Christina Schöllhorn ist eine der letzten Polsterinnen im Schwalm-Eder-Kreis

Ein altes Handwerk: So wird ein Sessel gepolstert

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Der Rokoko-Sessel soll bald wieder aussehen wie neu: Raumausstatterin Christina Schöllhorn verpasst ihm eine Polsterung.

Felsberg. Viele Handwerksberufe sind inzwischen selten geworden. Maschinen haben Hände ersetzt. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen. Diesmal: Wie man einen Sessel polstert.

Von dem einst prächtigen Stuhl aus dem Rokoko (ca. 1730-1780) ist nur noch ein Gerippe übrig. Nur wenn man ihn umdreht, kann man auf der Unterseite noch erkennen, dass er wohl kittfarben war. Zulange stand er unbeachtet in einem Kasseler Depot. Das wird sich jetzt ändern. Christina Schöllhorn, Raumausstatter-Meisterin und Restaurateurin im Raumausstatterhandwerk, will dem Sessel neues Leben einhauchen.

Das ist viel Arbeit. Fast einen ganzen Tag dauert es, den Stuhl Schicht um Schicht zu erneuern. Möglichst authentisch soll es sein und nur in wenigen Schritten weicht die 46-Jährige von der traditionellen Methode ab. Etwa wenn Jutestreifen auf den Stuhl genagelt und miteinander verwoben werden. Früher wäre lokales handgewebtes Leinen verwendet worden, sagt Schöllhorn. Zum Beispiel aus der Weberei in Trutzhain, heute wäre so etwas viel zu teuer. Beim Spannen muss die Raumausstatterin aufpassen, denn sonst könnte das alte Holz reißen. Oder aber die Knochenleim-Verbindungen lassen nach. Das ist der Grund, warum nicht alle Schichten wie früher gehämmert werden, sondern viele auch getackert.

Auch wenn sie in ihrem Beruf öfter Zimmer einrichtet und Gardinen näht, sind ihre Fähigkeiten als Polsterin doch noch immer gefragt. „Oft kommen Menschen zu mir, für die das Möbelstück einen ideellen Wert hat“, erklärt die 46-Jährige. Oder aber es seien wertvolle Erbstücke. Bei einem Stuhl für 29,90 Euro lohne sich das Aufpolstern auch nicht wirklich, gibt sie zu. Die Restaurierung des Rokoko-Sessels hat ohne Gestell etwa 400 Euro gekostet.

So wird ein Sessel gepolstert

Der Beruf Raumausstatter

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Schwerpunkte sind Boden, Polstern, Wand und Decke sowie Licht-, Sicht- und Sonnenschutz. Die Innung Hessen-Nord hat 54 Mitglieder. Dazu gehören der Schwalm-Eder-Kreis, Waldeck-Frankenberg sowie Landkreis und Stadt Kassel.

 

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