Coronavirus in Nordhessen

Um Hausärzte zu entlasten: Erste Covid-19-Schwerpunktpraxis im Schwalm-Eder-Kreis

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Hier soll der Patient in Empfang genommen werden: von links Susanne Schachtrupp und Constanze Discher.

Die erste Covid-19-Schwerpunktpraxis im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen wird ab Montag (06.04.2020) im Bahnhof Gensungen in Betrieb genommen.

Die Praxis soll andere Hausarztpraxen im Altkreis Melsungen entlasten. In der provisorischen Praxis werden ausschließlich Patienten aus dem Altkreis und angrenzenden Gemeinden mit einem Verdacht auf Corona behandelt.

Covid-19-Schwerpunktpraxis in Nordhessen: Ärzte im Einsatz

Die erste Covid-19-Schwerpunktpraxis im Landkreis ist auf Anregung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen entstanden (KVH), erklärt Allgemeinmediziner Meinhard Rudolff. Die KVH habe sich bei allen Hausärzten informiert, ob einer seine Praxis für eine solche Schwerpunktpraxis zu Verfügung stellen könne, erklärt Rudolff. „Das hat uns Ärzte im Altkreis zum Grübeln gebracht“, sagt er. Deshalb eine gemeinschaftliche Lösung: Gemeinsam mit den Ärzten Lotta Jacob (Melsungen), Susanne Schachtrupp (Melsungen) und Constanze Discher (Gensungen) haben sie die Organisation und Umsetzung einer Covid-19-Schwerpunktpraxis übernommen. „Insgesamt machen jetzt aber schon 22 Ärzte aus dem Altkreis Melsungen mit“, sagt Rudolff. Hausärzte aus Körle und Guxhagen sind noch nicht dabei. „Das liegt aber daran, dass sie von der KVH eher zu Kassel, als zum Schwalm-Eder-Kreis gezählt werden“, sagt er.

Covid-19-Schwerpunktpraxis: So ist die Corona-Praxis aufgebaut

In der Praxis sollen künftig ausschließlich Patienten mit den typischen Symptomen, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hindeuten, untersucht werden. „Der Vorteil ist, dass wir mehr Verdachtsfälle überprüfen und die Verdachtspatienten zentral behandeln können“, sagt Rudolff.

Die Praxis ist aber kein Ersatz für das Corona-Testzentrum im Landkreis, betont Constanze Discher. Die Patienten melden sich weiterhin bei ihren Hausärzten und schildern diesen ihre Symptome. Der Hausarzt überweist den Patienten dann nach einer ersten Einschätzung in die Schwerpunktpraxis. Dort übernehmen dann jeweils ein Arzt und ein Helfer. „Wir werden die Schichten untereinander einteilen.“ Die Arzthelfer seien entweder Personal der Ärzte oder „Ehrenamtliche der DRK-Ortsverbände“, sagt Lotta Jacob.

Die Praxis im Alten Bahnhof in Gensungen ist nicht ständig geöffnet: „Wir machen Termine und erwarten die Patienten dann einzeln“, sagt Rudolff. Vormittags soll die Praxis besetzt sein, nachmittags biete man einen Fahrdienst an, „damit wir auch ältere Menschen, die beispielsweise bettlägerig sind, untersuchen können“, sagt Susanne Schachtrupp. Mit dieser Praxis könne man deutlich ressourcenschonender arbeiten. „Denn wie wir alle wissen, ist Schutzkleidung rar“, sagt Rudolff. Die Schutzkleidung müsse dann nicht so oft gewechselt werden, wie in einer normalen Praxis.

In Kooperation mit der Stadt Felsberg habe man schnell eine Lösung gefunden: „Das Bahnhofsgebäude ist zurzeit sowieso leer – wir müssen jetzt schnell handeln“, sagt Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz. „Wir waren auf Anregung der Ärzte gerne bereit, das Gebäude für den medizinischen Bereich zur Verfügung zu stellen.“ Über einen Nutzungsvertrag und damit eventuell verbundenen Kosten haben sich die Ärzte und die Stadt stillschweigend geeinigt.

Meinhard Rudollf und Lotta Jacob (Hausärztin Melsungen) und Volker Steinmetz

So läuft die Behandlung in der Covid-19-Schwerpunktpraxis

Soll ein Patient von seinem Hausarzt in die Schwerpunktpraxis überwiesen werden, erstellt dieser zunächst eine erste Übersicht. Darin steht, ob der Patient die typischen Symptomen der Krankheit zeigt. „Die wichtigsten Vorfragen werden geklärt“, sagt Schachtrupp. Diese Unterlagen werden dann per Fax an die Covid-19-Schwerpunktpraxis geschickt. „Wir erstellen dann eine Anamnese und untersuchen den Patienten“, sagt sie.

In der Praxis wird dann beispielsweise die Sauerstoffsättigung im Blut getestet, um die Lungenfunktion zu überprüfen. „Wir sind aber keine Ersatzklinik, ein Röntgengerät wird nicht aufgebaut, um die Lunge zu untersuchen“, erklärt Schachtrupp.

„Aus unserer Diagnose erstellen wir dann eine Antwort auf das erste Fax-Schreiben des Hausarztes“, sagt Jacob. „Wir werden keine Krankmeldungen sowie Rezepte ausstellen, das übernimmt weiterhin der Hausarzt“, so Jacob. Dieser überweist den Patienten dann auch gegebenenfalls an das Corona-Testzentrum.

Das Inventar für die Praxis wird zum Teil vom DRK-Ortsverein gestellt, sagt Rudolff. Ein Sauerstoffgerät, eine Liege und ein Defibrillator gehören dazu. In einem separaten Raum auf der ersten Etage wird der Patient empfangen, in einem dahintergelegen Raum untersucht.

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