorgt das für großen Unmut. Der Kreisverband Schwalm-Eder des Interessenverbands Hessischer Schulleitungen hat ein Positionspapier an das Schulamt übergeben. Hinter der Entscheidung der Landesregierung könnten die Schulleiter nicht stehen. Gesundheitsgefährdungen bei Lehrern, Kindern und Angehörigen würden bewusst in Kauf genommen, heißt es.

Kritik gibt es auch vom Hessischen Philologenverband. Sie bezeichnen Lehrer und Schüler gar als Versuchskaninchen.

„Wir sind am Ende unserer Leistungsfähigkeit“, heißt es vonseiten der Lehrer. Schulalltag hätten immer wieder neu organisiert werden müssen – und dabei nur wenige Tage Bestand gehabt. Das Abstandsgebot soll an Grundschulen nicht mehr gelten. Die Kinder sollen aber weiterhin in festen Gruppen unterrichtet werden.

Auch Karin Muche, Rektorin der Schule am Schloth in Melsungen, äußert Kritik an der Entscheidung der Landesregierung. „Ich stehe hinter dem Positionspapier“, sagt sie. Die Sinnhaftigkeit der neuen Regelung hätte sie nicht erkannt. „Die Kinder haben sich in den vergangenen Wochen an das Abstandsgebot gewöhnt“, erklärt sie. „Jetzt fällt es in den Klassenräumen weg, aber nicht auf Schulhöfen oder der Betreuung – das verunsichert die Kinder.“ Die bislang geltenden Regeln hätte die Schule einhalten können. „Wir unterrichten 180 Kinder mit elf Lehrkräften“, sagt Muche. Einige Lehrer gehörten zur Risikogruppe, die aber weiterhin im Einsatz waren. „Wenn die Klassen aber wieder mehr als 15 Schüler haben, ist das Risiko nicht mehr vertretbar.“ Nicht ausgeschlossen sei also, dass noch Vertretungslehrer für die letzten zwei Schulwochen eingestellt werden müssten. Der organisatorische Aufwand für diese zwei Schulwoche stünde in keinem Verhältnis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.