Keine Unterstützung für Regierung

Coronavirus  und die Folgen für heimische Friseur-Salons: „Die Situation ist unhaltbar“

Findet es unverständlich, warum Friseure noch geöffnet haben dürfen: Christina Bartholmai betreibt einen Salon in Guxhagen. Foto: Carolin Hartung

Viele Kleinbetriebe befinden sich wegen des Coronavirus in einer Zwangslage. Lebensnotwendige Dienstleistungen bleiben vorerst weiter geöffnet. Darunter fallen laut Regierungsbeschluss auch Friseure.

Die Felsberger Saloninhaberin Sandra Schlitzberger steht deshalb vor einer großen Herausforderung. Sie hat schweren Herzens beschlossen, ihren Laden „Reine Kopfsache“ in Neuenbrunslar ab heute erst einmal zu schließen. „Diese Entscheidung fiel mir absolut nicht leicht, aber für den Schutz meiner Kunden und Angestellten muss das sein“, sagt die 48-Jährige.

Zuerst habe sie sich überlegt, die Öffnungszeiten zu beschränken – „aber als Friseur kann man diese Sicherheitsvorkehrungen gerade einfach nicht einhalten“, sagt sie. Für die Selbstständige bedeutet die Schließung auch eine finanzielle Herausforderung. „Von der Regierung fühlt man sich gerade etwas allein gelassen“, sagt sie. Günstige Kredite seien nicht die Lösung für alles. „Als Selbstständiger muss man sich jetzt auf seine Rücklagen verlassen“, sagt sie.

In dieser Woche habe sie bereits alleine im Salon gearbeitet. „Da konnte ich steuern, dass höchstens zwei Kunden im Salon zur selben Zeit da sind und zwei Meter Abstand halten“, sagt sie. Schlitzberger hofft, dass ihre Kunden die Entscheidung nachvollziehen können. „Ich hoffe, dass niemand glaubt, dass das jetzt übertrieben ist“, sagt sie.

Schließt ab heute: Der Friseursalon „Reine Kopfsache“ von Sandra Schlitzenberger in Neuenbrunslar. Foto: Sandra Schlitzberger/nh

Ihre beiden Mitarbeiterinnen habe sie bereits am Mittwoch über ihren Entschluss informiert. „Die haben sehr verständnisvoll reagiert“, sagt die 48-Jährige. Wann sie ihren Salon wieder eröffnet, ist noch offen. „Bis Ostern wird das aber – so glaube ich – nichts“, sagt sie. Dass Friseure unter die „lebensnotwenigen Dienstleistungen“ fallen, kann Schlitzberger selbst nicht verstehen. „Da gibt es wichtigere Dienstleistungen“, sagt sie. Da sie den Laden selbst schließt, wird sie keine finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen. „Aber das Risiko ist mir einfach zu groß“, sagt sie.

Auch Christina Bartholmai, die in Guxhagen den Friseursalon Hair Exact betreibt, fühlt sich von der Politik allein gelassen. „Es kann doch nicht sein, dass Friseure geöffnet haben dürfen. Wir arbeiten so nah am Kunden“, sagt sie. „Am liebsten würde ich den Laden schließen.“ Das Problem: Solange es von offizieller Seite nicht verboten wird, die Friseurläden weiterhin zu öffnen, gibt es auch keine staatliche Unterstützung für die Betriebe.

Jeden Tag kämen durchschnittlich zwei Kunden in den Salon, die eine Erkältung haben. „Und ich habe nicht die Möglichkeit, ihnen aus dem Weg zu gehen.“

Derzeit habe sie noch täglich Kunden, erzählt Bartholmai. Zwar weniger, aber immer noch erstaunlich viele für die derzeitige Situation, meint die Friseurin. „Aber einige sind auch ängstlich. Fragen, ob denn auch alles gut desinfiziert sei.“ Natürlich desinfiziere sie so viel es nur ginge, aber „irgendwann wird mir das Desinfektionsmittel ausgehen“.

„Wenn mich hier jemand ansteckt, dann gebe ich es doch auch wieder an andere Kunden weiter. Die Situation ist unhaltbar.“ Bartholmai beschäftigt keine Angestellten, „ein großes Glück“, wie sie sagt. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich jetzt noch Angestellte hätte, die ich womöglich entlassen müsste, furchtbar.“

Sie hofft, dass in den kommenden Tagen endlich ein Verbot für den Betrieb von Friseurläden ausgesprochen wird. „Wir gehören nicht zu den lebensnotwendigen Branchen. Ärzte, Apotheken, Supermärkte, die brauchen wir, und die müssen auch geöffnet bleiben.“

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