70 Tiere leben an Fulda, Eder, Schwalm und Nebenbächen

Biber erobern den Schwalm-Eder-Kreis

Biber
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Es ist ein seltener Glücksfall, den Biber vor die Kamera zu kriegen – so wie Thilo Reuße aus Guxhagen.

Biber fühlen sich wohl im Schwalm-Eder-Kreis: Die Tiere besiedeln immer mehr Gewässer in der Region.

Schwalm-Eder – Der Biber breitet sich weiter im Schwalm-Eder-Kreis aus: „An den drei Hauptflüssen des Kreises – Fulda, Eder und Schwalm – kommt der Biber fast flächendeckend vor“, sagt Gerd Teigeler, Biberbeauftragter des Naturschutzbunds (Nabu). „Und er erobert jetzt langsam aber sicher auch die Nebenbäche.“ Dazu gehören etwa die Aula, die Efze und die Ems.

Wenn der Biber die Nebenbäche besiedele, werde es spannend. Denn die Tiere bräuchten eine Mindestwassertiefe von 80 Zentimetern und müssten kleinere Bäche daher aufstauen, erklärt Teigeler.

Die Population
Der Biberbeauftragte schätzt, dass derzeit etwa 60 bis 70 Tiere im Landkreis leben – man zähle pro Revier statistisch 3,5 Tiere, erklärt er. In den letzten beiden Jahren habe es leider keinen Biberbericht mehr gegeben. Bei der letzten Zählung 2018 gab es in ganz Hessen etwas mehr als 700 Biber. Der Bestand habe seitdem aber auf jeden Fall zugenommen, sagt Teigeler. Man könne davon ausgehen, dass die Population jedes Jahr um zehn bis 15 Prozent wachse.

Der Naturschutz
Aus Sicht von Teigeler bringt die Ausbreitung des Bibers vor allem Vorteile für die Region mit sich. „Der Biber gestaltet Lebensräume. Dadurch können sich auch andere Tiere ansiedeln wie Amphibien, Fische, Libellen und Vögel.“ Außerdem werde dadurch, dass die Biber das Wasser der Flüsse und Bäche stauten, die Grundwasserneubildung angeregt. Gut für den Biber sei die Renaturierung von Flüssen, wie sie derzeit zum Beispiel an der Fulda bei Melsungen erfolge oder auch an der Eder bei Felsberg geplant sei. „Dadurch können sich neue Auwälder entwickeln“, erklärt Teigeler – und diese Wälder seien wichtig für Biber, damit die Tiere genug Gehölze fänden.

Die Konflikte
Doch die Ausbreitung des Bibers kann durchaus auch zu Konflikten führen – zum Beispiel mit der Landwirtschaft, etwa, wenn Wiesen unter Wasser gesetzt würden, weil Biber Bäche aufstauen. Auch Fraßschäden an Äckern in Flussnähe könnten auftreten. Doch bislang habe es solche Vorkommnisse im Schwalm-Eder-Kreis kaum gegeben, beruhigt Teigeler. Um solchen Konflikten aber auch künftig aus dem Weg zu gehen, sei es entscheidend, einen breiten Uferrandstreifen an den Flüssen zu entwickeln. Dort dürfe dann keine Landwirtschaft betrieben werden. „Wünschenswert wäre ein Streifen von fünf, besser noch zehn Metern Breite“, sagt Teigeler. Denn die Erdhöhlen der Biber könnten teils bis zu zehn Meter in den Uferbereich hineingehen. Wenn ein Traktor auf solch einem instabilen Untergrund fahre, könne es zu Unfällen kommen.

Die Gefahren
Die größte Gefahr für den Biber sei der Straßenverkehr, damit müsse man leben. „Ganz schlimm war es diesen Winter bei Binsförth, dort sind mindestens zwei Biber überfahren worden“, sagt Teigeler. Die Straße zwischen Binsförth und Neumorschen führe direkt an der Fulda und damit am Biber-Revier entlang. Möglicherweise seien die Tiere auf die Straße gelaufen, um dort herumliegende Eicheln zu fressen. Dort wurden die Tiere von Autos erfasst. Um solche Unfälle künftig zu verhindern, sei geplant, die Leitplanke zu vertiefen, erzählt der Biberbeauftragte.

Die Beobachtung
Aufmerksame Spaziergänger können im Landkreis Spuren der Biber entdecken. So auch Bettina Heuer aus Felsberg: Sie geht oft an der Eder zwischen Felsberg und Altenburg spazieren. Dort fiel ihr kürzlich ein Baum auf, der eindeutige Biber-Fraßspuren aufwies. Auch „Biber-Rutschen“, also Stellen, an denen man sieht, wie die Biber sich ins Wasser gleiten lassen, hat sie schon gesichtet. Heuer hatte sogar einmal das Glück, dort einen Biber zu sehen und sogar mit dem Handy zu filmen: „Das war ein ganz besonderer Augenblick“, erinnert sie sich. Tatsächlich sind Begegnungen mit Bibern trotz der wachsenden Population sehr selten, denn die Tiere seien nachtaktiv, erklärt Gerd Teigeler. (Judith Féaux de Lacroix)

Hier war der Biber am Werk: Bettina Heuer stieß an der Eder zwischen Felsberg und Altenburg auf diesen abgenagten Baum.

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