Beiseförth

Beiseförther Familie zieht Bachstelzen per Hand groß

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Clara Fleischert füttert mit Aufzuchtfutter einen der drei Jungvogel.

Ein Herz für verwaiste Vögel: Am Naturbadesee in Beiseförth fand Familie Fleischert die drei Tiere.

Die zehn Jahre alte Clara Fleischert aus Beiseförth ist seit wenigen Tagen Ziehmutter von drei kleinen Wildvögeln. Wie sich herausgestellt hat, sind die Jungvögel Bachstelzen. 

Die Schülerin hat ein Nest mit den drei kleinen, verwaisten Vögeln am Steg des Naturbadesees in Beiseförth gefunden. „Die Vögel waren noch nackt und blind“, erinnert sich die Schülerin.

Alle 20 Minuten füttern

Einige Zeit beobachteten Clara und ihre Eltern die Situation und entschlossen sich dann, die Findlinge mit nach Hause zu nehmen. „Wir hätten es nicht übers Herz gebracht, die Vögel im Stich zu lassen“, sagt Claras Mutter Caroline Fleischert.

Doch wie päppelt man drei kleine Wildvögel auf? Da hieß es erst mal, das Internet nach fachmännischen Tipps zu durchforsten. Auch Nachbarn wurden zurate gezogen. 

Von den Betreibern der Greifvogelauffangstation Malsfeld-Beiseförth erhielt die Familie die Telefonnummer der Wildvogelhilfe. „Zu diesem Zeitpunkt erreichten wir aber leider keinen Ansprechpartner“, erzählt Fleischert. 

Daraufhin haben dann Fleischerts Aufzuchtfutter inklusive Maden für ihre Findlinge gekauft und samt Nest in einen Karton untergebracht. „Alle 20 Minuten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, haben wir die Kleinen gefüttert. 

Ich habe mir abends einen Wecker gestellt“, sagt Fleischert. Mittlerweile gibt es nur noch jede Stunde Futter mit der Pinzette für Tietchen (der kleinste Vogel), Moritz (der schlankeste Vogel) und Ziberda. So hat Clara Fleischert das Vogeltrio inzwischen getauft.

Die Jungtiere sollen wieder ausgewildert werden

Vater Peter Fleischert hat die Tiere, um sie regelmäßig zu füttern, mit in das Schwimmbad-Café genommen, wenn seine Frau an der Arbeit war und seine Tochter in der Schule saß. 

Das hat sich schnell rumgesprochen und viele Gäste kamen, um die heranwachsenden Findlinge zu sehen.

Die Jungtiere sollen aber wieder ausgewildert werden. Aber jetzt sind die Fleischerts glücklich und stolz, dass die drei Waisenvögel überhaupt überlebt haben. 

Viele Leute seien der Meinung gewesen, dass die Tiere es nicht schaffen werden. „Aber sie haben es geschafft. Gottseidank“. 

Das sagt die Wildvogelhilfe: 

Falsches Futter kann Tod bedeuten

Jessica Jordan von der Wildvogelhilfe aus Felsberg sagt dazu: „Die Leute sollten sich vorab erkundigen, was das Tier frisst und wie eine Erstversorgung aussehen sollte.“ Denn schon falsches Futter kann den Tod für das kleine, hilflose Wildtier bedeuten.

Darüber hinaus ist auch der menschliche Kontakt für das Tier in seiner Entwicklung nicht förderlich. „Die Tiere müssen einfach lernen, wie sie in der Natur selbst überleben. Diese Aufgabe übernehmen im Normalfall die Tiereltern“, klärt die Tierschützerin auf.

Grundsätzlich muss man abwägen, wann ein Tier überhaupt menschliche Hilfe benötigt. Hier unterscheidet man bei den Vögeln zwischen einen Nestling und einem Ästling. 

Der Nestling ist ein nackter Jungvogel, der noch nicht auf seinen Beinen stehen kann. Befindet er sich außerhalb des Nestes, braucht er Hilfe. Der Ästling hingegen ist schon gefiedert und hat seine ersten Flugversuche hinter sich.

Grundlos wird der Jungvogel nicht von seinen Eltern zurückgelassen. Jordan rät: 

„Wenn man ein Fundtier gefunden hat, sollte man es fotografieren. Bei Facebook gibt es zwei Gruppen: Wildvogelhilfe-Notfälle und Wildtier-Notfälle. Dort werden Anweisungen zur Erstversorgung anhand des Fotos und der Fundstelle angeboten.

Hintergrund: Die Bachstelze

Bachstelze

Die Bachstelze gehört zur Familie der Stelzen und Pieper. Der Vogel ist in ganz Europa verbreitet. Markant ist sein schwarzer Kopf sowie sein schwarzer Kehlfleck, ein grauer Rücken, ein weißen Gesicht sowie sein langer schwarzer Schwanz. In unserer Region sind die Bachstelzen von März bis Oktober meist an Gräben, Bächen, Wiesen oder Parks zu finden. Als Insektenfresser ernährt sich der Vogel von Spinnen, Insekten, Larven wie Ameisen. Weibliche und männliche Bachstelzen sehen gleich aus. Der Zugvogel paart sich in der Zeit von April bis Juli und kann zwischen fünf und sieben Eier legen (Brutdauer 14 Tage).  

Von Christina Grenzebach  

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