Dem Eisvogel auf der Spur

Mit Guxhagener Hobbyfotograf auf Fotosafari

Volontär William Abu El-Qumssan im Tarnzelt an der Fulda
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HNA-Volontär William Abu El-Qumssan im Tarnzelt an der Fulda.

Hinter tollen Tierfotos steckt meist eine Menge Arbeit und vor allem Geduld. Wir haben für Sie, liebe Leserinnen und Leser, mal hinter die Kulissen geschaut und sind mit Hobbyfotograf Thilo Reuße auf Fotosafari gegangen.

Guxhagen – Die letzten Vorkehrungen am Tarnzelt sind noch nicht abgeschlossen, da legt Thilo Reuße den Zeigefinger auf den Mund. Der Guxhagener Hobbyfotograf hat den Eisvogel bereits am Gesang erkannt. An diesem heißen Sommertag zwitschert es aus jeder Ecke. Doch Thilo Reuße würde den Gesang der Eisvögel unter tausenden von Geräuschen wiedererkennen. „Nach fünf Jahren auf der Pirsch habe ich wirklich sehr viel über die Eisvögel gelernt“, sagt er.

Vor unserem Treffen an der Fulda gab Reuße bereits Tipps zur Vorbereitung: Unauffällige Kleidung, eine lange Hose und festes Schuhwerk seien wichtig. Und so geht es durch Brennnesseln und hohe Gräser zu Reußes Aussichtspunkt gegenüber eines Steilufers an der Fulda nahe Guxhagen. Von dort haben wir den Brutplatz des Eisvogelpärchens genau im Blick. Den genauen Standort möchte der Hobbyfotograf gerne geheim halten. Der 41-Jährige bringt die gesamte Tarnausrüstung mit, ebenso wie Kamera und Stativ. Seit vielen Jahren geht Reuße der Tierfotografie nach. „Die Ausrüstung hat sich über die Jahre dann so nach und nach angesammelt“, erzählt er.

An dem Aussichtspunkt angekommen, baut Thilo Reuße das Zelt auf. Die Kamera wird auf einem Stativ montiert, der Campingstuhl im Zelt in Position gerückt, dann kann es losgehen. Nach nur 15 Minuten stillen Wartens zeigt sich uns dann zum ersten Mal das Eisvogelweibchen. Im Tarnzelt ist es sehr warm, aber vor lauter Anspannung vergisst man die Wärme schnell. Die nötigen Einstellungen an der Kamera hatte der Guxhagener bereits für mich vorgenommen. Kleiner Blendenwert, maximaler Zoom und das Motiv im Fokus. In diesem Fall hat er auf einen der Lieblingszweige der Eisvögel fokussiert. Reuße kennt mittlerweile alle möglichen Landeplätze der Vögel.

Das Weibchen landet, hat sogar einen Fisch im Schnabel, ein spannender Moment. Ich halte die Luft an, aus Angst, dass eine Bewegung den Vogel verscheuchen könnte. Doch meine ersten Bildversuche misslingen. Warum? Der Fokus der Kamera lag nicht genau auf dem Eisvogel, so wurden die Aufnahmen unscharf.

Nach einigen misslungenen Fotos ist HNA-Volontär William Abu El-Qumssan mithilfe von Thilo Reuße diese Aufnahme des Eisvogelweibchens gelungen.

Doch dank der Hilfe von Thilo Reuße gelingen die nächsten Aufnahmen. Schnell möchte ich mich steigern und spektakulärere Bilder knipsen. Doch um die flinken Vögel beim Eintauchen ins Wasser oder im Flug mit der Kamera zu erwischen, braucht man entweder Glück oder jahrelange Übung. „Man hat das perfekte Bild natürlich immer vor Augen“, sagt Reuße. Er habe zwar die bevorzugten Äste der Eisvögel ausgemacht, von denen sie ihre Nisthöhle anfliegen. Trotzdem müsse man immer etwas nachjustieren. „Wenn man mit der Kamera zu hektisch ruckelt, verscheucht man die Eisvögel.“

Das Männchen hören wir zwar aus der Entfernung zwitschern, vor die Kamera bekommen wir es an diesem Tag allerdings nicht. „Das Männchen ist wesentlich scheuer. Es lässt sich auch selten blicken, wenn ich alleine da bin“, sagt Reuße.

Nach rund 90 Minuten des stillen Verweilens am Fuldaufer und vielen tollen Aufnahmen des Eisvogelweibchens ist eins sicher: Ich verstehe Thilo Reußes Begeisterung. Es hat etwas Spirituelles, das gespannte Warten auf die Vögel und die Geräusche der Natur. Man vergisst die Zeit um sich herum und wird eins mit der Natur. An die Aufnahmen von Thilo Reuße reichen meine geschossenen Bilder nicht heran. Seine jahrelange Erfahrung und sein Gefühl für die Tiere kann man an einem Tag unmöglich aneignen. Doch wie fängt man am besten mit der Tierfotografie an? „Fotografieren üben kann man sehr gut mit den Vögeln im Garten“, sagt Reuße. „Dann sollte man sich mit dem Gebiet vertraut machen, in dem man Tiere vermutet – zu Fuß erkunden und immer mal verweilen und beobachten“, sagt Reuße. Irgendwann werde es dann den Moment geben, bei dem ein Tier auftaucht und man aber kein gutes Bild machen konnte. „Wenn einen dann der Ehrgeiz packt, kann es losgehen!“ So war es bei Thilo Reuße und seiner Begeisterung für die Eisvögel. Und diese Begeisterung ist ansteckend. (Von William Abu El-Qumssan)

Die Eisvogelaufnahmen von Thilo Reuße findet man auf seinem Instagram-Profil: thilo.wildlife.photography

Lecker Fisch: Diesen Haubentaucher hat Thilo Reuße bei der erfolgreichen Jagd fotografiert.

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