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Verein sucht helfende Hände für Böddiger Weinberg

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Von: Manfred Schaake

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Beim Abtransport der vom Frost zerstörten Weinstöcke: Felix Heislbetz, links, und Thomas Müller entsorgen das Holz.
Beim Abtransport der vom Frost zerstörten Weinstöcke: Felix Heislbetz, links, und Thomas Müller entsorgen das Holz. © Manfred Schaake

Die Pflanzaktion auf dem Böddiger Weinberg soll fortgesetzt werden Es ist ein mühsamer Weg, bis alle 1650 im Vorjahr vom Frost vernichteten Weinstöcke durch neue Pflanzen ersetzt sind.

Böddiger – Beim jüngsten Arbeitseinsatz kamen rund 700 neue Pflanzen in die Erde. Weitere 450 bis 500 sollen in diesem Frühjahr noch dazu kommen, der Rest im Herbst. Das war die Bilanz nach zwei langen Arbeitstagen.

Zwei Frauen und 15 Männer packten mit an. „Es hätten 25 Helfer sein müssen, um das zu schaffen, was wir uns vorgenommen hatten“, hieß es am Abend des zweiten Arbeitstages. „Aber wir müssen zufrieden sein mit dem, was wir an Unterstützung haben“, sagte Dr. Hubert Schaake. Der Hals-, Nasen- und Ohrenarzt und Weinliebhaber hat den jüngsten Arbeitseinsatz koordiniert.

Bei sommerlichen Temperaturen floss viel Schweiß im Weinberg. Schwierig ist das Herstellen der Pflanzlöcher. Dafür hat man einen Erdbohrer an einen Bagger montiert. Andererseits hat der steinhaltige Boden auch etwas Gutes: Er ist sehr fruchtbar und die Basaltsteine halten die Wärme. „Auf diesen schönen Vulkanboden wäre mancher Rheingauer Winzer neidisch“, sagte ein Gründungsmitglied des Fördervereins Böddiger Berg.

Viel Engagement für den Weinberg: (von links) Peter Krieger und Manfred Wolf gehören seit vielen Jahren zu den Unterstützern des Fördervereins Böddiger Berg.
Viel Engagement für den Weinberg: (von links) Peter Krieger und Manfred Wolf gehören seit vielen Jahren zu den Unterstützern des Fördervereins Böddiger Berg. © Manfred Schaake

Zu den Unterstützern gehört auch Thomas Müller aus Felsberg. Der Soldat gehört dem Kampfhubschrauberregiment in Fritzlar an und unterstützt den Förderverein seit zwei Jahren. Nach einem Auslandseinsatz lebt er seit 2015 in Felsberg und entdeckte seine Liebe zu diesem Weinberg bei der Weinlese 2020. „In der Natur zu arbeiten ist ein schöner Ausgleich zum Alltag“, sagt der 51-Jährige. Und: „Man tut hier etwas für die Gemeinschaft, was heute leider viel zu kurz kommt.“

Für den gebürtigen Erlanger ist es, wie er betont, „schön dass dieser Weinberg so gelebt wird“. Peter Krieger aus Felsberg, dessen Vater Wilfried zu den Mitbegründern des Fördervereins gehört, ließ sich beim Arbeiten von dem schweren Boden nicht bremsen: „Viele schöne Steine für einen guten Wein.“ Erstmals unter den Helfern war Felsbergs Ortsvorsteher Klaus Döll. „Es ist wichtig, alles zu tun. Um dieses Kulturgut zu erhalten und nicht nur zur Weinlese zu kommen“, betonte er.

Ernte und Qualität der Trauben sind alle Jahre wieder abhängig von der Natur. Wie berichtet, hatte es im Vorjahr erstmals seit der Gründung des Weinanbaus durch Georg Angersbach in den 1950er-Jahren keine Weinlese gegeben. Der strenge Frost im Februar 2021 und Spätfröste im Frühjahr hatten schwere Schäden zur Folge, während der Dissener Winzer Klaus Minkel im September mehr als fünf Tonnen Trauben ernten konnte. Das sind die Folgen des Klimawandels vor der Haustür.

Arbeitseinsatz im Böddiger Berg: Unser Bild zeigt einen Teil der Helfer und Helferinnen während einer kurzen Pause. Auf dem
Arbeitseinsatz im Böddiger Berg: Unser Bild zeigt einen Teil der Helfer und Helferinnen während einer kurzen Pause. Auf dem Foto der Bagger mit dem Spezialbohrer. © Manfred Schaake

Am Böddiger Berg hatte es im Herbst 2018 nach einem heißen und trockenen Sommer die beste Ernte aller Zeiten gegeben. Knapp 10 .000 Flaschen kamen in den Handel. 2017 waren es nur 1850 Flaschen von 2,5 Tonnen Trauben gewesen. Dieser Jahrgang war im Handel nicht erhältlich. Im Mai 2020 waren nur etwa 3000 Flaschen in den Handel gekommen. 2015 waren zehn Tonnen Trauben geerntet worden, 2014 nur 1,8 Tonnen und 2013 9,4 Tonnen. (Manfred Schaake)

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