Schnellröder sammelten Unterschriften für Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses

Angst vor Schließung: Ein Dorf kämpft für sein DGH

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Sorge um ihr DGH: von links Erich Oeste, Wilfried Hönig, Ursula Sommer, Ortsvorsteher Thomas Jung und Reingard Hönig haben eine Unterschriftensammlung für ihr DGH gestartet. 

Schnellrode. Vor der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 11. Februar, sollen Unterschriften für den Erhalt des DGHs an den Bürgermeister übergeben werden. Diese haben die Schnellröder im Dorf gesammelt.

So voll war es in der Gastwirtschaft Grüner Baum in Schnellrode noch nie während einer Ortsbeiratssitzung. 30 Zuschauer - statt wie üblich eine Handvoll Zuschauer - verfolgten die jüngste Sitzung, denn die Situation des örtlichen DGHs stand auf der Tagesordnung. Die Schnellröder befürchten, dass ihr Dorfgemeinschaftshaus mittelfristig geschlossen werden soll. Deshalb wurde beschlossen, Unterschriften für den Erhalt zu sammeln. Diese sollen vor der Parlamentssitzung am Donnerstagabend an Bürgermeister Peter Tigges übergeben werden, kündigte Ortsvorsteher Thomas Jung an.

Der Auslöser

Weil das Parlament im Mai 2015 beschlossen hatte, die DGHs in Kategorien einzuteilen, wurde Schnellrode in die Gruppe 2 eingeteilt. Damit zählt das Haus zu denen, die weiter betrieben werden bis eine größere Investition ansteht. Zugleich hatte sich das Parlament dafür ausgesprochen, Alternativen in den Dörfern zu prüfen. Im Falle Schnellrodes war dies das Angelsport-Vereinsheim. „Und das war der Auslöser für unseren Protest", sagt Ortsvorsteher Jung, „denn es macht den Anschein, dass unser DGH aufgegeben werden soll."

Keine Alternative

Das Haus ist der einzige öffentliche Raum in Schnellrode. Das Anglerheim ist in Vereinshand. Die Gastwirtschaft hat nur einen Thekenraum und keinen Saal, und wenn die Betreiberin aus Altersgründen schließt, gibt es keinen Nachfolger.

Vorschlag zum Umbau

Vor vier Jahren hatte ein Architekt die Kosten für einen DGH-Umbau vorgelegt: rund 360.000 Euro. Dass das aufgrund der finanziellen Situation der Stadt nicht umzusetzen ist, ist den Schnellrödern mittlerweile auch klar. Eine abgespeckte Version für rund 50.000 Euro wäre möglich, sagt Ortsvorsteher Jung. „Die Schnellröder würden alle mit anpacken." Schließlich wollen sie ihr DGH erhalten: als Übungsraum für die Gymnastikgruppe, für Beerdigungskaffees, für Familienfeiern, und die vielen Kinder im Dorf.

Schnellrode:

Die Mitglieder des Angelsportvereins haben über das Thema diskutiert, berichtet Vorsitzender Peter Heinemann. Sie haben einstimmig beschlossen: Das Vereinsheim kann nicht für Familienfeiern, Beerdigungskaffeetrinken und als Übungsraum für den Gymnastiksportverein genutzt werden. „Wir können das schon aus logistischen Gründen nicht umsetzen."

Nausis:

Der Schützenverein hat sich während der Jahreshauptversammlung gegen die Anfrage der Stadt ausgesprochen. Laut 2. Vorsitzenden Dieter Bücking dürfe das Haus satzungsbedingt nur an Mitglieder vermietet werden. Außerdem müsse der Schießstand für größere Veranstaltungen immer abgebaut werden, die Küche sei zu klein, der Vorratsraum winzig.

Landefeld:

Angefragt wurde auch der Gemeindesaal Landefeld. Da dieser von Jedermann gemietet werden kann, hat sich der Kirchenvorstand laut Pfarrer Michael Schümers dafür ausgesprochen, ihn als Alternative anzubieten - jedoch haben dort nur 30 Menschen Platz. Der große Saal im DGH hat 100 Sitzplätze.

Das sagt der Bürgermeister Peter Tigges:

Bürgermeister Peter Tigges teilte auf HNA-Anfrage mit: „Das DGH Schnellrode wird nicht geschlossen." Es stehe in Kategorie 2 und sei deshalb mit Investitionen nicht im Haushalt aufgeführt. Größere Investitionen gebe es nur noch in Häusern der Kategorie 1. Das DGH Schnellrode werde auf dem jetzigen Stand weiterbetrieben. Stehen größere Investitionsmaßnahmen an, „muss im Einzelfall geprüft werden". Kleinere Unterhaltungsmaßnahmen würden auf jeden Fall erledigt.

Hintergrund

Im Mai 2015 hatte das Spangenberger Parlament beschlossen, die DGHs in Kategorien einzuteilen.

• Kategorie 1: DGHs, die weiter als DGH genutzt werden, anstehende Investitionen werden getätigt - Elbersdorf, Mörshausen, Pfieffe, Herlefeld.

• Kategorie 2: Häuser, die betrieben werden, bis eine größere Investition ansteht, dann wird über das DGH neu entschieden - Bergheim, Bischofferode, Metzebach, Nausis, Landefeld, Schnellrode, Weidelbach.

• Kategorie 3: DGHs, die verkauft werden sollen - Vockerode-Dinkelberg.

Das Parlament war dafür, Alternativen zu prüfen: das Anglerheim Schnellrode, das Schützenhaus Nausis, den Gemeindesaal Landefeld.

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