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Falscher Gerichtsvollzieher: Betrüger versuchte Geld von Malsfelder Paar zu ergaunern

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Von: Damai Dewert

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Betrug per Telefon: Immer wieder versuchen Betrüger, Menschen am Telefon um Geld zu prellen. Regelmäßig lassen sie sich neue Maschen einfallen und gehen dabei hoch professionell vor.
Betrug per Telefon: Immer wieder versuchen Betrüger, Menschen am Telefon um Geld zu prellen. Regelmäßig lassen sie sich neue Maschen einfallen und gehen dabei hoch professionell vor. © polizei-beratung.de

Ein kurioser Betrugsversuch hat sich jetzt im Kreisteil Melsungen zugetragen. Vor dieser neuen und ungewöhnlichen Masche warnt die Polizei im Schwalm-Eder-Kreis ausdrücklich.

Melsungen/Malsfeld – Bei Silke Weiß klingelte am Montag gegen 9 Uhr das Telefon – das Mobiltelefon, denn die Malsfelderin war gestern mit Mann und Wohnmobil unterwegs. Am anderen Ende der Leitung war ein Mann – offenbar älter. Er sprach akzentfrei Deutsch und machte einen seriösen Eindruck. Der bisher unbekannte Täter gab sich bei Silke Weiß als Obergerichtsvollzieher Ralf Börner aus Melsungen aus.

Den gibt es wirklich, doch der echte Ralf Börner ist seit 2021 im Ruhestand. Der falsche Börner wies Silke Weiß auf eine offene Forderung aus einem Gewinnspiel hin. Für die habe es ein Mahnverfahren gegeben und nun einen Vollstreckungsbescheid. Den erhält ein Schuldner, der wiederholt nicht zahlt.

Silke Weiß wusste von nichts und verlieh ihrer Verwunderung Ausdruck, nichts Schriftliches bekommen zu haben, berichtete ihr Mann Heiko Rieger. Den Brief habe es gegeben, er sei zugestellt, behauptete der falsche Börner. Silke Weiß und ihr Mann überlegen, ob der während ihres Wohnmobil-Trips gekommen sein könnte. Sie wollten ihrem Sohn, der nach Post und Haus schaut, schon Vorwürfe machen.

Vieles schien zusammenzupassen

Vieles schien zusammenzupassen. Im Nachhinein komme es ihnen aber so vor, sagt Rieger, als müsste der Betrüger gewusst haben, dass sie länger nicht zuhause seien. „Wir fühlen uns schon ein bisschen unwohl. Meine Frau war sehr aufgeregt und verunsichert.“ Obwohl sie sich beide keines Fehlers bewusst waren, wollte Silke Weiß doch sicherheitshalber reagieren.

Sie ließ sich auf den Vorschlag des falschen Gerichtsvollziehers ein, die Vollstreckung auf dem kurzen Dienstweg abzuwenden. Dazu sollte sie 400 Euro und eine Gebühr per App auf ein Sicherheitskonto einzahlen. Es gab Schwierigkeiten mit der Verifizierung und der Telefonleitung. Das Telefonat brach ab. Endlich konnte sich das Paar absprechen. Sie wurden misstrauisch. Silke Weiß sollte so viele Informationen, wie möglich sammeln, derweil recherchiert ihr Mann via Internet, telefonierte mit dem Amtsgericht in Melsungen und dem Nachfolger von Ralf Börner.

Schnell wurde klar, bei dem Anrufer handelt es sich um einen Betrüger – einen gut informierten zwar, aber einen Betrüger. Heiko Rieger erfuhr auch, dass es weitere solcher betrügerischen Anrufe gegeben haben soll. Als der Betrüger erneut anrief, konfrontierte ihn Silke Weiß mit kritischen Fragen, während ihr Mann gleichzeitig mit dem echten Ralf Börner telefonierte. Der Betrüger wich den Fragen aus.

Nach einer erneuten Telefonstörung ging Heiko Rieger statt seiner Frau ans Telefon und konfrontierte den Betrüger. Der wurde pampig und kündigte sein Kommen und die Vollstreckung an und legte auf. Die Vorwahlen des Betrügers, so fand das Paar heraus, stammten aus London und Warschau. „Ich bin wirklich erstaunt, wie gut vorbereitet der Anrufer war. Wäre das mit der Störung nicht gewesen, vielleicht hätten wir ihm geglaubt“, sagt Rieger. Kontakt mit der Polizei hatten sie schon, jetzt würden sie Anzeige erstatten.

Der Gerichtsvollzieher

Eine telefonische Zahlungsaufforderung gebe es nicht, sagt Ralf Börner, der echte Gerichtsvollzieher. Der Schuldner erhalte in der Regel einen Brief vom Gerichtsvollzieher mit der Forderung des Gläubigers oder es gebe einen persönlichen Kontakt. Es könne zwar mal sein, dass er einen Schuldner telefonisch an eine säumige Rate erinnert habe, aber dann habe man sich schon gekannt.

Die Polizei

Telefonische Geldforderungen von staatlicher Seite seien ihm nicht bekannt, sagt Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Zuvor stehe ein Briefwechsel. Wichtig sei, die Telefonnummer zu notieren und später zu recherchieren, ob es sich um die echte handelt? Weiß die Stelle von der Forderung? Konten im Ausland seien immer hochverdächtig – ebenso wie Privatkonten.
(Damai D. Dewert)

Infos: polizei-beratung.de

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