Coronavirus

Mental die Balance halten: Felsberger Psychologin entwickelt Training für Zeit in der Corona-Krise

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Hat ein Training erstellt, um in der Coronakrise mental fit zu bleiben: Psychologin Hanna Heckendorf (29) aus Felsbergs hat das Programm „get.calm and move.on“ erstellt. 

Die Coronakrise macht den Menschen zu schaffen – auch psychisch. Die Angst um den Arbeitsplatz und die damit verbundene finanzielle Lage stellt eine Sorge dar.

Felsberg - Aber auch der Wegfall vieler sozialer Kontakte bereite den Menschen Sorge. Gerade Menschen, die bereits psychisch vorbelastet seien, könnten in ein tiefes Loch rutschen. Das weiß auch Psychologin Hanna Heckendorf.

Die gebürtige Felsbergerin hat gemeinsam mit Professor Dr. Dirk Lehr von der Uni Lüneburg, eine Online-Intervention zur psychischen Unterstützung in der Coronakrise entwickelt. Diese soll die Menschen in der Krise unterstützen. Die Online-Intervention trägt den Namen „get.calm and move.on“ (Bleibe ruhig und schaue nach vorne) und ist aufgebaut als zehntägiges Training. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Heckendorf promoviert an der Uni Lüneburg. Die Wirksamkeit des Zehn-Tages-Training ist noch nicht evaluiert. Derzeit läuft die Studie noch und dafür sucht Heckendorf noch Teilnehmer. Etwa 90 Menschen haben bereits an dem Training teilgenommen oder sind gerade noch dabei. Die Resonanzen seien nach Aussage von Heckendorf positiv gewesen. Die Teilnahme ist anonym.

Corona-Krise: Psychologin gibt Tipps - Die Idee

Die Auswirkungen der Coronakrise auf die Psyche und das gesellschaftliche Leben behält Heckendorf seit Mitte März im Auge. „Da hatte ich erstmals die Idee, das Training zu erstellen“, erzählt die 29-Jährige. Neben ihrer Promotion arbeitet Heckendorf auch in einer psychosomatischen Klinik in Bad Wildungen. „Als Psychologin habe ich die Verunsicherung, die die Coronakrise bei vielen auslöst, bemerkt“, sagt sie. Die Distanzierung zu anderen Menschen und die wirtschaftlichen Auswirkungen bereite den Menschen Sorgen. Die Coronakrise werde bereits jetzt als einschneidendes und herausfordernstes Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet, so Heckendorf.

Täglich werde über die neusten Geschehnisse im Zuge des Coronavirus berichtet. Doch die bislang psychologischen Auswirkungen, die eine solche Krise nach sich ziehe, seien bislang nicht in den Fokus gerückt. Bereits veröffentlichte Studien hätten gezeigt, dass Quarantänemaßnahmen und Isolation, Depressivität, Stimmungstiefs, posttraumatische und allgemeine Stresssymptome, nach sich ziehen könnten, erklärt Heckendorf. „Deswegen ist es wichtig, zu schauen, wie man Menschen in der Krise unterstützen kann“, sagt sie.

Corona-Krise: Psychologin gibt Tipps - Die Umsetzung

Das Online-Training hat Heckendorf größtenteils selbst programmiert. „Im Zuge meiner Promotion über internetbasierte Interventionen, habe ich mir auch das Programmieren beigebracht“, erzählt sie. Vier Wochen hat sie neben der Arbeit an dem Programm gearbeitet.

Gemeinsam mit ihrem Professor hat sie für das Training Einführungs-Videos für jede Einheit in ihrer Wohnung in Kassel aufgenommen. „Normalerweise machen wir das in der Uni – aber das ist derzeit nicht möglich“, sagt sie.

Corona-Krise: Psychologin gibt Tipps - Das Training

Nach der Anmeldung müssen die Teilnehmer erste Fragen beantworten. Dabei wird geschaut, ob das Training zu den Bedürfnissen der Interessenten passt oder ob diese intensivere Unterstützungsangebote brauchen. Dann erhält eine Gruppe das Training sofort und eine andere nach 14 Tagen. Nach 14 Tagen wird der Gemütszustand der Teilnehmer über Online-Fragebögen gemessen. „So können wir untersuchen, ob das Training hilft“, erklärt Heckendorf.

Das Training beinhaltet zehn Einheiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Einheiten bauen aufeinander auf und werden nacheinander bearbeitet. Man kann aber auch auf schon bearbeitete Inhalte zurückblicken. Für das Training benötige man täglich etwa 30 Minuten, erklärt Heckendorf. Das Gelernte können die Teilnehmer dann im Alltag trainieren.

Im Verlauf des Trainings lernen die Teilnehmer drei fiktive Personen kennen. „Die fiktiven Personen Julia, Maria und Stefan repräsentieren beispielsweise typische Schwierigkeiten, die Menschen aktuell während der Krise haben können und begleiten die Teilnehmer durch das Training.“ An ihnen können und dürfen sich die Teilnehmer beim Trainieren orientieren.

Durch die Trainingseinheiten sollen die Teilnehmer lernen, wie sie mit Sorgen und unangenehmen Gefühlen umgehen können, wie und mit was sie ihren Alltag strukturieren und sich selbst unterstützen können, erklärt Heckendorf. Es geht auch darum, die kleinen positiven Dinge und die eigenen Kraftgeber im Blick zu behalten, sagt Heckendorf.

Mehr Informationen zum Training gibt es unter geton-training.de.

Corona: Tipps einer Psychologin - so ist das Training aufgebaut:

  • Tag 1: Gut strukturiert in den Tag starten
  •  Tag 2: Wertvolle Aktivitäten finden und pflegen
  •  Tag 3: Mit Sorgen umgehen
  •  Tag 4: Beeinflussbares anpacken
  •  Tag 5: Bewusst entspannen
  •  Tag 6: Mit schwierigen Gefühlen umgehen
  •  Tag 7: Mit schwierigen Gefühlen umgehen II
  •  Tag 8: Mich selbst zu schützen
  •  Tag 9: Positives im Blick behalten
  •  Tag 10: Meinen Strategie-Koffer packen

Corona-Krise: Stichwort „Internetbasierte Intervention“

Als Intervention wird in der Medizin jede aktive Form von Behandlung bezeichnet. Dies umfasst therapeutische und präventive Maßnahmen gleichermaßen. Gerade in der psychosozialen Versorgung mehren sich Konzepte, die versuchen, das Internet für psychologische und psychotherapeutische Interventionen zu nutzen. 

Dabei soll mit Online-Trainings und Apps die psychische Gesundheit gestärkt werden. Das Forschungsteam an der Leuphana Universität Lüneburg, dem Hanna Heckendorf angehört, hat bereits mehrer dieser Internetbasierten-Interventionen gemacht. Hanna Heckendorf hat bereits eine Internetbasierte-Intervention zum Thema Dankbarkeit veröffentlicht.

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