Erik Lehmann siegt beim Kabarett-Wettbewerb - Lars Redlich holt Scharfe Barte

Die Sieger: von links Dietrich Guth (Gewinner des Kabarett-Wettbewerbs 1995), Erstplatzierter Erik Lehmann, Publikumsliebling Lars Redlich, Zweitplatzierter John Doyle und Moderator Andreas Gehrke. Foto: Lache-Elsen

Melsungen. Erik Lehmann heißt der Sieger des Melsunger Kabarett-Wettbewerbs, der beim Gala-Abend zum 20. Geburtstag des Kulturereignisses in der Kulturfabrik gekürt wurde. Die Zuschauer erlebten einmal mehr einen großartigen Abend mit Kurzauftritten der Kabarett-Teilnehmer.

Zweitplatzierter wurde John Doyle („Die Welt ist eine Bandscheibe). Zum Publikumsliebling wählten die Zuschauer Lars Redlich („Lars But Not Least“), der damit die „Scharfe Barte“ und den dritten Preis holte.

Einziger Wermutstropfen war, dass die Jury mit ihrer Entscheidung nicht den Nerv des Publikums getroffen hatte. Sieger Lehmann, der als sächselnder „Uwe“ mit Pelzmütze, Kunststoffhose und Kunstpelzjacke die Urangst der Deutschen vor Ausländern in Form tumber Biertischparolen formulierte, überstrapazierte einen Teil des Publikums, das mit Applaus sparsam war.

Erik Lehmann („Der letzte Lemming“) sprach das Unausgesprochene jenseits der politischen Korrektheit aus, griff eine, wenn auch unangenehme Facette der Deutschen auf - was Kabarett und Comedy auch sollen und dürfen - berührte damit allerdings ein Tabu bei manchen Gästen. Etwa, wenn er von den toten Flüchtlingen erzählte, die an Mittelmeerstrände gespült werden, wo andere Urlaub machen. Manche sahen die Kritik dahinter nicht, dass seit Jahren die Weltöffentlichkeit in den Nachrichten von den Hunderten Ertrunkenen erzählt bekommt, und keine Lösung in Sicht ist. Das wollten Manche nicht thematisiert haben. Ein paar Zuschauer standen auf und gingen ins Foyer.

Der Zweitplatzierte John Doyle hat erkannt, dass Integration in Deutschland über Schmerzen funktioniert. Doyle, ein in Deutschland lebender Amerikaner, hielt uns Deutschen den Spiegel vor.

Leichtes Spiel hatte der Drittplatzierte Lars Redlich, der Kabarett nicht nur als Politik und Comedy, sondern auch als Kleinkunst definiert. Souverän brachte er seine Lieder zu Gehör, die er mit Gitarre, Klarinette oder am E-Piano begleitete. Von dem traurigen Ende einer Beziehung, als Schorsch, die Socke, seinen besten Freund Falk verliert und von der Penis-Night. Bravourös auch sein Medley von Liedern, die aus vier Akkorden bestehen.

Als letzter Künstler des Abends eroberte Martin Guth, einer der beiden Köpfe von „Faberhaft Guth, die beim ersten Kabarett-Wettbewerb 1995 als Sieger und Publikumsliebling hervorgegangen waren, die Herzen der Zuschauer.

Von Alexandra Lache-Elsen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.