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Betrug per Telefon – Die neuen Maschen der Täter im Schwalm-Eder-Kreis

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Von: Damai Dewert

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Vorsicht bei unbekannten Nummern: Wer vermeintlich von einem Angehörigen kontaktiert wird, sollte immer erst versuchen, diesen direkt zu erreichen.
Vorsicht bei unbekannten Nummern: Wer vermeintlich von einem Angehörigen kontaktiert wird, sollte immer erst versuchen, diesen direkt zu erreichen. © Damai Dewert

Täter im Schwalm-Eder-Kreis legen sich neue Masche zu: Am Telefon geben sie sich als vermeintliche Angehörige aus und wollen Opfer so um ihr Geld bringen.

Schwalm-Eder – „Hallo Mama, mein Handy ist kaputt. Das ist meine neue Nummer.“ So oder so ähnlich beginnen häufig Whatsapp-Nachrichten, um Opfer um Geld zu betrügen. Erst in der vergangenen Woche überwies laut Polizeisprecher Markus Brettschneider eine Schwalmstädterin Geld an ein unbekanntes Konto. Zuvor hatte sie eine Nachricht auf ihr Handy bekommen, worin ihr die neue Telefonnummer ihrer vermeintlichen Tochter mitgeteilt wurde und diese um die Bezahlung von Rechnungen bat.

Die Fälle

Immer wieder kommt es im Schwalm-Eder-Kreis zu Telefonbetrügereien – aktuell eigentlich fast täglich. Bekannt sind unter anderem der Enkeltrick, der falsche Polizist, das Gewinnversprechen, der falsche Microsoft-Mitarbeiter und eben aktuell der Whatsapp-Trick.

In diesem Jahr wurden im Schwalm-Eder-Kreis bereits etwa 350 Fälle von Trickbetrug angezeigt, berichtet Brettschneider. 241 mal blieb es beim Versuch. Beim falschen Polizeibeamten hatten die Täter bei zwei von 70 Fällen Erfolg und erbeuteten größere Bargeldbeträge.

Beim Enkeltrick, der aktuell häufig via Whatsapp erfolgt, hatten die Täter in 48 von 78 Fällen Erfolg und gelangten jeweils an Beträge in Höhe von mehreren tausend Euro.

Der Enkeltrick ist eine bekannte Betrugsform, die vor allem ältere Menschen betrifft

Der Enkeltrick ist eine bekannte Betrugsform, die vor allem ältere Menschen trifft. Der Enkeltrick wird von den Tätern immer wieder verändert. Seit einiger Zeit nutzen die Täter auch den Nachrichtendienst Whatsapp, um ihre Opfer im Namen von Töchtern, Söhnen und Enkeln zu Geldüberweisungen zu bewegen.

Beim Trickbetrug, zu dem auch der Enkeltrick und der falsche Polizeibeamte gehören, hätten die Täter leider immer wieder Erfolg und erbeuten dabei nicht selten mehrere zehntausend Euro von den Geschädigten, sagt Brettschneider.

„Erst vergangene Woche übergab eine 85-Jährige aus dem Schwalm-Eder-Kreis mehrere tausend Euro an einen angeblichen Polizisten.“ Der 85-Jährigen sei in einem langen Telefongespräch von einem angeblichen Polizisten mitgeteilt worden, dass eine Bande Einbrüche in ihrer Gegend begehen wolle und ein Bankmitarbeiter darin involviert sei. „Der Seniorin wurde geraten, Bargeld von der Bank abzuholen und dies sicherheitshalber an einen Polizisten zu übergeben – leider tat sie das auch.“

Die Täter

Die Anrufe würden aus professionellen Callcentern im Ausland, zum Beispiel der Türkei, getätigt. Dann werden laut Brettschneider Kuriere aus der jeweiligen Region beauftragt. Es gab aber auch schon Fälle, bei denen der Geldabholer extra aus dem benachbarten Ausland anreiste.

Zu den Hintermännern könnten nur wenige Angaben gemacht werden. Es handelt sich laut Brettschneider um Organisierte Kriminalität mit mehreren Akteuren. Beim falschen Polizisten gibt es meist zwei Anrufer – den Polizisten und den Vorgesetzten oder einen Staatsanwalt. Hinzu komme der Abholer und die Hintermänner. Diese erhielten den größten Teil der Beute.

Die Täter seien vorsichtig und beobachteten teilweise auch die Wohnung und das Umfeld des späteren Opfers, um einer Festnahme zu entgehen und Risiken zu minimieren, sagt Brettschneider.

In den Telefongesprächen, die oft über Stunden geführt würden, seien die Täter sehr sensibel und achteten auf Stimmungsänderungen, Nebengeräusche und Sprechpausen der Opfer. Die Täter versuchten herauszuhören, ob sich im Hintergrund Polizisten aufhalten. „Sehr oft werden Testfragen gestellt oder man lässt sich das Geld vorzählen. Bei den geringsten Auffälligkeiten brechen die Täter sofort ab“, sagt Brettschneider. Wenn Täter festgenommen würden, seien dies zumeist Kuriere. Dies sei auch schon im Kreis gelungen. Die Täter agierten sehr vorsichtig und schüchterten die Opfer ein, daher gelänge dies leider zu selten.

Von Damai D. Dewert

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