Künstlerin Betty Sarti de Range hat die Kultur ihrer Heimat Venezuela nach Mosheim gebracht

Farbenpracht auch im Winter

Zwei Frauen: Künstlerin Betty Sarti de Range und das Maskottchen einer südamerikanischen Lebensmittelfirma, das Vorlage für mehrere ihrer Arbeiten war. Foto: De Filippo

Mosheim. Betty Sarti de Range lebt in einer Welt der Kontraste. Wenn sie aus dem Küchenfenster ihres Hauses in Mosheim schaut, blickt sie auf einen Acker und winterkahle Bäume. In der Wohnung jedoch erinnert vieles an die Wärme Südamerikas. Bilder mit farbenfrohen Motiven, Fotos, Erinnerungsstücke: Die Künstlerin hat einen Teil ihrer venezuelanischen Heimat mit nach Nordhessen gebracht.

Die Liebe brachte Betty Sarti de Range nach Deutschland. „Ich hatte meinen Mann während meines Studiums in Ohio kennen gelernt“, erzählt sie. 1996 zog sie zu ihm. Doch der Start in einem anderen Land sei alles andere als einfach gewesen. Die Sprache, die Kultur - alles war ihr fremd.

„Kinder experimentieren gern, deshalb macht mir die Arbeit mit ihnen so viel Spaß.“

Betty Sarti de Range

Inzwischen spricht sie fließend Deutsch und nutzt ihre Kenntnisse beider Kulturen beruflich: Sie gibt regelmäßig Kunst-Kurse für Kinder, bringt ihnen verschiedenen Techniken wie Gipsmodellage oder Druck bei, lässt sie Masken nach südamerikanischem Muster oder Bilder mit typischen Motiven Venezuelas anfertigen. „Kinder experimentieren gern, deshalb macht mir die Arbeit mit ihnen so viel Spaß“, sagt die 43-Jährige.

Wenn sie selbst künstlerisch arbeitet, widmet sie sich mit Vorliebe politischen Themen. Bei einer Ausstellung des Bundesverbands Bildender Künstler in Kassel präsentiert sie zum Beispiel zurzeit eine Arbeit, die eine Welt der Korruption zeigt. Und in ihrer Version des Märchens Rumpelstilzchen spinnt die schöne Müllerstochter nicht Stroh zu Gold, sondern zu Falschgeld. „Das Märchenthema hat viel mit Politik gemein“, findet die Künstlerin. „Alle glauben, was Politiker sagen. Doch oft geht es nur um Macht.“

Betty Sarti de Range experimentiert wie ihre jungen Schüler gern mit verschiedenen Medien. Fotografie, Siebdruck, Holzschnitt, grafische Bearbeitung am Computer. Aber auch die Malerei spielt nach wie vor eine zentrale Rolle in ihrem Schaffen. „Ich liebe große Bildformate“, sagt die zweifache Mutter. Nur so könnten die Motive und die Farben richtig wirken. Das gilt auch für ihre neuesten Arbeiten, die sich mit dem Thema Ess-Kultur beschäftigen. Das Logo einer südamerikanischen Lebensmittelfirma, eine exotische Schönheit, hat sie zum Beispiel in Pop-Art-Manier auf Leinwand gebannt. Ebenso wie eine deutsche Bierwurst und stilisierte Getränkewerbung.

Für Betty Sarti de Range ist dies alles Ausdruck von Kultur. „Was wir essen, sagt viel über uns aus“, findet sie. Im Kühlschrank der Künstlerin gibt es übrigens beides: Maismehl aus Venezuela und Wurst vom nordhessischen Metzger.

Von Pamela De Filippo

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