Ziel: Kreative Formen von Protest ausprobieren

Bunter Protest mit Clowns: Attac-Akademie startet in Felsberg

Auch so kann eine Demo aussehen: Clownerie ist nur eine von vielen Protestformen, um die es bei der Attac-Aktionsakademie in Felsberg geht. Foto: privat/nh

Felsberg. Mehr als hundert junge Leute aus ganz Deutschland kommen ab heute nach Felsberg. Dort startet auf dem Gelände der Jugendwerkstatt eine Aktionsakademie von Attac.

Die Veranstaltung der globalisierungskritischen Nichtregierungsorganisation findet erstmals im Schwalm-Eder-Kreis statt. Darüber sprachen wir mit Katy Weber aus Niedenstein, die Mitglied im Vorbereitungsteam der Akademie ist.

Frau Weber, was passiert bei der Attac-Aktionsakademie? 

Katy Weber: Es geht darum, kreative Formen von Protest auszuprobieren. Es wird immer beklagt, dass sich junge Leute nicht an der Politik beteiligen - aber um diese Zielgruppe zu erreichen, reichen Podiumsdiskussionen nicht aus. Man muss Botschaften auf kreative Art transportieren, zum Beispiel mit Flashmobs, also spontanen Zusammenkünften von vielen Menschen.

Was genau kann man bei der Aktionsakademie lernen? 

Weber: Wir bieten Workshops an zu Themen wie politisches Straßentheater, Clownerie, Sambatrommeln, Stelzenlaufen und freies Klettern - das sind alles Möglichkeiten, wie man eine Demonstration bunt und ungewöhnlich gestalten kann. Es gibt aber auch Seminare zum Thema Kommunikation, Webseitengestaltung, Fotografie und Videoschnitt - das ist zum Beispiel für Bürgerinitiativen interessant, die wissen wollen, wie sie sich im Internet präsentieren können.

Straßentheater, Stelzenlauf - nicht immer laufen Demonstrationen so friedlich ab. Das hat zuletzt das Beispiel Blockupy im März in Frankfurt gezeigt. Wie gehen Sie damit um? 

Weber: Ich finde es wichtig, dass Menschen für ihre Meinung auf die Straße gehen, aber selbstverständlich lehne ich Gewalt gegen andere ab. Von uns geht keine Gewalt aus, das ist bei Attac Konsens. Manche Protestformen, um die es auch bei der Akademie geht, wurden sogar extra zur Deeskalation entwickelt.

Wie hat die Polizei im Schwalm-Eder-Kreis auf die Veranstaltungsankündigung reagiert?

Weber: Ich habe zunächst die Polizei in Melsungen über unser Programm informiert. Am nächsten Tag hat sich dann auch die Polizei aus Homberg bei mir gemeldet und wollte wissen, was wir genau vorhaben. Ich rechne in keinster Weise damit, dass während der Akademie etwas passiert. Für den Fall der Fälle hat die Polizei meine Handynummer. Für uns alle gilt: Es geht nur miteinander.

Die Attac-Aktionsakademie findet zum ersten Mal im Schwalm-Eder-Kreis statt. Wie kam es dazu? 

Weber: Wir haben für die Akademie einen zentralen Ort gesucht, und Nordhessen liegt mitten in Deutschland. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass wir hierher gehen, und finde es großartig, dass das geklappt hat.

Warum fiel die Wahl gerade auf Felsberg?

Weber: Normalerweise sind wir in Schulen untergebracht. Aber ich habe in verschiedenen nordhessischen Landkreisen Absagen bekommen, weil wir als globalisierungskritisches Netzwerk hier als politische Organisation gelten und damit nicht in Schulen dürfen. Dann fiel mir die Jugendwerkstatt Felsberg ein. Der Verein hat sich dafür ausgesprochen, uns zu beherbergen. Wir sind superfroh, denn sonst hätte die Akademie nicht in der Region stattfinden können. Felsberg ist auch deshalb ideal, weil es eine Zuganbindung gibt: Denn die meisten Teilnehmer reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an.

Was unterscheidet diesen Veranstaltungsort von anderen?

Weber: Aus meiner Sicht ist es eine Bereicherung für beide Seiten, wenn eine Organisation wie Attac auch mal aufs Land geht. Teilnehmer und Organisatoren, die sonst die Voraussetzungen in der Großstadt gewöhnt sind, erleben nun, wie eine Veranstaltung abläuft, wenn es zum Beispiel Handyfunklöcher gibt und eine langsamere Internetverbindung. Aber auch für die Menschen vor Ort ist es eine Bereicherung, so etwas Ungewöhnliches bei sich zu beherbergen.

Sieht man das in Felsberg auch so? 

Weber: Ich habe mich mit Bürgermeister Volker Steinmetz getroffen und ihn als sehr offen und aufgeschlossen der Sache gegenüber wahrgenommen. Dasselbe kann ich über Landrat Winfried Becker sagen. Ich bin auf offene Türen und Ohren gestoßen.

Worauf müssen sich die Anwohner in den kommenden Tagen einstellen? 

Weber: Auf junge engagierte Menschen, die ein paar Tage in ihrer Nachbarschaft workshoppen. Dabei wird es sicher leiser zugehen als bei einem Stadtfest oder einer Kirmes. Wir werden in der Nachbarschaft Zettel mit Informationen zur Veranstaltung und meiner Handynummer verteilen. Wenn jemand Fragen oder Anregungen hat, kann er mich anrufen.

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