SPD schlägt Alternative vor 

Alternativen für Hayessen-Platz in Felsberg sind denkbar

Gute Resonanz: Die neue Bürgerinitiative „Ein Platz für Egbert Hayessen” freute sich über den guten Besuch des ersten Treffens auf dem Bahnhofsplatz.

Felsberg – Die Debatte über die Benennung des Bahnhofsvorplatzes in Gensungen nach dem Widerstandskämpfer Egbert Hayessen reißt nicht ab.

In einer interfraktionellen Runde haben sich die Fraktionsvorsitzenden der Felsberger Stadtverordnetenversammlung jetzt mit der neuen Initiative „Ein Platz für Egbert Hayessen” befasst.

Diese macht sich für die Umbenennung des Platzes stark (HNA berichtete). Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wie der HNA nun bekannt ist, gebe es erneut Bedenken bei dem Vorhaben, weil der Bahnhofsvorplatz nicht im Besitz der Stadt, sondern der Deutschen Bahn ist.

Ergebnis der interfraktionellen Runde sei, dass man auf die Initiative zugehen wolle, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Stephan Bürger. „Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir Gespräche mit der Bürgerinitiative suchen, die sich für eine Benennung nach dem Widerstandskämpfer starkmacht“, sagt er. „Nicht geplant ist, dass es in der nächsten Stadtverordnetenversammlung thematisiert werden soll. Der Magistrat hatte diesbezüglich bereits einen Entschluss gefasst“, erklärt Bürger. Aber man werde erneut Gespräche führen. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass nach alternativen Plätzen für eine Benennung nach Hayessen gesucht wird, sagt Bürger.

Bislang ist der Feldweg vom Mittelhof zur Kartause nach dem Widerstandskämpfer Egbert Hayessen benannt. Eine Initia tive setzt sich für die Benennung an einem prominenteren Platz ein. Fotos: Manfred schaake / linett hanert
Dieter VaupelInitiative „Platz für Hayessen“

Der Initiator der Initiative, Dr. Dieter Vaupel, hält die Bedenken für unbegründet. Laut Hessischer Gemeindeordnung obliegt die Entscheidung über die Benennung von Straßen, Plätzen und Brücken der Stadtverordnetenversammlung als oberstem Beschlussorgan. Sie kann auch auf andere Gemeindeorgane, wie den Magistrat übertragen werden. So ist es auch im Februar dieses Jahres geschehen. Damals hatte sich der Magistrat gegen eine Namensgebung nach Egbert Hayessen/ Adolf Herwig ausgesprochen.

Der Gensunger Ortsbeirat hatte die Empfehlung, den Bahnhofsvorplatz nach Herwig zu benennen. Gleichzeitig hatte auch Dieter Vaupel angeregt, den Gensunger Bahnhofsvorplatz umzubenennen – allerdings nach dem Gensunger Widerstandskämpfer Egbert Hayessen.

Bis heute habe sich das Stadtparlament nicht wirklich ausführlich mit dieser Thematik befasst, sagte Vaupel. Gerade jetzt sei es wichtig, positive Vorbilder wie Hayessen zu würdigen, betonte Vaupel erneut.

„Es entsteht der Eindruck, dass nach formalen Gründen gesucht wird, um keine Entscheidung treffen zu müssen“, sagt Dieter Vaupel. Dasselbe Prozedere habe er bereits damals bei den ersten Überlegungen zur Verlegung der Stolpersteine erleben müssen. „Damals war es zu Beginn auch schwierig, Befürworter zu finden“, erinnert er sich. Angesichts der aktuellen öffentlichen Debatte, finde er es schwach, dass sich die Stadtverordneten vor einer zügigen Entscheidung drücken würden.

Auf Nachfrage der HNA bei der Deutschen Bahn, heißt es, dass der Namensvorschlag bereits bekannt sei und aktuell geprüft werde. Mehr könne zurzeit nicht bekannt gegeben werden.

Neuer Vorschlag von der SPD stößt auf Zustimmung

Gensungen/Felsberg– Für die Benennung eines Platzes nach dem Widerstandskämpfer Egbert Hayessen gibt es nun noch einen neuen Vorschlag: Nicht der Platz zwischen dem Bahnhof Gensungen und der Ederbrücke in Richtung Felsberg, sondern der Platz auf der anderen Bahnhofs-Seite sollte nach Hayessen benannt werden. Diese Anregung des Gensungers Dr. Kai-Uve Hanitsch fand bei einem Treffen der „Bürgerinitiative (BI) Platz für Egbert Hayessen” spontan viel Zustimmung. Die Initiative hatte für Mittwochabend zu einem Treffen am Bahnhof eingeladen – 23 Interessierte waren gekommen.

„Absolut super.” Das war die erste Reaktion von Dr. Dieter Vaupel auf den Vorschlag von Hanitsch. Er ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Gensungen und Mitglied im Ortsbeirat. Am Todestag von Hayessen plant die Initiative einen Aktionstag unter dem Motto „Erinnern statt vergessen”. Dazu bittet die BI um Vorschläge.

Es gebe keinen besseren Platz als den am Bahnhof, nach Hayessen zu benennen, sagte Erika Carstensen-Bretheuer. Sie hoffe, dass die Stadtverordneten den Mut und den Respekt vor Hayessen haben und dem Vorschlag auf Benennung des Platzes zuzustimmen.

Hayessen verdiene eine Würdigung über den Gedenkstein am Mittelhof hinaus, sagte Dr. Hanitsch vor den BI-Mitgliedern. „Ich finde Ihr Engagement toll”, erklärte er und erinnerte an die kontroverse Diskussion über eine Benennung Herwig/Hayessen im Vorfeld. „Die beiden Konkurrenz-Vorschläge sind vom Tisch”, unterstrich Hanitsch, und sagte über den Bahnhofsplatz Richtung Felsberg, der der Deuteschen Bahn gehöre: „Dieser Platz sei kein Vorzeigeplatz.” Man müsse sich fragen, ob es richtig sei, ihn nach Hayessen zu benennen. Eine „wunderbare Alternative” gebe es auf der anderen Seite – die mit Bäumen bepflanzte Fläche zwischen Bahnsteig, ehemaligem Postamt und dem früheren Raiffeisen-Warenlager.

Stadtverordnetenvorsteher Stefan Umbach (SPD) unterstützte den Vorschlag Hanitschs. Vorteil sei, dass der Platz auf der anderen Seite der Stadt gehöre und viel besser geeignet sei. Umbach meinte beim Blick auf die Graffiti an der Ederbrücke und die herumliegenden Schnapsflaschen, dieser Platz in Richtung Westen sei nicht würdig genug, ihn nach Hayessen zu benennen. Unter der Hand sagten Teilnehmer des Treffens, die Fläche werde Wodka-Party-Platz genannt.

Nach der Besichtigung der anderen Fläche erklärte Dr. Vaupel: „Ich sehe überall Nicken.” Wovon sich ein Teilnehmer allerdings distanzierte. Jede Konfrontation in der Diskussion sei unsinnig, meinte BI-Mitglied Heinz Körner. Er finde den neuen Vorschlag gut. Allgemeine Zustimmung gab es auch zum Vorschlag des Stadtverordnetenvorstehers, er wolle nun die Fraktionsvorsitzenden im Parlament sowie die Vertreter der BI, der SPD und des Ortsbeirates Gensungen an einen Tisch holen.

Es gebe in der Diskussion keine Eile. Schön wäre aber, wenn es bis zum Aktionstag am 15. August eine positive Entscheidung geben würde.

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