Jobcenter Schwalm-Eder und Jugendwerkstatt Felsberg helfen bei Vermittlung

Ausbildung ist auch in Teilzeit möglich

Sie ist froh, ihre Ausbildung in Teilzeit absolvieren zu können: Miriam Langner an ihrem Arbeitsplatz, dem Friseursalon von Martina Lorenz in Zennern, mit Rüdiger Neumeier von der Jugendwerkstatt Felsberg. Er hat ihr geholfen, den Ausbildungsplatz zu finden.
+
Sie ist froh, ihre Ausbildung in Teilzeit absolvieren zu können: Miriam Langner an ihrem Arbeitsplatz, dem Friseursalon von Martina Lorenz in Zennern, mit Rüdiger Neumeier von der Jugendwerkstatt Felsberg. Er hat ihr geholfen, den Ausbildungsplatz zu finden.

Einen Teilzeit-Ausbildungsplatz zu finden, ist schwierig. Die Jugendwerkstatt Felsberg und das Jobcenter Schwalm-Eder helfen bei der Suche.

Schwalm-Eder – Miriam Langners Woche ist vollgepackt. Die 21-jährige Fritzlarerin ist Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter – und absolviert eine Ausbildung zur Frisörin. In Teilzeit. Vormittags arbeitet sie im Friseursalon oder lernt in der Berufsschule, nachmittags holt sie ihre Tochter vom Kindergarten ab.

Halbtags zu arbeiten, ist nicht ungewöhnlich. Aber eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, das ist immer noch eine Seltenheit. Doch es ist möglich. Darauf wollen das Jobcenter und die Jugendwerkstatt Felsberg aufmerksam machen. Gemeinsam haben sie Miriam Langner den Ausbildungsplatz im Friseursalon von Martina Lorenz im Waberner Ortsteil Zennern vermittelt.

„Eine Teilzeitausbildung wird viel zu selten angeboten“, sagt Rüdiger Neumeier von der Jugendwerkstatt Felsberg. „Junge Eltern bekommen dadurch kaum Möglichkeiten, eine Ausbildung anzufangen.“ Die Betriebe spielten bei dem Thema oft nicht mit, sagt auch Elke Genuit vom Jobcenter Schwalm-Eder. Da stehe dann die Frage im Raum: Wie soll das mit Kind funktionieren? „Die Arbeitgeber sehen das oft skeptisch“, sagt Genuit.

Diese Erfahrung musste auch Miriam Langner machen. „Nach der Geburt meiner Tochter habe ich ein Jahr Elternzeit genommen – danach wollte ich arbeiten“, erzählt sie. „Ich will meinem Kind ein Vorbild sein und ihm zeigen, dass es sich lohnt, arbeiten zu gehen. Ich will meiner Tochter etwas bieten können“, sagt die 21-Jährige. Schon länger stand für sie fest, dass sie Friseurin werden wollte. „Die Kreativität gefällt mir“, sagt Langner. „Ich möchte nicht monoton Dinge abarbeiten.“ Ihr gefällt auch der Kontakt mit den Kunden: „Man lernt unfassbar viele Menschen kennen.“

Sie sei schon immer sehr zielstrebig gewesen, sagt die junge Frau über sich. Und so setzte sie sich sofort hin und schrieb Bewerbungen. Doch bald folgte die Ernüchterung: „Es war schlimm, bei den Bewerbungen Ablehnung zu erfahren, weil ich in Teilzeit arbeiten wollte.“ Doch Langner gab nicht auf: „Ich wollte nicht abhängig von Arbeitslosengeld sein.“

Ende 2018 wandte sie sich an das Jobcenter und bekam dort einen Flyer zum ALF-Programm der Jugendwerkstatt Felsberg in die Hand gedrückt. Die Abkürzung ALF steht für „Ausbildung im ländlichen Raum fördern.“ Langner stellte sich kurz darauf bei der Jugendwerkstatt vor.

Dort fühlte sie sich sofort gut aufgehoben. „Ich hatte nie das Gefühl, nur eine Nummer zu sein. Ich konnte ich sein“, schildert sie. Die junge Frau traf auf Rüdiger Neumeier, ALF-Projektmitarbeiter bei der Jugendwerkstatt. Er ist für die Betriebsakquise zuständig – und stellte den Kontakt zu Martina Lorenz her, die er noch von früher kannte. „Ohne persönliche Kontakte funktioniert die Vermittlung kaum“, sagt Neumeiers Kollege Marcel Smolka. Am besten funktioniere die Vermittlung in kleine Betriebe mit familiären Strukturen – wie den Friseursalon von Martina Lorenz.

„Ich gebe jungen Menschen gern eine Chance“, sagt Martina Lorenz. „Damit habe ich in der Vergangenheit immer positive Erfahrungen gemacht.“ Zudem habe sie ihr Team ohnehin vergrößern wollen. In ein paar Jahren wolle sie aufhören, deshalb sei es ihr wichtig, jetzt Nachwuchs für den Friseursalon zu finden.

So war die Bewerbung von Miriam Langer für sie ein Glücksfall, denn die junge Frau fügte sich sofort gut in das kleine Team von Mitarbeitern ein. „Das Arbeitsklima ist toll“, sagt die Auszubildende. „Seit ich hier arbeiten darf, geht es mir gut.“ Es sei einfach schön, einen Job zu haben, der ihr Spaß mache und in dem sie aufgehe. „Ich bin froh, dass ich diese Chance bekommen habe“, sagt Langer. „Das ist nicht selbstverständlich.“ (Judith Féaux de Lacroix)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.