Ab 1. April

Erste Frau an Spitze des Konzerns: Das ist B. Brauns neue Chefin Anna Maria Braun

Konzernchefin mit viel Auslandserfahrung: Anna Maria Braun.
+
Konzernchefin mit viel Auslandserfahrung: Anna Maria Braun.

Generationenwechsel beim Medizintechnik- und Pharmakonzern B. Braun Melsungen AG: Mit Anna Maria Braun steht erstmals eine Frau an der Spitze. Die Konzernchefin im Porträt.

Anna Maria Braun sitzt auf dem Vorstandspodium. Neben ihr trägt Heinz-Walter Große, Vorstandschef der B. Braun Melsungen AG, die Bilanz für das abgelaufene Jahr vor. Künftig wird Anna Maria Braun selbst über Erträge, Renditen und Investitionen sprechen. 

Seit 2016 gehört die Juristin dem Vorstand des nordhessischen Medizintechnik- und Pharmaherstellers an. Ab dem 1. April wird sie den familieneigenen Konzern in sechster Generation leiten. Zuvor nahm sie sich eine Auszeit als Mutter: Das jüngste ihrer drei Kinder ist noch ein Baby.

Die 39-Jährige ist die erste Chefin in der 180-jährigen Firmengeschichte. Was dieser besondere Moment in ihr auslöse, wurde sie in einem Interview für den Geschäftsbericht gefragt. „Ich denke nicht in besonderen Momenten“, hat sie geantwortet. „Wir halten bis zum 1. April nicht den Atem an, sondern stecken mitten im Tagesgeschäft und gehen konzentriert die Aufgaben an, die vor uns liegen.“ Sie spricht über Wachstum, über neue Formen der Zusammenarbeit und der Teambildung. Sie wirkt umgänglich, offen und zielorientiert.

Anna Maria Braun ist Arbeitgeberin für fast 64.000 Menschen in aller Welt, Chefin eines Konzerns, der 2018 knapp sieben Milliarden Euro umsetzte und dessen Fabriken mehrere tausend verschiedene Produkte von der Kanüle bis zum künstlichen Hüftgelenk ausstoßen. 

Wenige Frauen in der deutschen Wirtschaft sind in einer solchen Position. Von den 200 größten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors hierzulande, zu denen auch B. Braun zählt, haben nur sieben eine Vorstandsvorsitzende, ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

Anna Maria Braun ist Nachfahrin eines unternehmungslustigen Apothekers, der im 19. Jahrhundert sein Geschäft um den Versandhandel mit Kräutern erweiterte und damit den Grundstein für den heutigen Konzern legte. Die Eigentümerfamilie findet sich regelmäßig auf den Reichenlisten der Finanzmagazine wieder und winkt bei Fragen nach einem Börsengang ebenso regelmäßig ab. Auch Anna Maria Braun betont, das Unternehmen solle in Familienhand bleiben.

Sie hat früh Auslandserfahrung gesammelt, hat ihr Abitur in Großbritannien abgelegt, den Abschluss als Master of Law an der Georgetown University in Washington gemacht. Bevor sie 2009 bei B. Braun anfing, arbeitete sie als Wirtschaftsanwältin in einer Düsseldorfer Kanzlei. Seit sechs Jahren hat Anna Maria Braun – seit 2016 als Vorstandsmitglied – das gesamte Asien-Pazifik-Geschäft unter sich.

In Malaysia, der Drehscheibe für diese rasch wachsenden Märkte, wurden binnen neun Jahren 700 Millionen Euro investiert. Die Eröffnung des Campus in Penang, einem großzügigen Komplex von Produktions- und Verwaltungsgebäuden, nennt sie ein Highlight ihrer dortigen Zeit. Mehr als sieben Jahre hat Anna Maria Braun in Malaysia gelebt, ihre beiden älteren Kinder kamen dort zur Welt. Ihr Mann, ein Immobilienunternehmer, ist dem Land geschäftlich verbunden.

Sie hat drei Brüder und eine Schwester. Ihr Vater Ludwig Georg Braun, ist nach 34 Jahren an der Unternehmensspitze Aufsichtsratschef. Familien- und Managementerfahrungen dieser Art könnten auch außerhalb Nordhessens nützlich sein. Seit einigen Monaten sitzt sie im einflussreichen Beirat der Führungsholding der familiengeführten Oetker-Gruppe. 

Der Eigentümerclan macht – anders als die diskreten Melsunger – immer wieder durch Reibereien von sich reden. Bei Anna Maria Braun kann man einen langen Atem vermuten. Sie läuft. Wie ihr Vater, hat sie Marathon-Erfahrung.

B. Braun: Das ist der Konzern

Der Besitzer verstorben, das Geschäft geschlossen: Die Rosenapotheke im nordhessischen Melsungen war verwaist. Der Kasseler Apotheker Julius Wilhelm Braun (1808 - 1850) griff 1839 zu. Bald schon erweiterte er das Geschäft um einen Versandhandel. 

Sein Sohn Bernhard begann mit der pharmazeutischen Produktion, Enkel Carl stellte mit der Herstellung von chirurgischen Nahtmaterial die Weichen für die Wandlung zum Industriebetrieb. Die erste ausländische Fertigungsstätte entstand 1925 in Mailand.

Der Anfang: Die Rosenapotheke.

Heute ist die B. Braun Melsungen AG mit knapp 64.000 Beschäftigten in 64 Ländern aktiv. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr – durch ungünstige Wechselkurse gebremst, um 1,8 Prozent auf 6,91 Milliarden Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen blieben (Ebitda) blieben 952,5 Millionen Euro übrig, 3,3 Prozent weniger als 2017. Der Überschuss gab um ein Fünftel auf 328,4 Millionen Euro nach. Dabei investierte der Konzern, Forschung und Entwicklung eingerechnet, 1,2 Milliarden Euro.

Hauptumsatzbringer ist die Sparte Hospital Care mit Infusions- und Injektionslösungen sowie Einmalbedarf für Krankenhäuser. Zweitgrößte Sparte ist die Chirurgietochter Aesculap, gefolgt von Out Patient Market. Diese Sparte stellt Bedarf für Arztpraxen, Pflege, Langzeitpatienten und chronisch Kranke her. Viertes Standbein des Konzerns ist die Dialysesparte Avitum. Fast die Hälfte des Umsatzes erzielt der Konzern in Deutschland und dem übrigen Europa.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.