„Love-Scamming“

Auf Facebook entdeckt: Rentner hofft auf große Liebe - und verschuldet sich für Unbekannte

Eine angebliche US-Soldatin entdeckt einen Rentner auf Facebook und gaukelt ihm die große Liebe vor. Prompt verliebt sich der 71-Jährige und verschuldet sich sogar.

  • Auf Facebook lernt ein Rentner eine vermeintliche US-Soldatin kennen.
  • Kontakt halten die beiden über WhatsApp.
  • Da der 71-Jährige auf die große Liebe hofft, fällt er auf einen kostspieligen Betrug rein.

Schwalm-Eder-Kreis - Dass ihm so was noch mal passiert im Leben, das hätte er nicht für möglich gehalten. Dieter (Name von der Redaktion geändert) kommt aus dem Schwalm-Eder-Kreis, 71, verwitwet und verliebt sich dank Facebook in eine 35-Jährige. „Ich bin regelrecht auf sie abgefahren“, sagt er. Und damit nimmt das Unglück seinen Lauf, das er bis heute noch nicht begreifen kann.

Denn die Person, die er „mein Engelchen“ und „meine süße Liebe“ nennt, ist eine Liebesschwindlerin, die ihm schon 6000 Euro abgepresst hat. Die Polizei nennt das Love-Scamming. Auch zwei Frauen aus Kaufungen und Waldeck-Frankenberg sind bereits ähnlichen Maschen zum Opfer gefallen.

Liebe? Auf Facebook entdeckt, bei WhatsApp kontaktiert: Rentner war anfangs stutzig

Alles begann auf Dieters Facebook-Account. Sein Profilbild zeigt ihn gepflegt und gut gekleidet mit seinem Hund auf dem Arm. Als Status gibt er verwitwet an, als Beruf Innenarchitekt – und seine Handynummer. Anfang Oktober bekommt er eine Nachricht über WhatsApp: Susan Brown – 35, US-Amerikanerin, als Feldwebel in Syrien stationiert, alleinstehend, die Eltern sind gestorben – sucht einen Mann, der ihr zur Seite steht und die große Liebe sein könnte.

Dieter antwortet. Nachrichten werden hin und her geschickt, viele Nachrichten, Tag und Nacht, immer häufiger mit Herzchen. Dieter schreibt lange Liebesbriefe an sie, wie Gedichte, sie schickt ihm Blumensträuße per Foto. Deutsch spricht sie nicht, sie schreibt mittels eines Übersetzungsprogramms. Mal schreibt sie Du, mal Schatz, mal Sie. Das macht ihn stutzig, aber sie bombardiert ihn weiter mit Nachrichten und Herzchen, teilweise im Minutentakt.

Facebook-Bekanntschaft spricht von Millionen von Dollar - Rentner hofft auf große Liebe

Dieter war 27 Jahre lang verheiratet, seine Frau ist vor zwei Jahren gestorben. Er ist einsam. Ihm gefällt die Aufmerksamkeit. Obwohl: Ist er nicht zu alt für sie, fragt er Susan. Darauf komme es ihr nicht an, antwortet sie, sie habe ja sonst niemanden. Und schickt mehr Herzchen.

Zum Beweis, dass er ihr vertrauen kann, will die Facebook-Bekanntschaft ihm ein Paket schicken, mit viel Geld drin. Ob sie ihm wirklich vertrauen könne? Aber ja, antwortet Dieter der vermeintlich großen Liebe. Okay, er dürfe aber mit niemandem drüber reden: US-Soldaten ihrer Einheit haben 22 Millionen US-Dollar in einem Safe in Syrien gefunden. Die Offiziere haben beschlossen, das Geld unter sich aufzuteilen, weil sie vermuten, dass Terroristen es für Waffenkäufe nutzen wollen. Susan soll 2,5 Millionen Dollar bekommen. Die hat sie nach Deutschland geschickt – „kannst du mir dabei helfen?“, fragt sie Dieter. Natürlich helfe ich dir, antwortet „dein dich liebender Dieter“.

