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Adventsgottesdienst am Freitag: Felsberger Pfarrerinnen wagen Experiment

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Sie planen einen Adventsgottesdienst am Freitagabend in Niedermöllrich: die Pfarrerinnen Vanessa Damm (links) und Lena Dawin. Unser Bild entstand in der Nikolaikirche in Felsberg, wo im kommenden Februar ein ähnlicher Feierabendgottesdienst stattfinden soll.
Sie planen einen Adventsgottesdienst am Freitagabend in Niedermöllrich: die Pfarrerinnen Vanessa Damm (links) und Lena Dawin. Unser Bild entstand in der Nikolaikirche in Felsberg, wo im kommenden Februar ein ähnlicher Feierabendgottesdienst stattfinden soll. © William Abu El-Qumssan

Einen Adventsgottesdienst am Freitagabend? Das planen zwei Pfarrerinnen am 9. Dezember in Niedermöllrich. Sie erklären, was dahinter steckt.

Felsberg/Niedermöllrich – Zwei Pfarrerinnen planen etwas Besonderes: einen Adventsgottesdienst am Freitagabend statt am Sonntagmorgen. Am 9. Dezember ab 18 Uhr findet in der evangelischen Kirche in Niedermöllrich ein Feierabendgottesdienst statt. Vanessa Damm von der Kirchengemeinde Felsberg-Böddiger und Lena Dawin von der Kirchengemeinde Niedermöllrich-Lohre-Niedervorschütz gestalten den Gottesdienst für beide Kirchengemeinden gemeinsam. Die beiden Pfarrerinnen erklären in Fragen und Antworten, was hinter der Idee steckt und warum sie ihren Talar am Freitag nicht überwerfen.

Wieso findet der Gottesdienst an einem Freitagabend statt?

Der Freitagabend ist eine schöne Zeit, um den Abschluss einer Arbeitswoche zu feiern. Nach dem Gottesdienst können die Menschen entspannt in das Wochenende gehen. Und mit einer Startzeit um 18 Uhr und einer Dauer von etwas mehr als 30 Minuten ist danach immer noch genug übrig vom Abend.

Ist es denn nicht ein Wagnis, einen Sonntagsgottesdienst in der Adventszeit ausfallen zu lassen?

Es ist ja jetzt erst mal ein Versuch, und keine neue Regelung. Aber ist einfach eine Tendenz zu bemerken, dass immer weniger Menschen den Sonntag für den Gottesdienst nutzen. Und unsere Aufgabe ist es, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Wir machen die Gottesdienste ja nicht für uns Pfarrerinnen.

Warum kommen immer weniger Menschen am Sonntag in die Kirche?

Da stehen für die Menschen andere Dinge im Vordergrund: Ausschlafen, Sport machen, Zeit mit der Familie verbringen. Über die Adventszeit unternehmen Familien auch gerne Ausflüge übers Wochenende, fahren in andere Städte auf Weihnachtsmärkte. Der Sonntag ist mittlerweile auf andere Art und Weise heilig geworden.

Was sagen Sie treuen Besuchern der Sonntagsgottesdienste, die Ihre Idee gar nicht gut finden?

Wir laden natürlich alle zu dem gemeinsamen Gottesdienst ein. Die Idee ist ja nicht, irgendwen auszuschließen. Aber wir wissen auch, dass wir es terminlich nie jedem recht machen können. Wir möchten einfach etwas Vielfalt reinbringen.

Wenn Ihr Versuch gut angenommen wird, könnte der Freitag dann den Sonntag ablösen?

Nein, das nicht. Ein weiterer Gottesdienst an einem Freitagabend ist im Februar geplant. Diese Art Gottesdienst soll schon eine Besonderheit bleiben. Unser Gedanke dabei ist, mit einem anderen Format unsere Zielgruppe zu erweitern, aber nicht die Sonntagskirchengänger zu vergraulen.

Was ist an diesem Gottesdienst noch besonders, abgesehen von dem ungewöhnlichen Termin?

Der Ablauf der Sonntagsgottesdienste ist sehr traditionell geprägt. Da gibt es eine recht feste Liturgie. Den Gottesdienst am Freitagabend wollen wir offener und für nicht so regelmäßigen Kirchengänger auch verständlicher gestalten. Der Sonntagsgottesdienst setzt da einiges voraus.

Was zum Beispiel?

Bittruf und Lobpreisung sind beispielsweise Dinge, die vor allem die Konfirmanden verwirren. Das wird erst im Konfirmandenunterricht erarbeitet. Aber selbst das Vater unser wird am Freitagabend nicht vorausgesetzt. Wir geben dafür Liedzettel aus.

Was wird den Gottesdienst am Freitagabend noch ausmachen?

Da einige Menschen nach der Arbeit und einer anstrengenden Woche den Gottesdienst besuchen werden, soll die Veranstaltung etwas lockerer sein. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn die Leute einfach nur da sitzen und zuhören.

Wie lockern Sie den Gottesdienst auf?

Wir werden keinen Talar tragen. So stellen wir uns als Pfarrerinnen nicht über die drei Musiker (Orgel, Keyboard und Gesang), die alles mit uns gemeinsam gestalten. Wir verstehen das als Team-Gottesdienst.

Endet die Veranstaltung mit dem Gottesdienst?

Nein, danach wird es noch Plätzchen und Heißgetränke geben. So können wir mit den Menschen ins Gespräch kommen und ein erstes Feedback einholen.

Wie war die Resonanz bei den Kirchenvorständen, als Sie die Idee vorgestellt haben?

Von beiden Vorständen haben wir die volle Unterstützung. Sie erlauben uns, etwas auszuprobieren. Und, falls es nicht gut ankommen sollte, auch zu scheitern.

Gab es bei der Planung dafür Herausforderungen?

Da es kleine Überraschung für alle Besucher gibt, war es für uns schwierig, wie viel wir davon vorbereiten. Wir wissen ja nicht, wie viele Menschen aus Felsberg den Weg nach Niedermöllrich auf sich nehmen werden. Da sind wir schon gespannt.

Termin: Feierabendgottesdienst in der Kirche in Niedermöllrich, Am Backhaus 5, ab 18 Uhr. (William Abu El-Qumssan)

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