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Der Weltenbummler: Riccardo Arico leitet den B. Braun-Standort Saint-Jean-de-Luz

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Von: Fabian Becker

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Leitet den B.-Braun-Standort: Riccardo Arico in der Stadt Saint-Jean-de-Luz.
Leitet den B.-Braun-Standort: Riccardo Arico in der Stadt Saint-Jean-de-Luz. © B. Braun

Riccardo Arico ist seit Anfang Juni Leiter des B.-Braun-Standorts Saint-Jean-de-Luz in Südfrankreich am Atlantik nahe der Grenze zu Spanien.

Melsungen – Der 39-Jährige hat vorher für den Medizintechnikhersteller in Melsungen verschiedene Projekte organisiert, darunter die Erweiterung und Entwicklung der Produktion. „Unser Ziel war es, den Profit zu erhöhen, Kosten zu reduzieren und in neue Märkte zu gehen.“

Dass Arico einmal organisieren und leiten würde, war zu Beginn seiner Karriere noch nicht absehbar. Er ist Maschinenbauingenieur, hat dafür in Turin, der Stadt, in der er aufgewachsen ist, und Paris studiert. Er ist seit 2014 für B. Braun tätig. Vorher hat er unter anderem bei Unternehmen in der Automobil- und der Lebensmittelbranche gearbeitet. „Mein Interesse daran, Menschen zu helfen, hat mich schließlich zu B. Braun gebracht“, sagt er. Zu seinen technischen Aufgaben als Maschinenbauingenieur sei im Laufe der Zeit zunehmend Organisation hinzugekommen. „Geholfen haben mir meine sozialen Kompetenzen, zum Beispiel Empathie.“

Interesse an Kulturen

Arico hat bereits in vielen Ländern gearbeitet, darunter Australien, Schweiz, Frankreich und Deutschland. Seine Frau ist eine Deutsche. Seit August lebt sie mit den drei Kindern – ein, vier und sechs Jahre alt – bei ihm in Saint-Jean-de-Luz. „Es ist eine Leidenschaft von mir, andere Länder und Kulturen kennenzulernen“, sagt er. Arico spricht vier Sprachen: Italienisch, Französisch, Englisch und Deutsch. „Meine Kinder wachsen mit Italienisch und Deutsch zweisprachig auf und lernen hier Französisch und Englisch.“ Als Projektmanager von B. Braun habe er auch schon Projekte in Asien und Südamerika betreut. „Wichtig ist es, offen gegenüber anderen Menschen zu sein“, erklärt er.

Die Menschen

Das Leben in Deutschland sei strukturierter. „In Frankreich sind die Menschen flexibler“, sagt Arico. Ein Beispiel: „In Deutschland begann mein Arbeitstag zwischen 7.30 und 8 Uhr; auf dem Weg dorthin konnte ich meine Kinder schon in den Kindergarten bringen.“ Das müsse nun seine Frau später erledigen. „Hier ist das völlig normal, denn es herrscht ein anderer Rhythmus“, erklärt er. „Viele fangen bis zu einer Stunde später an.“ Das sei aber kein Problem in der Zusammenarbeit mit anderen B.-Braun-Standorten. „Wir sind es gewohnt, mit Menschen aus der ganzen Welt zu kommunizieren, daher ist es für uns normal, auch über Zeitzonen hinweg zusammen zu arbeiten.“ Es sei zudem viel traditioneller. „Die Familie spielt eine viel größere Rolle.“

Das Essen

Dem 39-Jährigen sind auch Unterschiede beim Essen aufgefallen: Es gebe viel mehr süße Spezialitäten als in Deutschland, zum Beispiel Gâteau Basque, ein Kuchen aus dem Baskenland. „Hier wird auch viel Fisch gegessen, weil wir am Atlantik sind und ein für Deutsche umstrittenes Lebensmittel: Foie gras, Gänsestopfleber“, sagt er.

