Amtsgericht Fritzlar

Bezahlte Ware nie versendet: 26-Jähriger erbeutet 6500 Euro durch Online-Betrug

Betrug beim Online-Shopping: Der Angeklagte soll im Internet Waren zum Verkauf angeboten haben, ohne diese dann nach erfolgter Bezahlung tatsächlich an den Käufer zu versenden. Symbolbild: imago/photothek
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Betrug beim Online-Shopping: Der Angeklagte soll im Internet Waren zum Verkauf angeboten haben, ohne diese dann nach erfolgter Bezahlung tatsächlich an den Käufer zu versenden.

Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 24 Fällen wurde ein 26-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Die Strafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Schwalm-Eder – Der Angeklagte aus dem Schwalm-Eder-Kreis hat in der Zeit von Juni 2019 bis Februar 2020 über verschiedene Handelsplattformen im Internet Waren zum Verkauf angeboten.

Es kam jeweils zur Überweisung des Kaufpreises, ohne dass der Angeklagte die Ware, insbesondere Smartphones, Elektroroller und andere elektronische Geräte, versendet hat.

Insgesamt soll er auf diese Weise nahezu 6500 Euro erlangt haben. Der 26-Jährige gab seine Taten vor Gericht zu.

Er zeigte sich reumütig und sagte über seine damalige Situation: „Ich war überfordert, hatte keine Wohnung und keinen Job. Ich versuchte, so meine Schulden zu bezahlen.“

Ihm sei damals nicht klar gewesen, dass er damit seine Situation nur verschlimmerte. Heute habe er sein Leben wieder besser im Griff, sagte der Mann, der schon mehrfach vorbestraft ist.

Er habe einen festen Job, habe wieder Kontakt zu seiner Familie und seinem Sohn aufgebaut und arbeite daran, seine Schulden abzubezahlen. Unterstützt wird er dabei durch einen gerichtlich angeordneten Betreuer.

„Ich möchte das jetzt wirklich durchziehen. Der Job macht mir Spaß und auch familiär läuft es gut bei uns“, sagte der 26-Jährige.

Der Angeklagte überzeugte damit vor dem Amtsgericht in Fritzlar Richterin Corinna Eichler und die beiden Schöffen. Eichler sagte abschließend: „Im Gefängnis wären Sie falsch aufgehoben. Sie haben es verdient, Ihren Weg fortsetzen zu können.“

Neben der Bewährungsstrafe muss er die Summe von 6500 Euro zurückzahlen. Der Mann bleibt außerdem weiter seinem bisherigen Betreuer unterstellt.

Staatsanwaltschaft sowie Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel. Damit ist das Urteil bereits rechtskräftig.

So kauft man sicher im Internet ein: Polizei gibt Tipps

Im Schwalm-Eder-Kreis gab es laut Polizeisprecher Jens Breitenbach im Jahr 2020 insgesamt 360 Strafanzeigen wegen Online-Betrugs.

In allen Fällen haben die Käufer die Ware, die auf einer Handelsplattform im Internet angeboten wurde, bezahlt, aber anschließend nicht erhalten. In diesem Jahr gab es dazu bis Ende Juli bereits 251 Strafanzeigen.

„Online-Betrüger gibt es nahezu auf allen gängigen Online-Handelsplattformen“, sagt Polizeisprecher Jens Breitenbach. Zumeist würden professionelle Strukturen dahinterstecken und es würden systematisch Verkaufsangebote eingestellt.

„Oft werden dazu auch bereits vorhandene Echt-Anzeigen kopiert und für den eigenen Zweck leicht abgeändert“, sagt Breitenbach. Dennoch gebe es unter den Betrügern aber auch Einzeltäter.

Achten sollten Käufer im Internet besonders auf:

Günstige Preise

Wichtig beim Kauf auf Internet-Handelsplattformen sei es, nicht nur nach dem günstigsten Preis zu suchen. „Der Käufer sollte sich fragen, ob diese Preishöhe realistisch ist“, so der Polizeisprecher.

Werde die Ware besonders billig angeboten, sei das ein Indiz für einen möglichen Betrug.

Ausweispapiere

Auch das Übersenden der Ausweispapiere vom Verkäufer sei keine Garantie für einen seriösen Verkäufer.

Zahlung per Vorkasse

Um nicht Opfer von betrügerischen Online-Händlern zu werden, sollte der Kaufpreis nicht einfach per Vorkasse gezahlt werden.

Eine Alternative zur Vorkasse könnten laut Jens Breitenbach Zahlungen über sogenannte Finanzdienstleister sein, die eine abgesicherte Transaktionen durchführen, wie etwa Paypal.

„In der Regel ist das mit einer geringen Gebühr für den Verkäufer verbunden“, so der Polizeisprecher. Der Käufer könne dem Verkäufer jedoch anbieten, diese Gebühr zu übernehmen.

In diesem Fall dürfte auch aus Sicht des Verkäufers nichts gegen diese Zahlmethode sprechen. (Anna Weyh)

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