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Am Sonntag Gottesdienst zum Glockenjubiläum in Rhünda

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Von: Manfred Schaake

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Läutet seit 101 Jahren für den Frieden: Die Friedensglocke der Markuskirche in Rhünda mit dem Glockenexperten Dennis Willershausen.
Läutet seit 101 Jahren für den Frieden: Die Friedensglocke der Markuskirche in Rhünda mit dem Glockenexperten Dennis Willershausen. © Manfred Schaake

Die Christen in Rhünda feiern am Sonntag, 11. September, ein besonderes Fest.

Rhünda – Die Friedensglocke der evangelischen Markuskirche läutet seit 101 Jahren. Sie war am 18. September 1921 feierlich geweiht worden. Wegen der Corona-Pandemie konnte das 100. Jubiläum im Vorjahr nicht gefeiert werden. Dies wird nun nachgeholt. Der Kirchenvorstand Rhünda und Pfarrerin Iris Nebe-Wenderoth laden für Sonntag ab 11 Uhr zum Gottesdienst ein.

Das Glockenjubiläum in Rhünda

Das Glockenjubiläum ist nach den Worten der Pfarrerin etwas Außergewöhnliches. Gestaltet wird der Gottesdienst von der Pfarrerin und vom Glocken-Experten Dennis Willershausen aus Homberg, der bereits mehr als 2500 Glocken in über 800 Kirchen, Rathäusern, Burgen und Schlössern begutachtet hat. Natürlich wird die Glocke zu hören sein.

„Ihr Klang gehört fest zu Rhünda und steht auch für ein Stück Heimat und Identität,“ sagt Iris Nebe-Wenderoth, und fügt hinzu: „Wenn ich die Glocke höre, dann weiß ich, dass ich in Rhünda bin.“

Ihr Klang begleite die Menschen auf den unterschiedlichsten Wegen durch das Leben und mache mit den beiden Schwesterglocken die Präsenz der Kirche akustisch wahrnehmbar. Die Friedensglocke hat ihren Namen von ihrer Inschrift, die aus der Weihnachtsbotschaft stammt – Friede auf Erden.

Als die Glocke 1921 gegossen wurde, war der Erste Weltkrieg vorbei, und die Menschen waren mit den furchtbaren Folgen des Krieges konfrontiert, sagt die Pfarrerin im HNA-Gespräch: „Sie sehnten sich nach Frieden und einer besseren Zeit.“

Freuen sich auf das Glockenfest am Sonntag: Pfarrerin Iris Nebe-Wenderoth und Reinhard Stieglitz, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes.
Freuen sich auf das Glockenfest am Sonntag: Pfarrerin Iris Nebe-Wenderoth und Reinhard Stieglitz, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes. © Manfred Schaake

Friede auf Erden sei aber auch heutzutage eine tiefe Sehnsucht der Menschen, betont Iris Nebe-Wenderoth: „Gerade in der jetzigen Zeit, die geprägt ist von Krieg in der Ukraine, Unsicherheiten und Zukunftsängsten, ist es wichtig, einen Ort zu finden, wo man Ruhe für die Seele finden kann.“

Der Klang der Friedensglocke ist etwas besonderes

Der Klang der Friedensglocke lade immer wieder dazu ein, die Markuskirche zu den Gottesdiensten zu besuchen. Die Pfarrerin wünsche und hoffe, dass die Glocke noch viele weitere hundert Jahre läuten und die Menschen mit ihrem schönen Klang erfreuen kann „und dass ihre Inschrift Friede auf Erden einmal wahr werden kann“.

Das Erdgeschoss der Markuskirche stammt von der 1356 errichteten Kapelle, die Ekkehard von Felsberg dem Ort geschenkt hatte. Er hatte damals das sogenannte Kirchenpatronat in Rhünda inne. 1695 wurde der jetzige Fachwerkturm auf die alte, aus Stein errichtete Kapelle gebaut.

Die erste vom „Rhinschen“ Fachwerkturm rufende Glocke war im Jahr 1746 gegossen worden, hat Glockenfachmann Willershausen herausgefunden. Sie wurde von Bernhard Donner in Naumburg im Altkreis Wolfhagen geschaffen, das zu jener Zeit noch dem Mainzer Bistum gehörte. Eine weitere Glocke für Rhünda goss Johann Teutschmann 1841 im Eisenwerk Holzhausen bei Homberg. Diese Glocke musste während des Ersten Weltkrieges für Kriegszwecke abgegeben werden und kehrte nicht mehr zurück.

„Friede auf Erden. Mich goss Meister Stoermer zu Erfurt 1921.“ So lautet die Inschrift der Friedensglocke. 1934 hatte die Glocke von 1746 ihre Stimme versagt, sagt Willershausen. Sie hatte einen Riss. In der Werkstatt Rincker in Sinn – die älteste Glockengießerei Europas in Privateigentum – wurde diese Glocke eingeschmolzen und daraus ein neuer Klangkörper gegossen. Die Inschrift lautet: O Land, Land, höre des Herrn Wort – gegossen 1746, umgegossen 1934 von Gebrüder Rincker in Sinn. Diese Glocke hatte die Gussnummer 4064.

Nach nur kurzer „Dienstzeit“ musste diese Glocke während des Zweiten Weltkrieges zur Aufrüstung der Kriegsmaschinerie abgeliefert werden. Sie kehrte nicht mehr zurück.

1950 wurde eine neue Glocke aus der Werkstatt Rincker angeschafft. Die Gedächtnisglocke gedenkt der Opfer des Zweiten Weltkrieges. Die Inschrift lautet: Die Heimkehrer grüße ich, die Toten und Vermissten beweine ich. Außerdem ist auf der Glocke zu lesen: 1939 - 1945. Den 29 Gefallenen und 24 Vermissten aus Rhünda – gestiftet von den evangelischen Bürgern. Pfarrer Witzel, von 1918 bis 1933 in Rhünda tätig, hat festgehalten, dass die Bürger 4200 Mark spendeten, „obwohl das nach dem Krieg sehr viel Geld war“. Und auch das hat Witzel in der Chronik geschrieben: „Jedesmal, wenn du die kleine Glocke hörst, dann erzählt sie dir mit ihrem Klang von dem Wunsch nach Frieden.“

Der frühere Pfarrer Hans-Helmar Auel hat in der Chronik festgehalten: „Der Name Friedensglocke war Hoffnung und Motto zugleich. Immer, wenn sie erschallte, sollte sie den Frieden verkünden.“ 2005 nutzte man die Erneuerung des Glockenstuhls für die Erweiterung des Geläutes um eine dritte Glocke. Sie wurde nach Ekkehard von Felsberg benannt und ebenfalls bei Rincker gegossen. Die Glocke mit der Gussnummer 19595 trägt die Inschrift: Ekkehard – gestiftet von Ilse und Eitel-Arwed Glatzer. Die Konfirmanden von 2005 spendeten das Joch.

Die Anschaffung der dritten Glocke war damals vom Glockensachverständigen der Landeskirche empfohlen worden, und Pfarrer Auel und der Kirchenvorstand hatten das unterstützt. „Die Rhündaer haben in den vergangenen Zeiten durch ihre großzügige Spendenbereitschaft die fehlenden Glocken immer wieder beschafft“, hat Auel in der Chronik hervorgehoben. (Manfred Schaake)

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