Bewohner von Wagenfurth und Lobenhausen  verärgert über langsames Internet

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Warten aufs schnelle Internet für Lobenhausen: Anwohnerin Christiane Schuth.

Wagenfurth/Lobenhausen. Eigentlich sollten die Bewohner von Wagenfurth und Lobenhausen schon seit Mai schneller im Internet surfen können. Doch der versprochene DSL-Ausbau für die beiden Körler Ortsteile verzögert sich.

Grund dafür ist die Bahntrasse, die die Firma Netcom unterqueren muss, um das Glasfaserkabel nach Wagenfurth und Lobenhausen zu verlegen (siehe Hintergrund).

Noch im März hatte die Firma Netcom angekündigt: „In acht Wochen können wir die ersten Kunden anschließen.“ Anfang Mai stellte sich dann jedoch heraus: Es dauert doch noch länger.

Seitdem ist es still geworden um den DSL-Ausbau in Wagenfurth und Lobenhausen, auf den die Bewohner mittlerweile seit zwei Jahren warten. Sie surfen derzeit mit Geschwindigkeiten zwischen 1 und 2 Mbit pro Sekunde. Zusammen haben die beiden Ortsteile etwa 220 Einwohner - es geht also um eine eher kleine Gruppe potenzieller Kunden. Die Betroffenen sind dennoch verärgert.

DIE UNTERNEHMER 

Bettina Schmoll-Reinbold, Geschäftsführerin der Firma Fliesen-Schmoll.

Gerade für ortsansässige Unternehmen ist die schlechte Internetverbindung ein Hindernis. „Die Probleme werden zunehmen, weil die Leute immer mehr große Dateien übers Internet verschicken“, sagt Gerhard Dieling vom Sägewerk Dieling in Wagenfurth. „Das schnelle Internet war uns ja schon viel früher versprochen worden - aber das Ganze zieht sich hin wie Kaugummi“, stellt er fest. „Es ist ein Unding, dass man gestraft ist, weil man in einem kleinen Ort wohnt“, sagt auch Bettina Schmoll-Reinbold, die in Lobenhausen wohnt und ihre Firma Fliesen Schmoll betreibt. „Der Bedarf für schnelles Internet in Lobenhausen ist auf jeden Fall da“, sagt sie. Wenn sich im kommenden Jahr immer noch nichts tue, müsse man sich für Lobenhausen und Wagenfurth etwas anderes überlegen - Internet über LTE zum Beispiel.

„Normale E-Mails schreiben und etwas im Internet nachschauen, das geht noch“, schildert sie. „Aber bis man zum Beispiel ein Foto heruntergeladen hat, dauert es zehn, fünfzehn Minuten.“ Einen Film zu schauen, sei bei dieser Internetverbindung schlicht unmöglich. Das sei nicht nur für Gewerbetreibende schlecht, ist sie überzeugt, sondern für die Ortsentwicklung insgesamt: „Junge Leute sagen doch, ohne schnelles Internet ziehe ich da nicht hin.“

DIE BEWOHNER 

Das befürchtet auch Christiane Schuth, die in Lobenhausen wohnt. „Wenn man vermieten oder verkaufen will, fragen die Leute als erstes nach schnellem Internet“, sagt sie. Die Situation für die Menschen in Lobenhausen und Wagenfurth sei unbefriedigend: „Wir hatten uns so auf den DSL-Ausbau gefreut.“ Sie hat in manchen Zimmern ihres Hauses überhaupt keine Internetverbindung.

„Das Ganze ist ärgerlich“, sagt auch Dirk Freudenstein, stellvertretender Ortsvorsteher von Wagenfurth. „Erst gab es große Reklame für den DSL-Ausbau, und jetzt ist die Luft raus.“

Hintergrund

Eine Bahntrasse und die Fulda trennen Wagenfurth und Lobenhausen von der Körler Kernstadt und dem Ortsteil Empfershausen, die schon seit Jahren über schnelles Internet verfügen. Um die Bahnstrecke zu unterqueren, braucht Netcom die Genehmigung der Deutschen Bahn – und das erweist sich als langwierige Angelegenheit. Den Antrag hatte ein Planungsbüro im Auftrag der Netcom zwar bereits im März bei der Bahn eingereicht – allerdings war dieser unvollständig, sagte eine Bahn-Sprecherin auf HNA-Anfrage. Erst Ende Juli habe dann der vollständige Antrag mit allen notwendigen Unterlagen vorgelegen. „Das Prozedere bis zur Genehmigung dauert üblicherweise etwa 16 Wochen“, sagte die Bahn-Sprecherin. Die Prüfung des Antrags sei inzwischen abgeschlossen. Der Vertrag für die Unterquerung werde noch vor Jahresende erstellt, schätzte die Sprecherin. „Sobald wir die Genehmigung haben, kann es zügig weitergehen. Und daran ist uns auch sehr gelegen“, sagte Netcom-Sprecherin Jutta Schill im Gespräch mit der HNA. „Wir sitzen in den Startlöchern – aber im Moment sind uns wirklich die Hände gebunden.“ Gestern Nachmittag sollte bei der Netcom erneut ein Gespräch zum Thema stattfinden – über die Ergebnisse werden wir zeitnah berichten.

Von Judith Féaux de Lacroix

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