Brand löschen statt abstimmen

Feuerwehrmann und Lokalpolitiker ist schwer zu vereinbaren

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Sie müssen Feuerwehrarbeit und politisches Engagement unter einen Hut bringen: Ortsbeiratsmitglied Jan Machmar (dritter von links) und die vier Stadtverordneten Kai Brandenstein, Sebastian Bauer, Michael Frommann und Sebastian Dominik (von links), alle Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen. Auf dem Foto sitzen sie in Feuerwehrkleidung im Felsberger Bürgersaal, wo unter anderem die Stadtverordnetenversammlungen stattfinden.

Felsberg. In der letzten Felsberger Stadtverordnetenversammlung des Jahres fehlte die Grünen-Fraktion komplett. Der Grund: Fast alle Fraktionsmitglieder sind auch Feuerwehrleute und mussten an diesem Abend zu einem Großbrand ausrücken.

Wie schwierig es sein kann, mehrere Ehrenämter zu vereinbaren, erzählen fünf Felsberger Grüne im HNA-Gespräch.

Wenn sie sich zweiteilen könnten, wäre manches leichter. Stattdessen müssen Michael Frommann (31), Sebastian Bauer (27), Kai Brandenstein (27), Sebastian Dominik (30) und Jan Machmar (35) immer wieder die Entscheidung treffen: Was ist jetzt wichtiger - die Arbeit für die Feuerwehr oder die Lokalpolitik? Frommann, Bauer, Brandenstein und Dominik sitzen als Stadtverordnete für die Grünen-Fraktion im Felsberger Parlament, Machmar ist Mitglied im Gensunger Ortsbeirat. Alle fünf sind zudem Feuerwehrleute. Zwei Ehrenämter, die viel Zeit erfordern - zumal die fünf Männer bei der Feuerwehr auch besondere Posten übernommen haben: ob Wehrführer, Gerätewart oder Vereinsvorsitzender.

Nicht immer können sie alles unter einen Hut bringen. „So einen Extremfall wie den, als Stadtverordnetenversammlung und Großbrand zusammenfielen, hatten wir vorher noch nicht“, sagt Frommann. Aber Terminüberschneidungen gebe es häufig.

„Da muss man Prioritäten setzen und entscheiden, welcher Termin jetzt wichtiger ist“, sagt Machmar. Auch, wenn es sich komisch anfühle, die Kollegen im Ortsbeirat alleine zu lassen, weil man zur Feuerwehr müsse. Neben ihren Vollzeitjobs und den Ehrenämtern bleibe ihnen nicht mehr viel Freizeit, berichten die fünf Grünen. Allein für die Feuerwehr sei er im Monat 80 bis 90 Stunden aktiv, sagt Frommann. „Was ich für die Politik mache, schreibe ich mir nicht auf.“

Warum sie sich die Doppelbelastung trotzdem antun? „Manchmal denkt man schon, man ist verrückt“, sagt Machmar und lacht. „Aber es macht Spaß - sonst würden wir das auch nicht machen“, stellt Fromman klar und fügt hinzu: „In der Feuerwehr sind wir alle schon von kleinauf, wir sind da reingewachsen.“ Machmar ergänzt: „Und in die Politik sind wir gegangen, weil wir etwas verändern wollten.“ Brandenstein führt aus: „Wir wohnen ja alle hier und wollen auch hier bleiben - deshalb wollen wir bestimmte Dinge auch verbessern.“ Ein wichtiges Ziel sei, die Verschuldung der Stadt abzubauen, findet Sebastian Bauer.

Neben den doppelten Ehrenämtern haben die Männer eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind vergleichsweise jung für Lokalpolitiker. „Wir wollten jugendlichen Schwung in die Politik bringen“, sagt Fromann. Er wünsche sich, dass sich mehr junge Leute in Felsberg ehrenamtlich engagieren - „dafür gibt es durchaus Potenzial“, ist der 31-Jährige überzeugt. „Und dann wäre es auch nicht nötig, dass einige wenige junge Leute im Ehrenamt zweigleisig fahren.“

Auf Dauer sei es schwierig, mehrere Ehrenämter hundertprozentig auszufüllen. Das merke er vor allem jetzt als Wehrführer. Bis zur nächsten Kommunalwahl, sagt Frommann, werde er sich deshalb wohl endgültig zwischen seinen beiden Ehrenämtern entscheiden müssen - beides könne er auf Dauer nicht mehr stemmen.

Von Judith Féaux de Lacroix

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