Schluss mit wackelnden Steinen: Die Gemäuer der Karmeliter werden jetzt saniert

Ran an bröckelnde Fugen

Baustelle mit Ausblick: Die mittlere Klosterwand ist eingerüstet und abgedeckt, doch an einer Stelle kann Handwerker Maik Hübenthal über Spangenberg blicken. Foto: Strecker

Spangenberg. Mitten in der Stadt und doch abgeschieden von allem Weltlichen: Alte Mauern zeugen hinter der Fachwerkfassade an der Spangenberger Klosterstraße in der zweiten Reihe vom einstigen Wirken der Karmelitermönche. Am 8. Oktober 1888 brannte das ab Mitte des 15. Jahrhunderts erbaute Kloster bis auf die Grundmauern nieder. Genau diese kulturhistorisch bedeutenden Mauern auf dem Grundstück von Else und Dieter Schaefer werden jetzt saniert.

Maik Hübenthal von der Firma Fesch-Bau aus Waldkappel streift deshalb eine rote Schutzweste über seine graue Arbeitskluft, stülpt einen runden Schutzhelm über seinen Kopf und zieht Handschuhe an. So ausgestattet greift er zu einem Sandstrahlgebläse, richtet die Spitze auf das Mauerwerk vor sich und drückt zu. Augenblicklich kreischt die Maschine los und entfernt mit Hochdruck die Mörtelreste zwischen den Sandsteinen. Feiner Staub zischt durch die Luft und segelt auf die dicke Staubschicht zu Füßen des Arbeiters.

Bevor er mit dem Abstrahlen beginnen konnte, hat Maik Hübenthal mit seinen Kollegen erst einmal Pflanzen entfernt, die sich in den Steinritzen breit gemacht hatten und die alte Mauer langsam auseinander sprengten. „Wir haben die Mauer an einigen Stellen schon ausgebessert, besonders im oberen Teil. Vier Fenster, die zugemauert waren, haben wir wieder freigelegt“, sagt Hübenthal. Sind alle Mörtelreste entfernt, soll das Ganze mit einer Spritztechnik wieder verfugt werden. „Die bildet dann eine Fläche mit den Steinen, so dass die Pflanzen keine Stellen zum Einnisten finden“, erklärt Hübenthal.

Arbeiten bis Oktober

Ende Oktober sollen die Arbeiten laut Dr. Peer Zietz vom Landesamt für Denkmalpflege abgeschlossen sein. „Das Land schultert den Großteil der Kosten für die Sanierung, weil es sich um eine historisch wichtige Ruine handelt, zu der auch die Öffentlichkeit Zutritt hat“, sagt Zietz.

Wieviel investiert werde, könne er noch nicht sagen. Dieter Schaefer hatte ehrenamtlich immer wieder Führungen bei der Klosterruine angeboten, doch zuletzt sei es wegen herunterfallender Steine zu gefährlich gewesen.

Schaefers Schwiegervater Eckhardt Weisel zu Cassel hatte das Anwesen am 21. März 1918 gekauft. Die Familie Weisel betrieb viele Jahre in dem stattlichen Fachwerkhaus das Hotel zur Stadt Frankfurt, das der Heimatdichter Adam Siebert dort 1898 errichtet hatte, später kaufte es sein Bruder Heinrich Siebert und stand hinter der Theke. 1920 übernahm dann Eckhardt Weisel Haus und Zapfhahn. Bis 1960 stand Else Schaefers Ehemann als Wirt hinter der Theke. Als Konditor verwöhnte er seine Gäste außerdem mit süßen Köstlichkeiten.

Der Ostflügel, eines von zwei noch erhaltenen Gebäudeteilen des Klosters, befindet sich heute im Besitz der Familie Herbold. Einst war dieser Teil Maschinenhalle und Werkstatt. Vermutlich waren hier früher die Zellen der Mönche untergebracht. Die übrigen Reste des Klosters stehen auf dem Grundstück der Familie Schaefer. Nach Westen begrenzen dicke Mauerreste der ehemaligen Klosterkirche den Garten zum Grundstück Frerking hin. Die Klosterscheune ist der zweite Teil, der noch als Gebäude erhalten ist. Er grenzt unmittelbar an ihr Fachwerkwohnhaus. Der mit Rosen üppig bewachsene Garten wird bestimmt durch Mauerreste des ehemaligen Kreuzganges. Imposante Maßwerke zeugen davon, wie schön das Kloster einst gewesen sein muss.

Von Andrea Brückmann und Judith Strecker

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