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Brigitte Wagner aus Altenbrunslar ist gestorben – Sie hielt Predigten auf Mundart

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Von: Manfred Schaake

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Sie hatte immer Spaß am Lektorendienst in der Kirche, hat in der Region viele Gottesdienste in heimischer Mundart gehalten. Brigitte Wagner starb im Alter von 75 Jahren. Unser Bild entstand 2017 in der mittelalterlichen Kirche in Altenbrunslar, wo sie mit ihrem Mann Franz lebte. Archi
Sie hatte immer Spaß am Lektorendienst in der Kirche, hat in der Region viele Gottesdienste in heimischer Mundart gehalten. Brigitte Wagner starb im Alter von 75 Jahren. Unser Bild entstand 2017 in der mittelalterlichen Kirche in Altenbrunslar, wo sie mit ihrem Mann Franz lebte. © Manfred Schaake

Trauer und Betroffenheit hat die Nachricht vom Tod von Brigitte Wagner ausgelöst. Sie hat sich in der evangelischen Kirchengemeinde Wolfershausen-Brunslar-Deute vielfältig engagiert.

Altenbrunslar – Brigitte Wagner starb nach zweijähriger schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren. Nach den Worten von Pfarrer Sebastian Voß war sie „eine ungemein engagierte Frau, die ihre Gaben immer gerne für andere Menschen eingesetzt hat“.

Fast 20 Jahre hat sie sich als Kirchenvorsteherin und zuletzt als Kirchenälteste engagiert. Als Kreissynodale hat sie die Anliegen der Kirchengemeinde in der Kreissynode vertreten, würdigte Voß. Als treue Sängerin habe sie den Chor mitgetragen „und war immer mit ihrer Hilfe dabei“. Für alle ihre Dienste, so der Pfarrer, „sind und bleiben wir Brigitte Wagner dankbar“.

Ihre Spezialität und Hobby zugleich: Als Lektorin hielt sie viele Gottesdienste in nordhessischer Mundart – uff Pladde, wie der Hesse spricht. „Ihre Gottesdienste uff Pladde waren ihr besonderes Geschenk an uns alle“, sagt der Pfarrer. Darin hätten ihre Freude am Gottesdienst und an der Mundart „wunderbar zusammengefunden“, sagte Voß.

Die gebürtige Felsbergerin, Mutter von zwei Kindern, liebte und verehrte die nordhessische Mundart. Und sie schwatzte stets gern Pladde, verband deshalb ihr Hobby mit dem kirchlichen Ehrenamt. 2016 hatte es mit den Pladde-Gottesdiensten in Alten- und Neuenbrunslar, Wolfershausen und Deute eine erfolgreiche Premiere gegeben, im Herbst 2017 gab es im Kirchspiel Gensungen und später auch in Felsberg eine neue Auflage.

Jahrelang hatte Brigitte Wagner Büttenreden in Guxhagen gehalten. Sie war auch Mitglied der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten. Seit 2015 war sie Lektorin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Vom Mundart-Pfarrer Dieter Otto – den HNA-Lesern früher bestens bekannt durch sein Friddochs-Gemähre jeden Freitag – kam für Brigitte Wagner der Anstoß zu den Mundart-Gottesdiensten. Sie trug Pfarrer Voß die Idee vor, selbst Mundart-Gottesdienste zu halten. Und er machte ihr Mut: „Probieren Sie es doch mal.“ Auftakt war im Februar 2016 in ihrem Heimat-Kirchspiel und Brigitte Wagner freute sich: „Es kamen vier- bis fünfmal so viele Besucher wie sonst.“ Die Besucher, so hat sie einmal im HNA-Gespräch gesagt, freuten sich über schöne Erinnerungen an früher, sie hatten ihre Verwandten wieder vor Augen, die früher oft Pladde schwatzten. Sie sei vielfach angesprochen worden, das zu wiederholen.

Motivation, sich stets weiterzuentwickeln, war für sie der Dank der Gottesdienst-Besucher. Lesungen und Predigten „übersetzte“ sie zunehmend ins heimische Pladd. Sie schrieb das erst einmal ins Unreine, las es laut durch und formulierte die Endfassung. Mit ihrer Initiative wollte sie auch dem Trend entgegenwirken, „dass immer weniger Pladde gesprochen wird“. Ihr Mann Franz, in Nordhessen bekannt als Handball-Legende, hat einmal gesagt: „Die Bayern und die Schwaben sind zu Recht stolz auf ihren Dialekt. Wenn wir als Kinder Pladde schwatzten, hat man zu uns außerhalb von Felsberg abwertend gesagt, der kommt ja vom Dorfe.“

Brigitte Wagner ist in Felsberg geboren und aufgewachsen, hat bei der Bundesknappschaft in Kassel gelernt und gearbeitet. Später war sie als Verkäuferin in einem Wäsche- und Sanitärgeschäft in Melsungen tätig. (Manfred Schaake)

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