Das Wetter

Im Sommer herrsche meist schönes Wetter, weshalb Saint-Jean-de-Luz auch ein beliebter Urlaubsort sei. „Hier lässt sich gut Sport treiben“, sagt Arico. Den mache er viel. „Besonders am Wochenende laufe ich gern.“ Auch Windsurfen – Surfen mit einem Segel am Surfbrett – sei eine seiner Lieblingssportarten.

Im Winter sei das Wetter oft wechselhaft. „Wegen der Pyrenäen, dem Atlantik und dadurch herrschenden Winden schlägt das Wetter oft plötzlich um, zum Beispiel von Regen zu Sonnenschein“, erklärt der 39-Jährige.

Dort produziert B. Braun: Riccardo Arico leitet den Standort des Melsunger Medizintechnikherstellers in Saint-Jean-de-Luz, einer Stadt an der Küste Südfrankreichs.
Dort produziert B. Braun: Riccardo Arico leitet den Standort des Melsunger Medizintechnikherstellers in Saint-Jean-de-Luz, einer Stadt an der Küste Südfrankreichs. © B. Braun

Der Standort

Arico ist im Sommer Leiter des B.-Braun-Standorts in Saint-Jean-de-Luz mit 240 Mitarbeitern geworden. Dort werden seit 1993 Stoma-Produkte entwickelt, hergestellt und in 70 Länder auf der ganzen Welt verkauft. Stoma bezeichnet künstlich hergestellte Körperöffnungen, zum Beispiel Darmausgänge. „Besonders schwierig dabei ist die Stelle, an der die Öffnungen auf den Körper geklebt werden“, sagt Arico. Denn dort müsse das Produkt sehr hautverträglich sein, damit es keine Probleme verursache. „Das ist der Kern des Produkts.“

Stomabeutel aus Saint-Jean-de-Luz.
Stomabeutel aus Saint-Jean-de-Luz. © Privat

Die politische Sicht

„Die politischen Entwicklungen durch den Krieg in der Ukraine haben zur Folge, dass viele Franzosen möglichst selbstständig sein wollen“, sagt der 39-Jährige. „Viele haben besonders in der Winterzeit Sorgen wegen der Energieknappheit.“

Das Energiesparen

Deswegen sei auch in Frankreich Energiesparen derzeit ein großes Thema, an dem B.-Braun-Standort gehe es zudem um die Reduzierung des CO2-Ausstoßes. „Wir begrenzen zum Beispiel die Temperatur in den Räumen auf 20 Grad und bevorzugen Homeoffice für Mitarbeiter, bei denen das möglich ist“, sagt Arico. Das seien etwa ein Drittel, die im Büro arbeiteten; rund zwei Drittel seien in der Produktion beschäftigt.

Die Lieferketten

Die derzeitige politische Lage mache den Transport der Stoma-Produkte in die ganze Welt schwieriger. „Dadurch haben wir es derzeit auch mit höheren Kosten zu tun.“ Für die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten weltweit sei Saint-Jean-de-Luz wegen der Nähe zum Atlantik und damit zu Häfen aber sehr gut geeignet. „In Bilbao gibt es beispielsweise einen großen Hafen, über den wir Rohstoffe bekommen“, sagt er. „Das ist ein Standortvorteil, genauso, dass wir an der Grenze zu Spanien sind.“ Dadurch könne der Standort sowohl aus Frankreich, als auch aus Spanien sehr gut beliefert werden.

Aricos Ziele

Arico ist es wichtig, auch weiterhin Verantwortung für einen ganzen Bereich zu haben. „Es macht Spaß, weil sich Prozesse so besser optimieren und Entscheidungen schneller treffen lassen, insbesondere in solchen herausfordernden Zeiten wie jetzt.“

Was Länder angeht, ist Nordamerika noch ein Ziel von Arico. „Ich hatte schon einmal die Möglichkeit, in Kanada zu arbeiten, habe mich aber für Australien entschieden“, berichtet er. „Jetzt kann ich mir gut vorstellen, dass Nordamerika mein nächster beruflicher Schritt wird.“ Zwar sei er schon mehrfach in den USA gewesen, aber um andere Kulturen kennenzulernen, sei es wichtig, Länder nicht nur zu bereisen, sondern auch dort zu leben.
(Fabian Becker)

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