Edeka-Markt Wollrode schließt Silvester: Nachfolger gesucht

Gehört seit Jahrzehnten zum Ortsbild: der Edeka-Markt an der Kohlenstraße.

Wollrode. „Nach 35 Jahren, zwei Monaten und 20 Tagen ist nun leider Schluss", bedauerte der Wollröder Ortsvorsteher Gerhard Gibhardt am Samstag die Schließung des Edeka Marktes in Wollrode.

Seit 1979 hat Gerhard Wöske den kleinen Edeka-Laden gegenüber dem Pfarrhaus betrieben. Ursprünglich unter der Gastwirtschaft „Wollröder Krug“ am 14. Oktober 1971 von Karl Kördel erbaut und betrieben, wurde das Geschäft nach dessen Tod an Wolfgang Brunner aus Körle verpachtet, der im Oktober 1979 das Geschäft an Wöske weiter gab. Schon vor zwei Jahren hat Wöske verlauten lassen, dass „der Laden nicht mehr so läuft“. Zu Silvester will Wöske den Laden besenrein hinterlassen.

Initiiert von den im Laden angestellten Verkäuferinnen hat Ortsvorsteher Gibhardt zusammen mit Angehörigen der Feuerwehr eine Aktion zum Erhalt des Geschäftes gestartet; mittlerweile hat sich der Kirchenvorstand mit einem runden Tisch, an dem auch die Vereinsgemeinschaft Wollrode beteiligt ist, zusammen gefunden, um einen Betreiber über den 31. Dezember 2014 hinaus zu finden.

„Alle Wollröder werden Ihre hervorragende Bratwurst und das immer frische Gehackte vermissen“, sagte Gibhardt in seinem Dank an Wöske. „Sie waren nicht nur Lebensmittelhändler, sondern auch Arbeitgeber“, ergänzte Gibhardt. In 43 Jahren, die der Edeka-Markt Wollrode besteht, seien etwa 20 Angestellte, häufig in Teilzeit, im Landen beschäftigt gewesen.

Dank ans Team: Am Wochenende überraschten die Wollröder den Inhaber und die Beschäftigten ihres Edeka-Marktes mit Musik und Lob – Ende Dezember wird das Geschäft geschlossen. Fotos: Hirchenhain

Verkäuferin Marga Bock war zuletzt 29 Jahre lang bei Wöske beschäftigt, zur Stammbesetzung gehören auch Simone Huy und Tamara Hamberger, die beide zehn Jahre im Edeka Wollrode gearbeitet haben. „Ich gehe schon mit Wehmut“, sagte Gerhard Wöske und konnte die feuchten Augen nicht verbergen, als sich etwa 80 Stammkunden mit einem Gläschen zum Abschied in dem kleinen Laden zusammen gefunden hatten. „Ein neuer Job ist noch nicht in Sicht“, bedauerte Wöske, der erst einmal einen längeren Urlaub antreten will. In launigen Versen lobte die langjährige Verkäuferin Bock ihren Chef: „Vor der Frauenquote war ihm nicht bange, erfüllte er sie doch schon lange.“

Begleitet vom Wollröder Posaunenchor, der einige bekannte Weihnachtslieder spielte, und dem Kleinen Chor Wollrode, der ein eigens für diese Verabschiedung geschriebenes Lied zum Besten gab, erhielt dieser Abschied einen würdevollen Rahmen.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass der Laden und sein Kaufmann Wöske „spitzenmäßig“ waren, wie Simone Huy betonte. Wöske selbst („ich bin ein ruhiger Mensch“), der von einem solchen Trubel doch überrascht war, dankte für die jahrelange Treue und Anerkennung. „Es hat Spaß gemacht“, sagte er zum Abschied.

Von Gert Hirchenhain

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