Kommunaler Neubeginn

Gebietsreform: Gemeinde Körle bekam vor 50 Jahren drei Ortsteile hinzu

Dieser Artikel erschien nach dem Entschluss der Gemeindevertretung 1970.
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Dieser Artikel erschien nach dem Entschluss der Gemeindevertretung 1970.

Vor 50 Jahren: Das Land Hessen wollte leistungsfähigere Kommunen. Für viele Gemeinden war es ein schwerer Schritt, die Eigenständigkeit aufzugeben. Diesmal geht es um die Gemeinde Körle.

Körle – Es war der 27. Dezember 1970, als die Gemeindevertretung von Körle einen wegweisenden Beschluss verabschiedete. Die Gemeindevertretung beschloss eine freiwillige Grenzveränderung. Die Gemeinden Empfershausen, Lobenhausen und Wagenfurth sollten eingegliedert werden. Zum 1. Februar 1972 wurde dieser Beschluss wirksam.

An die Zeit der Gebietsreform kann sich Gerhard Jacob (81) aus Lobenhausen noch gut erinnern. Er war damals ehrenamtlicher Bürgermeister von Lobenhausen. „Und ich war ein Verfechter des Zusammenschlusses“, sagt er. Im November 1970 habe man vom Land die Mitteilung erhalten, dass die Gemeinde bei einem Zusammenschluss mit höheren Schlüsselzuweisungen rechnen könne, sagt Jacob. „Das war damals ein großer Anreiz.“ Während Jacob eine Chance für die Entwicklung seines Ortes in der Gebietsreform sah, musste er bei den Lobenhäusern viel Überzeugungsarbeit leisten. „Einige hatten Bedenken, dass sie nur die Schulden der Großgemeinde mit übernehmen sollten.“

Jacob sah darin nicht nur eine Chance, den Ort finanziell besser aufzustellen, sondern auch, dass die Lobenhäuser einen hauptamtlichen Bürgermeister bekamen. Als ehrenamtlicher Bürgermeister hatten Jacob und seine Kollegen in Wagenfurth, Karl Freitag, und Empfershausen Nikolaus Wenderoth, nur abends nach der Arbeit Zeit, um sich um die Belange der Menschen zu kümmern.

So mussten die Einwohner manchmal auch zweimal kommen, da sich Jacob erst einmal einlesen musste. „Ich hatte das ja nicht gelernt.“ Gelernt hatte Jacob Schlosser, später arbeitete er 30 Jahre im VW Werk in Baunatal als betrieblicher Ausbilder. Als er 1969 zum Bürgermeister von Lobenhausen gewählt wurde, war er 29 Jahre alt. Die Fusion wollten die Lobenhäuser aber nicht hinnehmen, ohne auch Bedingungen zu stellen, erinnert sich Gerhard Jacob. Denn jeder Lobenhäuser musste jährlich lediglich einen Wasserpreis von zwölf D-Mark bezahlen. „Unser günstiges Wasser wollten wir uns nicht nehmen lassen“, sagt Jacob.

Die Gemeindevertretung in Körle ließ sich auf den Deal ein – auf zehn Jahre wurde dieser Wasserpreis festgeschrieben. Auch Bedingungen in Sachen Kanal- und Feldwegebau habe die kleine Gemeinde gestellt. „Das wurde nach der Fusion auch alles erledigt“, sagt Jacob. Fast hätte Körle heute sogar vier Ortsteile, denn auch ein Zusammenschluss mit Röhrenfurth stand damals im Raum. Es schien sogar, als sei auch dieser Zusammenschluss perfekt, „da scheiterte das Ganze an personellen Fragen“, schreibt Fritz Ochs in der Festschrift „900 Jahre Körle“. Fritz Ochs löste am 1. Januar 1970 Karl Knaust als Bürgermeister in Körle ab.

Gerhard Jacob gefiel es, sich politisch zu engagieren. Deshalb wurde er auch 1972 Ortsvorsteher von Lobenhausen und übte dieses Amt bis 1978 aus. Auch in der Körler Gemeindevertretung engagierte er sich neun Jahre lang. Schließlich musste ja einer weiter die Belange der einstigen Gemeinde Lobenhausen im Blick behalten. Im Nachhinein sei es damals die absolut richtige Entscheidung gewesen, dass sich die Orte zusammenschlossen, sagt Gerhard Jacob heute. „Eine so kleine Gemeinde wie Lobenhausen kann doch alleine gar nichts ausrichten.“ (Carolin Hartung)

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