Love-Scamming: Dass Liebe blind macht, erfuhr nun ein Rentner aufgrund einer Facebook-Bekanntschaft. (Symbolfoto)

Liebe macht blind: Rentner zahlt Facebook-Bekanntschaft 1500 Dollar

Susan will die Frachtkosten zahlen, Dieter soll den Zoll übernehmen, 1500 Euro. Ein Diplomat werde das Paket entgegennehmen und ihm bringen. Zum Beweis schickt Susan ein Foto mit einem Tisch voller US-Dollar-Bündel, „auch der Tresor war zu sehen, so ein vergammeltes Ding“, berichtet Dieter später. Susan schickt zwischendurch Fotos von sich: Susan beim Joggen, Susan im Cockpit eines Flugzeugs, Susan im Park, sogar ihren Militärausweis zeigt die Frau, die Dieters Handynummer auf Facebook entdeckt hatte.

Aber ist das wirklich Susan? Dass die Frau mit Barett auf dem Kopf auf dem Passbild ganz anders aussieht als die Susan beim Joggen und im Flieger, fällt Dieter nicht auf. Er kann sich einfach nicht satt sehen an der attraktiven Frau, und das schreibt er ihr auch, immer wieder, schickt lange Nachrichten, in denen er ihr seine Liebe erklärt. Sie antwortet kurz und fragt nach dem Geld.

Große Liebe dank Facebook? Betrüger fällt trotz Unstimmigkeiten nicht auf

Dieter zahlt beim ersten Mal 1500 Euro in bar über Western Union auf das Konto einer Juliette Delphine Suzanne Duplantier ein. Dass dieser Name nicht mit seinem „Engelchen“ Susan Brown, die ihn auf Facebook entdeckte, übereinstimmt, übersieht er. Auch, dass der Diplomat, der seine Nachrichten an Dieter mit „William“ unterschreibt, nicht denselben Namen hat wie der auf dem Diplomatenausweis, den Dieter als Bestätigung verlangt hat. Dort ist ein Mann zu sehen, darunter steht der Name Williams Brown.

Weil es Probleme mit dem Zoll gebe, verlangt der Mann mehr Geld, für „Provisionen als Zollsteuer“, und unterzeichnet mit „dein diplomatischer William“. Am 12.10.2020 zahlt Dieter 3000 Euro bar ein, drei Tage später noch mal 1500 Euro. Denn Susan macht Druck, fleht ihn an zu helfen, stößt ihn zurück, fordert das Geld als Beweis der großen Liebe ein. Und der verliebte Dieter kratzt das Geld irgendwie zusammen, leiht sich einen Teil von einem Freund. Und hat damit noch mehr Schulden.

Zu lange an die Liebe geglaubt: Facebook-Bekanntschaft erbeutet 6000 Euro von Rentner

Auf seinem Facebook-Profil macht Dieter mehr her. Er ist hoch verschuldet, hat vor Jahren sein Geschäft mit über 20 Mitarbeitern in den Sand gesetzt und lebt mittlerweile zur Miete und von 800 Euro Grundsicherung. Susan sagte ihm, er solle mit dem Geld aus dem Paket ein Haus für sie beide kaufen. „Ich habe gedacht, dass ich damit aus dem ganzen Mist rauskomme“, sagt Dieter, „das war ein Strohhalm für mich.“ An den klammert er sich weiter und wird erst stutzig, als es schon wieder Probleme mit dem Zoll geben soll und er noch mehr Geld zahlen soll.

Als ihm klar ist, dass er das Geld nicht zahlen kann und ihm dämmert, dass er die gezahlten 6000 Euro wohl nicht wieder bekommt, weint er. Er sagt: „Der Diplomat hat uns belogen.“ Susan und ihn. Und: „Das linke Ding läuft über den Diplomaten, sie sagt die Wahrheit.“ Er glaubt zu lange an die Liebe zwischen ihm und Susan. Schließlich stellt er doch Strafanzeige bei der Polizei. Aber dass ihm so was passiert und Susan die Liebe zu ihm nur vorgaukelt, um an sein Geld zu kommen, hätte er nie im Leben für möglich gehalten. (Claudia Feser)

Rubriklistenbild: © Carolin Hartung

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