Wechsel zum Regierungspräsidium

Ein Mann der klaren Worte: Gerd Kümmel war zehn Jahre lang Leiter der Polizeistation in Melsungen

Nur noch privat in Melsungen unterwegs: Gerd Kümmel war jahrelang Leiter der Polizeistation Melsungen.
+
Nur noch privat in Melsungen unterwegs: Gerd Kümmel war jahrelang Leiter der Polizeistation Melsungen.

„Der Spagat zwischen Mutter Theresa und Rambo ist sehr schwer.“ Das sagt einer, der es wissen muss: Gerd Kümmel war 42 Jahre lang Polizist und zehn Jahre Leiter der Melsunger Polizeistation.

Sobald die Rathäuser Feierabend hätten, sei die Polizei Ordnungsamt, Jugendamt und Ausländerbehörde in einem. „Ein Polizist muss heutzutage alles sein und alles wissen“, sagt Kümmel, „denn die 110 kennt jeder“. Mit Ruhestörung, häuslicher Gewalt, zu spätem Rasenmähen und Viehdiebstahl wollte Kümmel aus Bergheim eigentlich nichts zu tun haben. „Denn ich kam aus einer ganz anderen Welt.“ Er war jahrelang im Sondereinsatzkommando bundesweit im Einsatz, das bei Entführungen, Banküberfällen mit Geiselnahmen, Festnahmen und Erpressung gerufen wurde. Nach einem schweren Verkehrsunfall im Dienst wurde er Leiter einer Führungsgruppe im SEK in Kassel und koordinierte deren Einsätze.

Grundlagen

Seiner Grundüberzeugung ist er immer treu geblieben, die aus der Zeit stammt, als sich Gerd Kümmel als Geschwister-Scholl-Schüler mit der Weißen Rose beschäftigte. „Ich kann Ungerechtigkeit nicht leiden“, sagt Kümmel, „und ich bin für meine Ziele bereit, gegen den Strom zu schwimmen.“ Heutzutage seien viele junge Menschen zu sehr angepasst. Eigentlich wollte Gerd Kümmel nach dem Abitur studieren, aber weil sein Vater, ein Chemiearbeiter, in Bergheim noch einen Bauernhof mit Land hatte, bekam er damals kein BAföG.

Drei Jahre bei der Polizei ersparten ihm die Bundeswehr – „außerdem bekam ich über 900 Mark bar auf die Hand, und das war für einen Schüler extrem viel Geld.“ Aus den drei Jahren bei der Polizei wurden 42.

Ausbildung

In dieser Zeit habe er „ganz viele tolle Menschen“ kennengelernt. Seine allerersten Kollegen sind heute enge Freunde. Das lag wohl auch an den Bedingungen während der Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Kassel, die Kümmel heute als „knallhart“ bezeichnet.

Die 27 Polizeianwärter waren in Stuben kaserniert, und die Ausbildung hatte einen Drillcharakter. Wer sich nicht an die Regeln hielt, musste gehen. Da konnte schon zwei mal Schuhe-nicht-geputzt zum Rausschmiss führen. Kümmel fing vor 30 Jahren als Wachtmeister in der Einsatzbereitschaft in Hanau an.

Wer heute die Ausbildung im gehobenen Dienst beendet, fängt als Polizeikommissar an – „da hatte ich schon mehrere Beförderungen hinter mir“.

Werte

Er hat gelernt, dass die Waffe eines Polizeibeamten die Sprache ist: „Wenn ich rechtssicher und rhetorisch gut bin, dann brauche ich keine Waffe.“ Gerd Kümmel hat Rückgrat, und er ist ein Mann des klaren Wortes. Das jedoch geht bei vielen immer mehr verloren, hat er im Polizeialltag erlebt. „Sprecht doch einfach mal mehr mit dem anderen.“ Sofort werde die Polizei verständigt und damit vor den Karren gespannt, weil man selbst nicht in der Lage sei, ein Gespräch zu führen. „Es fehlt die gegenseitige Rücksichtnahme und das Helfen.“ Eine „Herzensangelegenheit“ war ihm der Neubau der Melsunger Polizeistation. Hunderte zusätzliche Stunden hat er in die Planung des Gebäudes gesteckt, das den Polizisten zeitgemäße Arbeitsbedingungen bieten soll. Entstanden ist „eine Dienststelle der kurzen Wege“ – zum Schutz der Mitarbeiter und der Besucher. Die hat Gerd Kümmel nun bereits verlassen. Früher sei ein Polizist die beste Werbung für den Beruf gewesen – das sei heute nicht mehr so. Wer Gerd Kümmel kennt, sieht das anders.

Von Claudia Feser

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.