Kinder für Nordhessen unterstützt Sprachförderprojekt an der Heiligenbergschule

Bunt lernt sich’s besser

Bilder statt Buchstaben: Lerntherapeutin Martina Walter und Cornelius Meyer, der derzeit an der Heiligenbergschule Schulleiterin Karin Brandau vertritt, zeigen Arbeitsmaterialien für die Sprachförderung. Foto: Féaux de Lacroix

Gensungen. Buchstaben können Kindern manchmal richtig Angst machen. Deshalb arbeitet Lerntherapeutin Martina Walter anfangs lieber mit bunten Bildern, wenn sie sich an der Heiligenbergschule Gensungen um Schüler mit Lese- und Schreibschwierigkeiten kümmert.

Mehr als 20 Dritt- und Viertklässler nehmen derzeit an dem Projekt teil, das seit kurzem von der HNA-Aktion Kinder für Nordhessen gefördert wird. Aufgeteilt in vier Gruppen arbeitet Martina Walter vom Felsberger Memory-Lernteam jeweils eine Schulstunde pro Woche mit den Kindern. „Dabei versuche ich, weg von den herkömmlichen Schulmaterialien zu gehen“, erklärt die Pädagogin. Es bringe nichts, diesen Kindern das x-te Arbeitsblatt zu einem Thema vorzulegen.

Selbst Lösungen suchen

Stattdessen trainieren die Kinder von Grund auf, Probleme zu lösen. Etwa, indem sie Kärtchen mit bunten Abbildungen den passenden Feldern auf einem Spielfeld zuordnen. Walter legt den Kindern die Materialien zunächst kommentarlos vor. „Da fragen dann einige direkt, was sie damit machen sollen, anstatt erstmal selbst zu überlegen“, erzählt Walter. Ziel sei, dass die Kinder mit der Zeit lernten, selbst Lösungsansätze zu entwickeln – und dies dann auch auf schulische Aufgaben übertragen können.

„Immer mehr Kinder haben heute Sprachprobleme“, sagt Cornelius Meyer, der derzeit die erkrankte Gensunger Schulleiterin Karin Brandau vertritt. Betroffen seien aber nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund, sondern auch deutsche Schüler. „Diese Kinder sind Opfer ihrer Sozialisation“, sagt er. Die Kommunikation innerhalb der Familien habe sich verändert. Es werde zum Beispiel viel über Technik – etwa What’s app – kommuniziert. „Da wird alles abgekürzt, auf Grammatik oder Rechtschreibung kommt es da nicht an“, erklärt Meyer. Deshalb wachse der Bedarf an Sprachförderung – und die Schulen könnten dies allein gar nicht leisten. Er sei daher froh über professionelle Unterstützung wie die von Martina Walter. Allerdings muss man diese Unterstützung eben auch bezahlen. Kinder für Nordhessen fördert das Projekt mit 2720 Euro – „aber das reicht nicht, wir sind auf weitere Spenden angewiesen“, sagt Meyer. Er ruft gerade auch Firmen aus der Region dazu auf, die Sprachförderung zu unterstützen. Schließlich werde damit die Basis für die Ausbildung der Fachkräfte von morgen gelegt. • Die Aktion „Kinder für Nordhessen“ hilft seit 2007, die Chancen benachteiligter Kinder in Grundschulen zu erhöhen und damit den Lernerfolg für alle Grundschüler zu verbessern. www.hna.de/kinder

Von Judith Féaux de Lacroix

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